Dutzende Verletzte in Mannheim Polizei untersucht Zugunglück - Hubschrauber im Einsatz

Es passierte kurz vor dem Hauptbahnhof in Mannheim: Ein Güterzug rammte einen Eurocity, Dutzende Passagiere wurden verletzt. Im Bahnverkehr der Region kommt es jetzt zu Störungen.


Mannheim - Bei einem Zugunglück am Mannheimer Hauptbahnhof sind Dutzende Menschen verletzt worden, mehrere von ihnen schwer. Nach Angaben der Deutschen Bahn und der Feuerwehr rammte ein Güterzug einen Eurocity, woraufhin fünf Waggons des Passagierzuges entgleisten. Zwei Waggons stürzten um, auch ein Waggon mit zwei Containern des Güterzugs kippte auf die Seite.

Inzwischen haben Spezialisten der Bundespolizei Ermittlungen an der Unfallstelle aufgenommen. Von einem Hubschrauber aus machten sie Luftaufnahmen. Auch die Experten der Unfalluntersuchungsstelle des Bundes trafen in Mannheim ein. Sie überprüften unter anderem den Betriebsablauf. Außerdem müsse untersucht werden, ob die Signale und die Fahrzeuge richtig funktionierten, sagte eine Sprecherin.

Den Angaben der Bahn zufolge waren 250 Reisende in dem EC 216 auf dem Weg vom österreichischen Graz nach Saarbrücken. Zur Zahl der Verletzten gab es in der Nacht unterschiedliche Angaben. Die Feuerwehr, deren Einsatz nach eigenen Angaben gegen 1 Uhr beendet war, sprach von fünf Schwerverletzten und 40 Leichtverletzten. 18 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden. Die Deutsche Bahn berief sich auf die Bundespolizei und berichtete von 35 Verletzten. Vier von ihnen seien schwer verletzt, aber alle Passagiere seien außer Lebensgefahr.

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Dutzende Verletzte: Zugunglück in Mannheim
Wie es zu dem Unglück kam, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so eine Bahn-Sprecherin. Klar sei derzeit nur, dass der Güterzug eines privaten Unternehmens um 20.51 Uhr dem Eurocity schräg in die Seite fuhr. In den beiden umgekippten Waggons hätten sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa 110 Menschen befunden. Offenbar waren die beiden Züge auf parallel verlaufenden Gleisen unterwegs. Der Güterzug war laut Bahn auf dem Weg von Duisburg nach Sopron in Ungarn. Einer der Waggons habe Gefahrgut - eine Chemikalie - transportiert, sei aber unbeschädigt geblieben, teilte die Feuerwehr mit.

Umleitungen und Zugausfälle am Samstag

Bis zum späten Freitagabend konnten alle Reisenden in Sicherheit gebracht werden. Die meisten kamen mit einem großen Schrecken davon. Der Zusammenstoß der beiden Züge sei auch deshalb vergleichsweise glimpflich verlaufen, weil sie im Bereich des Bahnhofs sehr langsam unterwegs seien, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Insgesamt waren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste mit rund 230 Einsatzkräften vor Ort. Auch Mitarbeiter der Bahn waren im Einsatz, um gestrandeten Passagieren bei der Weiterfahrt zu helfen. So sei ein Busnotverkehr eingerichtet und Taxigutscheine an Fahrgäste verteilt worden. Der Hauptbahnhof wurde zwischenzeitlich gesperrt.

Auf ihre Koffer müssen die Passagiere noch länger warten: "Die sind noch nicht freigegeben", sagte die Unternehmenssprecherin. Erst wenn die Züge untersucht worden sind, können sie abgeholt oder geliefert werden. Die Bahn wolle einen Kurierservice einrichten, sagte die Sprecherin. Wann genau das sein wird, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen.

Auch am Samstag werden Behinderungen im Bahnverkehr erwartet. Sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr wird es nach Angaben der Bahn zu "Umleitungen und Teilausfällen" kommen. Einige Züge, darunter S-Bahnen, aber auch der IC von Hamburg nach Stuttgart, fahren Mannheim gar nicht an. Wann sich der Verkehr wieder normalisiere, könne man noch nicht abschätzen. Das hänge davon ab, wann die Untersuchungen abgeschlossen seien. "Die Gleise 1 bis 3 werden aber noch eine Weile blockiert sein." Die Verspätungen seien bislang jedoch gering, sagte ein Sprecher der Bahn am Samstagmorgen.

wit/dpa



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insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
knowu76 02.08.2014
1. joppop
unqualifizierter Kommentar
axelschwarz 02.08.2014
2. @joppop
Hat vielleicht der Lokführer des Güterzuges mit der ÖBB-Lok Urlaubsträume gehabt, sich verbremst und ist mit zu hoher Zuglast am halt zeigenden Hauptsignal vorbeigerutscht? Hat er die Dienstzeiten eingehalten?
Walter HeinzOpree 02.08.2014
3.
Zitat von sysopDPAEs passierte kurz vor dem Hauptbahnhof in Mannheim: Ein Güterzug rammte einen Eurocity, Dutzende Passagiere wurden verletzt. Im Bahnverkehr der Region kommt es jetzt zu Störungen. http://www.spiegel.de/panorama/mannheim-eurocity-stoesst-mit-gueterzug-zusammen-dutzende-verletzte-a-984134.html
Armes Amerika - der Präsident stampft ja immer mehr in die Bush Gegebenheiten rein - ach nein , das hat er ja schon.... na ja - Armes America !!!
charito 02.08.2014
4. ???
Warum werden die Koffer noch zurückgehalten??
Trollfrühstücker 02.08.2014
5. Wir sind gespannt...
...wo das Bahnmanagement dieses Mal an der Sicherheit gespart hat. Worauf tippen Sie? 1. Stellwerk unterbesetzt durch Personalmangel 2. Wartung vernachlässigt an Zug, Weiche oder an beidem durch Personalmangel 3. Lokführer übermüdet wegen Überlastung durch Personalmangel
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