Gescheiterte Sprengung in Bayern Diese Ruine leistet Widerstand

Die Einwohner von Marktoberdorf protestierten jahrelang gegen die Schließung ihres Krankenhauses - vergeblich. Doch das Gebäude lässt sich partout nicht dem Erdboden gleichmachen. Der Sprengmeister sagt: "Scheiße."

DPA

Im bayerischen Marktoberdorf ist zum zweiten Mal die Sprengung eines alten Krankenhauses misslungen. Nachdem bei einem ersten Versuch vor rund zwei Wochen nur ein Teil der früheren Klinik in sich zusammengefallen war, brach nun bei der Nachsprengung ebenfalls nicht das komplette restliche Gebäude zusammen.

Wie Sprengmeister Olaf Hoyer erklärte, lag dies daran, dass er wegen der Instabilität der Ruine keine Sprenglöcher bohren konnte. Die nur von außen angebrachte Sprengladung entfaltete deshalb nicht genügend Explosionskraft, um das Bauwerk ganz zu zerstören.

Die Experten hätten so genau wie möglich zu berechnen versucht, wie das Gebäude unter diesen Rahmenbedingungen hätte gesprengt werden können, sagte Sprengmeister Hoyer dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Aber wenn das für die eine oder andere Ecke nicht reicht, muss man halt sagen - Scheiße."

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Bayerisches Krankenhaus: Renitente Ruine

Eine noch größere Sprengladung konnte Hoyer dem Bericht zufolge nicht verwenden, um keine anderen Gebäude in der Umgebung zu gefährden.

Die Krankenhausruine hatte sich in den vergangenen Monaten zu einer Art Wahrzeichen in Marktoberdorf entwickelt. Zuvor hatten die Einwohner des Orts dem BR zufolge jahrelang mit Großdemos, Mahnwachen, einem Bürgerentscheid und Petitionen gegen die Schließung der Klinik gekämpft. Allem Protest zum Trotz hatte der Verwaltungsrat des Klinikbetreibers 2013 die Schließung der Klinik wegen eines Millionendefizits beschlossen.

Das letzte Kapitel des Kampfes um das Haus im Ostallgäu steht nun wohl kurz bevor: Eine weitere Sprengung soll es zwar nicht mehr geben - beim Abriss des noch verbliebenen Gebäudeteils soll schon in den nächsten Tagen eine Abrissbirne die Arbeit erledigen.

mxw/dpa

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