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Marinestützpunkt auf Zypern: Mehrere Tote bei Explosionsserie

Mehrere heftige Explosionen haben einen Marinestützpunkt auf Zypern erschüttert - und offenbar fast vollständig zerstört. Bei den Detonationen im Süden der Insel sollen mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen sein. Auch das größte Kraftwerk der Insel ist schwer beschädigt.

Zypern: Explosionen erschüttern Marinestützpunkt Fotos
REUTERS

Nikosia - "Die Gegend sieht wie ein Kriegsgebiet aus": Augenzeugen beschreiben die Situation auf einem zyprischen Marinestützpunkt mit drastischen Worten. Bei mehreren Explosionen dem Stützpunkt im Südteil der Mittelmeerinsel sind vermutlich mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou am Montag auf einer Pressekonferenz in Nikosia mit. Er kündigte eine dreitägige Staatstrauer an.

Weitere 62 Menschen wurden nach Angaben des Regierungssprechers verletzt. Zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Zyprische Medien hatten zuvor von bis zu 15 Toten berichtet. Touristen sind nicht unter den Opfern.

"Wir sind erschüttert", sagte der Präsident der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einem Besuch des Stützpunkts. "Untergang ist das richtige Wort dazu", sagte der zyprische Parlamentspräsident Giannakis Omirou im staatlichen Fernsehen (RIK). Beide gingen zunächst von einem Unfall aus.

"Es ist ein weiterer schwarzer Juli für unser Land und unser Volk", sagte Präsident Christofias und verglich damit die Explosionskatastrophe mit der Teilung der Insel im Juli 1974. Damals war Zypern nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt worden.

Auf dem Stützpunkt hätten zwei von insgesamt 98 gelagerten Containern mit Schießpulver und Munition gegen 6 Uhr Feuer gefangen, zitierte CNA einen Polizeisprecher. Es habe daraufhin "riesige Explosionen" gegeben. Der gesamte Stützpunkt, aber auch umliegende Gebäude, Tavernen und Bars am Strand neben dem Stützpunkt seien schwer beschädigt worden, berichtete der zyprische Rundfunk (RIK).

"Überall hier liegen Splitter und Scherben", sagte der Besitzer einer Taverne dem Sender. Über dem Stützpunkt steige eine dicke Rauchsäule in den Himmel. Andere Augenzeugen berichteten, der Stützpunkt sei fast vollständig zerstört worden. In der Ortschaft Mari seien fast alle Gebäude durch die Druckwellen der Explosionen beschädigt worden.

Stromversorgung der Insel gefährdet

Nach Information des staatlichen Rundfunks lagerten die Munitionscontainer im Hafen des Stützpunkts. Wie es hieß, stammen sie aus einem illegalen Munitionstransport in den Iran und waren vor drei Jahren an Bord eines Frachters vor Zypern beschlagnahmt worden. Seitdem hätten sie auf dem Stützpunkt nahe Mari gestanden.

Ein großes Elektrizitätswerk - die Hauptquelle für Strom auf der Insel - sei von der Druckwelle der Explosionen schwer beschädigt worden, erklärte ein Sprecher der Energiebehörde. Es werde mindestens am Montag den gesamten Tag außer Betrieb bleiben. Zwei kleinere Kraftwerke bemühten sich, die Versorgung mit Strom sicherzustellen. Die Behörden appellierten aber an die Bevölkerung, den Verbrauch so weit wie möglich einzuschränken. In weiten Teilen der Insel fiel der Strom aus. Dies behinderte vorübergehend auch den Betrieb auf den Flughäfen von Larnaka und Paphos.

Der staatliche Rundfunk zitierte den Leiter der Nationalgarde, Petros Tsalikides, mit den Worten, die Explosion habe eine "große Katastrophe" ausgelöst. Ein Augenzeuge, der zum Zeitpunkt der Explosion mit seinem Auto an dem Stützpunkt vorbeifuhr, sagte im Sender CyBC, es habe sich angefühlt, als sei eine Bombe auf das Auto abgeworfen worden.

Dutzende Autofahrer wurden auch auf der Autobahn Larnaka-Limassol durch Splitter verletzt. "Es kamen aus dem Himmel Holzlatten, Eisenstangen, ganze Teile von Dächern auf uns runter", schilderte eine Autofahrerin im Fernsehen. Die Detonationen seien "ohrenbetäubend" gewesen, hieß es.

Verteidigungsminister Costas Papacostas trat nach der Katastrophe zurück. Wie CNA berichtete, akzeptierte Staatschef Christofias ein Rücktrittsangebot des Ministers. Auch der Kommandant der Nationalgarde, Petros Tasliklides, nahm demnach seinen Hut.

wit/dpa/AFP/Reuters/dapd

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