Ein Kommentar von Alice Schwarzer
Sicher, es war ein Fehler, mit 1,54 Promille Auto zu fahren. Sicher, da gibt es reichlich Grund zu Scham und Reue und das Ringen um zukünftige Glaubwürdigkeit. Und zweifellos hätte es noch lange Häme gehagelt.
Doch nachdem Margot Käßmann mit so viel Erfolg so aufrecht und integer diesen hürdenreichen Weg bis ans Ziel geschafft hatte, hätte sie sich nicht wegen eines einmaligen Strauchelns gleich selbst zu Fall bringen müssen.
Die Mehrheit der Menschen hatte schon längst verstanden, dass auch eine Bischöfin nur ein Mensch ist - und in diesem Falle sogar ein besonders sensibler und mitfühlender. Und gerade diese Bischöfin hätte vielleicht sogar eine besondere Kraft daraus ziehen können, zu einer solchen Fehlbarkeit aufrecht zu stehen.
Zweifellos hat auch Scheinheiligkeit in ihren eigenen Reihen zum Rücktritt beigetragen. Zu vielen konservativen Kräften war dieser dritte Makel deutlich einer zu viel: Erstens Frau, zweitens geschieden, drittens ein Glas zu viel getrunken. Doch hatte ja der Rat der evangelischen Kirche ihr gleichzeitig sein Vertrauen uneingeschränkt ausgesprochen.
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Doch Margot Käßmann ist eine Frau. Es war anrührend zu hören, wie wichtig es für sie war, dass ihre vier Töchter in diesen schweren Minuten des Rücktritts mit im Raum waren. Und es liegt sehr nahe zu vermuten, dass vor allem sie selbst mit der Scham nicht leben konnte.
"Mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", hat Margot Käßmann bei ihrem Rücktritt erklärt. Das ist gut. Aber der Kopf sollte doch auch mitreden dürfen. Und der hätte gesagt: Deutschland hätte eine EKD-Vorsitzende wie dich echt gut gebrauchen können!
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