Neues Balearen-Gesetz Stiere dürfen auf Mallorca nicht mehr getötet werden

Auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln soll es keine blutigen Stierkämpfe mehr geben. Das Regionalparlament verabschiedete ein Gesetz, wonach die Tiere von den Toreros weder verletzt noch getötet werden dürfen.

Stierkampf in Spanien (Archiv)
DPA

Stierkampf in Spanien (Archiv)


Der traditionelle Stierkampf wird auf den spanischen Balearen-Inseln künftig stärker als bisher reguliert: Die Tiere dürfen nicht mehr im Kampf getötet werden. Am Montag beschloss das Regionalparlament ein entsprechendes Gesetz. Demnach dürfen nur noch drei Stiere für je zehn Minuten durch die Arenen gejagt werden. Die Toreros dürfen zudem "keinen spitzen Gegenstand, der den Stier herausfordert oder verletzt", verwenden.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen bei Stierkämpfen nicht mehr zuschauen, der Verkauf von Alkohol wird verboten. Auch das berühmte Stiertreiben von Fornalutx, das seit 1882 alljährlich abgehalten wird, dürfe nicht mehr in seiner bisherigen Form durchgeführt werden, berichtete die spanische Nachrichtenagentur Europa Press. Demnach wurde es zur Auflage gemacht, dass der Stier nicht mehr an ein Seil gebunden durch die engen Gassen der Tramuntana-Gemeinde gehetzt wird, sondern auf einem Gelände frei laufen darf.

Die linksgerichtete Regionalregierung der Balearen, zu denen unter anderen die Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza gehören, hatte das Gesetz eingebracht. Für das Gesetz stimmten die Sozialisten der PSIB, die linksökologische Regionalpartei Més und die Linkspartei Podemos.

Große Tradition, zunehmende Proteste

Dagegen votierte die Opposition, allen voran die konservative Volkspartei (PP), der auch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy angehört. Die PP hatte im Vorfeld gewarnt, dass die neue Regelung gegen ein spanisches Gesetz verstoße, das die Corrida als "immaterielles Kulturgut" definiert.

Ein komplettes Stierkampfverbot in der Region Katalonien war vergangenes Jahr vom spanischen Verfassungsgericht aufgehoben worden. Es urteilte, die Corrida sei ein wichtiger Teil der spanischen Kultur. Die Kanarischen Inseln sind die einzige Region in Spanien, in der der Stierkampf komplett verboten ist.

Der Stierkampf ist in weiten Teilen des Landes immer noch sehr beliebt. Schätzungen zufolge besuchen jedes Jahr sechs Millionen Fans die Arenen. Allerdings gibt es zunehmend Widerstand gegen diese Tradition, die von Tierschützern kritisiert wird.

Im Mai beteiligten sich Tausende Menschen in Madrid an einer Demonstration gegen den Stierkampf. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Stierkämpfe in Spanien gesunken: 2012 wurden noch 475 ausgerichtet, 2016 waren es nach offiziellen Zahlen noch 386.

wit/dpa/AFP



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