Martin N. "Maskenmann" bricht sein Schweigen

Der Pädagoge Martin N. soll drei Kinder ermordet und Dutzende missbraucht haben, nun hat er sich vor Gericht erstmals selbst geäußert. "Ich glaube, dass meine Taten kaum entschuldbar sind", sagte der 41-Jährige. Er habe den Angehörigen seiner Opfer unfassbares Leid zugefügt.


Stade - Monatelang hatte Martin N. beharrlich geschwiegen. Nahezu regungslos verfolgte er den Prozess vor dem Landgericht Stade, wo er sich wegen der Morde an drei Jungen und zahlreicher sexueller Übergriffe verantworten muss. Nun hat sich der geständige 41-Jährige erstmals selbst vor Gericht geäußert. "Ich glaube, dass meine Taten kaum entschuldbar sind", sagte N. Er habe den Angehörigen seiner Opfer unfassbares Leid zugefügt und erwarte von ihnen keine Vergebung.

Mit seinem Geständnis bei der Polizei habe er einen Schlussstrich unter seine Taten ziehen wollen. Vor Gericht hatte er sich bisher nur über seine beiden Anwälte geäußert.

Die Verteidigung plädierte am Mittwoch auf eine lebenslange Haftstrafe. Eine anschließende Sicherungsverwahrung des Mannes sei aber nicht notwendig, sagte der Anwalt von Martin N. In diesem Punkt widersprach die Verteidigung der Staatsanwaltschaft, die Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert hatte.

N. habe mit seinem Geständnis maßgeblich zur Aufklärung der Verbrechen beigetragen, so der Anwalt des Angeklagten. N. wolle sich therapieren lassen und habe sich von seinem bisherigen Leben distanziert. Nach Ansicht der Verteidigung ist Martin N. vermindert schuldfähig. Aus panischer Angst vor Entdeckung habe er getötet, um die Straftat, aber auch seine pädophile Neigung zu verdecken. Das habe seine Steuerungsfähigkeit und den Blick auf alternative Handlungsweisen eingeschränkt.

Damit seien die Voraussetzungen für eine besondere Schwere der Schuld nicht gegeben, sagte der Verteidiger. Das Risiko, dass Martin N. nach 15 oder 22 Jahren Haft weitere Straftaten begehe, bezeichneten die Verteidiger als gering.

Martin N. soll jahrelang nachts mit einer schwarzen Sturmhaube getarnt in Häuser, Zeltlager und Ferienheime eingedrungen sein, um sich an kleinen Jungen zu vergehen. Erst fast zehn Jahre nach dem letzten Fall war es der Polizei gelungen, Martin N. in Hamburg festzunehmen. Das Urteil wird für den 27. Februar erwartet.

hut/dpa/dapd

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