Ehemals schwerster Mensch der Welt Tod des XXXL-Mannes

Einst stand Manuel Uribe als dickster Mensch der Welt im Guinnessbuch. Jetzt ist der immer noch 394 Kilo schwere Mexikaner gestorben. Bis zuletzt war der Mann aus Monterrey durch seine Körperfülle fast völlig bewegungsunfähig.

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Manuel Uribe hatte kein leichtes Leben. Der Mann aus einem Vorort der nordmexikanischen Industriestadt Monterrey galt lange als dickster und schwerster Mensch der Welt. Sein Körperumfang brachte ihm vor sieben Jahren sogar einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

In Spitzenzeiten wog Uribe 560 Kilogramm, ungefähr so viel wie ein mittelschwerer Eisbär oder der legendäre Citroën 2CV. Sein Übergewicht machte Uribe bewegungsunfähig, er residierte in seinem Bett. Wenn er das Haus verließ, musste der Zivilschutz Straßen sperren und einen Kran kommen lassen, der dann das ganze Bett mitsamt Stahlträgern auf einen Laster hievte. Das war zuletzt Anfang Mai der Fall, als der 48-Jährige wegen Herzrhythmusstörungen ins Universitätskrankenhaus von Monterrey gebracht wurde.

Am Montag nun ist Manuel Uribe gestorben. Mit 394 Kilo. Er war damit vergleichsweise schlank, lange hatte er es nicht mehr unter die 400-Kilo-Marke geschafft. Aber gerade diese Schlankheitskur kostete ihn am Ende wohl das Leben. Er hatte zu schnell zu viel abgespeckt. Seinem überforderten Körper ging die Puste aus.

Eintöniger Alltag im Bett

Bereits seit 2002 war Uribe ans Bett gefesselt, sein Alltag eintönig: "Ich wache auf, wasche mir das Gesicht mit einer Schüssel Wasser am Bett, schreibe E-Mails, lese Zeitung und mache eine paar Übungen mit dem Armfahrrad", beschrieb er einmal das tägliche Einerlei. Ansonsten wurde er betreut, gewaschen und unterhalten von seiner Mutter und seinen Freunden. Von seiner Frau Claudia, die er 2008 geheiratet hatte, ließ er sich zwei Jahre später wieder scheiden.

Aber wie konnte Uribe so aus der Form geraten? Er war schon als Kind übergewichtig und brachte als Jugendlicher 115 Kilo auf die Waage. "Mit 22 Jahren wog ich dann schon 130 Kilo." Man muss dazu wissen, dass Mexiko berüchtigt ist für die Fettleibigkeit seiner Menschen. Mittlerweile machen die Mexikaner den Nachbarn in den USA den Rang als dickstes Volk streitig.

Sieben von zehn Erwachsenen in Mexiko sind übergewichtig; in Deutschland sind es nur fünf von zehn. Laut einer Studie der US-Universität Harvard haben Fettleibigkeit und Zuckerkrankheit in den vergangenen sechs Jahren in Mexiko rund eine halbe Million Menschen getötet. Das wären ungefähr siebenmal mehr Opfer, als der Drogenkrieg in der gleichen Zeit gefordert hat. Mittlerweile trinken die Mexikaner sogar mehr Cola als die US-Amerikaner; das gilt vor allem für die Menschen im Norden Mexikos, nahe der Grenze.

Zuckerbrausen und Bohnen

"Ich hatte einfach keine Ahnung von Nahrungsmitteln und habe zu viel Mist in mich reingestopft", sagte Uribe vor Jahren, als er schon einmal Dutzende Kilos abnahm. Zuckerbrausen und Bohnen, Brot und Mais liebte er besonders. Den Rest besorgte ein langjähriger Aufenthalt in den USA. 14 Jahre lebte Uribe in Florida und Texas und arbeitete dort als Büromaschinentechniker, wartete Schreibmaschinen und Taschenrechner.

2000 kehrte er in die Heimat zurück, schon das war ein Aufwand: Bereits damals wog Uribe mehrere hundert Kilo. Zwei Jahre später war dann Schluss mit jeder Bewegung. Damit es jungen Mexikanern nicht geht wie ihm, gründete der Uribe später eine Stiftung; Sonntags pilgerten Kinder an sein Bett und ließen sich von ihm darüber aufklären, was man essen darf und was nicht.

Uribe selbst hatte bis zuletzt nur einen Wunsch: "Mein Traum ist es, eines Tages wieder aufstehen und gehen zu können". Dafür wollte er bis auf 120 Kilo abspecken.



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