Margot Käßmann über Brüssel "Terroristen mit Liebe begegnen"

Die Theologin Margot Käßmann plädiert dafür, auf Terrorakte wie in Brüssel nicht mit Gewalt und Hass zu reagieren. Der Staat müsse seine Bürger schützen - dürfe das aber nicht auf Kosten der offenen Gesellschaft tun.

Botschaft auf dem Place de la Bourse in Brüssel
DPA

Botschaft auf dem Place de la Bourse in Brüssel


Die frühere EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann hat dazu aufgerufen, terroristische Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten.

"Jesus hat eine Herausforderung hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!", sagte Käßmann der "Bild am Sonntag". "Für Terroristen, die meinen, dass Menschen im Namen Gottes töten dürfen, ist das die größte Provokation. Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen."

Zwar sei es der menschliche Instinkt, Rache zu üben, so Käßmann, "aber auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung. Die größten Persönlichkeiten in der Geschichte sind nicht Stalin, Hitler oder Pol Pot, sondern Martin Luther King, Mahatma Ghandi oder Aung San Suu Kyi, die nicht mit Gewalt reagierten. Als Christin bin ich fest davon überzeugt, dass, wer den Kreislauf der Gewalt durchbricht, am Ende der Mächtigere ist. Jesus wurde unvergesslich, weil er am Kreuz starb und nicht zum Schwert griff."

Theologin Margot Käßmann
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Theologin Margot Käßmann

Zugleich warnte Käßmann davor, die Werte der offenen Gesellschaft im Kampf gegen den Terror aufzugeben. "Ja, der Staat muss seine Bürger schützen", sagte Käßmann. "Aber was wir in Europa an Freiheit erreicht haben, das sollte der Staat nicht durch Terroristen einschränken lassen."

Sie plädierte dafür, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. "Wir sollten jetzt erst recht auf die Straße gehen, tanzen, in den Cafés sitzen und Fußballspiele nicht absagen", sagte Käßmann. "Damit zeigen wir den Terroristen: Wir lassen uns von euch nicht Angst machen! Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen."

pad

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