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Rätsel um Flug MH370: Iraner buchte Tickets für Passagiere mit falscher Identität

AFP

Es gab Vermutungen, das Verschwinden der malaysischen Boeing habe einen terroristischen Hintergrund: Zwei Passagiere reisten mit gestohlenen Pässen - einer von ihnen ein 19-jähriger Iraner, der vermutlich nach Deutschland wollte. Landsleute buchten die Tickets. Doch die Männer gerieten wohl zufällig an Bord des Todesflugs.

Kuala Lumpur/Bangkok - Zwei mit gestohlenen Pässen reisende Passagiere des verschollenen Malaysia-Airlines-Fluges hatten wohl nichts mit Terrorismus zu tun. Davon geht die Polizei in Thailand aus. Die beiden Männer, unterwegs mit geklauten Papieren eines Österreichers und eines Italieners, könnten demnach Asylbewerber gewesen sein.

Laut dem Chef der malaysischen Polizei war einer der beiden Passagiere ein 19-jähriger Iraner. Die Identität des anderen Mannes werde geprüft, sagte Khalid Abu Bakar. "Wir glauben nicht, dass er zu irgendeiner Terrorgruppe gehörte. Wir glauben, dass er nach Deutschland auswandern wollte." Der Mann hatte einen Flug von Kuala Lumpur über Peking und Amsterdam nach Frankfurt gebucht.

Die Tickets waren in Pattaya gebucht worden. Auch Supachai Puikaewcome, Polizeichef der thailändischen Stadt, hatte mitgeteilt, es sei "sehr gut möglich", dass es sich bei den Passagieren mit gestohlenen Pässen um Iraner gehandelt habe. Diese Information deckt sich zudem mit einem Bericht der BBC. Demnach berichtete ein Informant in Kuala Lumpur, bei den Männern handele es sich um iranische Staatsangehörige. Er habe die beiden vor dem Abflug bei sich untergebracht. Sie seien mit den gestohlenen Pässen an Bord gegangen.

Die Indizien sprächen gegen die Theorie, dass die Männer in terroristische Aktivitäten verwickelt gewesen seien, sagte Polizeichef Supachai Puikaewcome. Die Tickets seien darauf ausgelegt gewesen, möglichst günstig von Peking nach Europa zu gelangen, so der Ermittler. Das lege nahe, dass die Männer eher zufällig an Bord der Maschine gewesen seien.

"Wenn man nur nach der Buchung urteilt, hätten sie bei einem Terroranschlag nach einer bestimmten Flugroute und Flugzeug gefragt. Stattdessen wollten sie das günstigste Ticket und wählten keine spezifische Strecke oder Airline." Dass zwei Personen mit gestohlenen Pässen an Bord waren, hatten manche Beobachter als möglichen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund des Unglücks gedeutet.

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Malaysia: Schiffe, Flugzeuge und ein riesiges Suchgebiet
Ermittler befragten zwei Reisekaufleute in Pattaya. Ein Iraner, von der Polizei Kazem Ali genannt, hatte die Flugscheine telefonisch gebucht. Der Mann soll sich in Iran aufhalten. Ermittlern gelang es nicht, die Telefonnummer herauszufinden. Eine nicht registrierte Agentur namens Grand Horizon habe den Auftrag entgegengenommen, eine zweite Agentur, "Six Stars Travel", habe die Buchung durchgeführt.

Ein anderer Iraner, von Ermittlern "Hasem" genannt, bezahlte die Tickets bar. Er soll sich in Pattaya aufhalten. "Wir haben diesen Mann befragt, aber wir haben nichts Verdächtiges herausgefunden", sagte Supachai Puikaewcome. Die Polizei ermittelt nun, ob die beiden Iraner an Menschenhandel beteiligt waren.

Thailändische Medien berichteten unter Berufung auf die Agentur Grand Horizon, Ali sei ein Stammkunde. Er habe zunächst Plätze bei den Fluggesellschaften Etihad oder Qatar Airlines buchen wollen. Er habe dann China Southern gebucht, weil die Tickets billiger gewesen seien. China Southern bot den Unglücksflug im Codesharing mit Malaysia Airlines an.

Suchteams weiten Einsatzgebiet aus

Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord war am Samstagmorgen nach dem Start in Kuala Lumpur vom Radar verschwunden. Seither fehlt von der Maschine jede Spur. Die Suche soll am Dienstag ausgeweitet werden.

Malaysia Airlines teilte mit, die Suche konzentriere sich nun auf die Westküste des Landes, die Region um die Straße von Malakka. Bislang war man davon ausgegangen, die Maschine sei östlich des Landes ins Meer gestürzt. Wenn das Flugzeug tatsächlich im Westen des Landes verunglückt sein sollte, hätte es in Kuala Lumpur Richtung Osten starten, dann eine Kehrtwende machen und unbemerkt über das Land fliegen müssen. Dies würde zu Berichten passen, wonach auf dem Militärradar beobachtet worden sei, dass das Flugzeug seine Richtung geändert habe.

Die Suche hatte im Meer zwischen Malaysias Ostküste und Vietnam begonnen. In der Region hatte die Maschine zuletzt Kontakt zu den Behörden. Nun wird die Suche ausgeweitet und soll alle Orte einschließen, die das Flugzeug theoretisch mit dem an Bord vorhandenen Treibstoff hätte erreichen können.

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ulz/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 149 Beiträge
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1. Motiv fehlt
Anton Waldheimer 11.03.2014
Iran kann an einem Absturz einer Maschine nach China kein Interesse haben
2.
sagichned 11.03.2014
Von den Leuten ohne Ahnung wird schon wieder so ein Aufschrei darüber gemacht, was ganz einfach zu erklären ist. Spon hätte doch einfach bei dem Zoll nachfragen sollen, wieviele Leute man mit gefälschten/gestohlenen Pässen so pro Woche rausfischt. Das tun Personen nämlich um in ein Land reinzukommen.
3. Ja was denn nun
Alfons Emsig 11.03.2014
Diesmal sollen die fraglichen Passagiere mit dem gestohlenen italienischen bzw. österreichischen Pass also Iraner sein. Dabei hat sich doch der malaysische Innenminister persönlich darüber gewundert, warum bei der Passkontrolle niemandem die beiden Reisenden mit "asiatischen" Gesichtszügen aufgefallen sind: http://www.spiegel.de/panorama/malaysia-airlines-flug-mh370-fragen-und-antworten-a-957832.html Wenn selbst Malaysier nicht mehr zwischen asiatischen und kaukasischen bzw. persischen Gesichtszügen unterscheiden können, weiß ich auch nicht mehr, was von diesen Ermittlungen zu halten ist. Viel wichtiger scheint nun ohnehin die Suche nach der Absturzursache zu werden, da die Wahrscheinlichkeit eines terroristischen Anschlags aus meiner Sicht immer geringer erscheint - auch weil es selbst vier Tage danach noch keine Bekenner gibt.
4. Terrorismus?
seniorfd 11.03.2014
Wohl offensichtlich nichts dran, aber immer schön den Terrorismus als Möglichkeit erwähnen !Bekommt Sporn da erigentlich Kohle für!Bildzeitung lässt grüßen!
5. Ziel war Europa
plagiatejäger 11.03.2014
Die Unbekannten mit falschem Paß wollten nach Europa, die Flugroute und Carrier waren offenbar zunächst egal. Aber die Angaben aus dem Reisebüro müssen auch nicht stimmen, es sind nur Zeugenaussagen. Bei Zielen nach und später innerhalb von Europa (Amstaerdam nach Frankfurt), wird irgendwann auch eine Europ. oder Deutsche Fluglinie betroffen. Deshalb sollten auch Deutsche Terrorexperten, BKA etc. ermitteln. Flugziel war ja Frankfurt. Vielleicht bekommt man von der NSA ja auch Hinweise zu den Telefonverbindungen der mutmaßlichen Schmuggler oder Terroristen - oder kann etwas beisteuern, falls die Verdächtigen schon einmal als Kriminelle in Deutschland tätig waren.
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Fotostrecke
Malaysia-Airlines-Maschine: Suche vor Südvietnam

Passagiere nach Nationalitäten
China 153
Malaysia 38 + 12 Flugzeugbesatzung
Indonesien 7
Australien 6
Indien 5
Frankreich 4
USA 3
Kanada 2
Neuseeland 2
Ukraine 2
Russland 1
Taiwan 1
Italien 1 (gestohlener Pass)
Österreich 1 (gestohlener Pass)
Niederlande 1


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