Massenevakuierung: 30.000 Menschen müssen Pirna und Heidenau verlassen

In Sachsen lief am Donnerstagabend die erste Massenevakuierung wegen der Hochwasserkatastrophe an. Rund 30.000 Einwohner von Pirna und Heidenau sollten ihre Häuser verlassen.



In der Elbstadt Pirna steht das Wasser zwei Meter hoch Leichte Entspannung in Regensburg: Der Donau-Pegel fiel am Donnerstagvormittag auf 5,87 Meter gegenüber 6,60 Meter am Vortag In Prag musste Anwohner und Tiere evakuiert werden - die Retter kamen im Taucheranzug Pause in Regensburg: Der Damm hat gehalten
Mit Rettungshelikoptern wurden Intensivpatienten aus Dresden ausgeflogen Rentnerin in Meißen: Evakuierung per Schlauchboot In Oberösterreich - wie hier bei Bad Mühllacken - werden nach dem Abfluss des Wassers die Schäden deutlich Eimerweise schöpfen die Helfer in Dresden das Wasser aus den Gebäuden - doch die zweite Welle kommt bestimmt
Noch immer steht das Wasser am Donauufer bei Regensburg meterhoch, doch immerhin, die Pegel sinken Bis zum Bauch steht das Wasser in der Dresdner Friedrichsstadt Mit hunderttausenden Sandsäcke versuchen Helfer die historischen Gebäude in Dresden zu schützen Verzweifelte Versuche: In Dresden versuchen die Männer einen Abpumpschlauch zu befestigen


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In den Fluten versunken: Häuser in Bad Schandau
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In den Fluten versunken: Häuser in Bad Schandau

Dresden - Die Evakuierung wurde vom Chef der sächsischen Staatskanzlei, Stanislaw Tillich, mitgeteilt. Ein Sprecher des Krisenstabes sagte am Abend in Dresden, die Menschen sollten von Angehörigen der Bundeswehr und der US-Armee in Zeltstädten auf überschwemmungssicherem Gebiet in der Nähe der Stadt untergebracht werden. Es werde derzeit versucht, Zelte, Liegen und Decken von der Bundeswehr heran zu schaffen. Falls die Zeltunterkünfte nicht ausreichten, würden Betroffene in andere Regionen Sachsens gebracht. Pirna ist eine der am stärksten vom Hochwasser betroffenen Städte an der Elbe.

Der Fluss wird nach Angaben des Krisenstabes in der Nacht weiter steigen. In Dresden, einige Kilometer flussabwärts von Pirna, erwarteten die Behörden für Freitagmorgen um 7 Uhr einen Pegelstand von 8,70 Metern und damit nur knapp unter dem Jahrhunderthochwasser von 1845 mit 8,77 Meter. Auch weite Teile Dresdens sind bereits überschwemmt.

Ein Helikopter setzt einen Sprengstoffexperten auf einem in der Elbe treibenden Lastkahn ab
AP

Ein Helikopter setzt einen Sprengstoffexperten auf einem in der Elbe treibenden Lastkahn ab

Die vom Hochwasser bedrohten 16.000 Einwohner der Stadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt werden indes vorerst nicht evakuiert. Nach Angaben von Landesinnenminister Klaus Jeziorsky sollen andere Vorkehrungen diese Möglichkeit bis zum Freitagnachmittag hinauszögern. Es werde versucht, die Fluten der Mulde in einen alten Tagebau zu leiten.

Zudem soll der gebrochene Damm zwischen Mulde und dem nahe gelegenen See Goitsche wieder geflickt werden. Ein Sprecher des Krisenstabs sagte, die Bitterfelder sollten sich jedoch trotzdem auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten.

Landesumweltministerin Petra Wernicke versicherte, dass "es keine Gefahr einer Umweltkatastrophe gibt", selbst wenn das Hochwasser das Areal mit den Chemiewerken erreiche. "Mir wurde von den Firmen glaubhaft versichert, dass alle notwendigen Vorkehrungen in die Wege geleitet wurden."

Auf der Elbe vor Dresden ist die Situation inzwischen so dramatisch, dass mehrere Schiffe, die sich losgerissen hatten, zerstört werden mussten. Am Vormittag sprengten tschechische Einsatzkräfte fünf Lastschiffe, die sich in Decin losgerissen hatten und stromabwärts auf Dresden zutrieben. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Kähne mit Brücken kollidieren und diese beschädigen. Nach Medienberichten kam dabei ein Mensch ums Leben. Offenbar hatte er die Warnungen der Polizei nicht gehört. Der Mann wurde durch umherfliegende Metalltrümmer getroffen.

In Bad Schandau hatten sich zwei Pontons auf der Elbe losgerissen und trieben ebenfalls in Richtung Dresden. Den Angaben zufolge prallten sie gegen die Elbbrücke in Bad Schandau. Um weitere Schäden zu verhindern, versenkten Einheiten der Bundeswehr am Nachmittag die losgerissenen Pontons, sagte Karl Bey vom Krisenstab des Innenministeriums am Donnerstag.

Im sachsen-anhaltinischen Dessau, wo die hochwasserführende Mulde in die Elbe mündet, wurden die Hilfskräfte verstärkt, nachdem die Elbe unerwartet schnell gestiegen war. Seit dem Morgen versuchten die Einsatzkräfte mit Sandsäcken dem Wasser Einhalt zu gebieten. Der Pegel der Mulde in Dessau ist dagegen seit Stunden stabil und lag am Nachmittag bei 6,20 Meter, teilte das Landesamt für Hochwasserschutz mit. Eine zunächst erwartete zweite Hochwasserwelle werde es an diesem Fluss wohl nicht mehr geben.

In Brandenburg begannen am Donnerstag erste Evakuierungen. In der südbrandenburgischen Stadt Mühlberg drohen Dämme zu brechen. Rund 5000 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Flutwelle wird dort für Mittag erwartet. Notfalls werde die Polizei die Bewohner mit Zwangsmaßnahmen aus den Häusern holen, sagte Krisenstabsleiter Klaus Richter. Die zweite große Flutwelle wird dann in einigen Tagen anrollen. Vermutlich werde das Hochwasser noch dramatischer als die Oderflut von 1997, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Leichte Entspannung wurde am Donnerstag aus den Donau-Hochwassergebieten in Bayern gemeldet. In Niederbayern passierte die größte Donau-Flut seit Jahrzehnten in der Nacht Straubing, ohne größere Schäden anzurichten. Die Dämme hielten dem Hochwasser stand. Auch in dem weiter östlich gelegenen Deggendorf hielten in der Nacht die Deiche. Das verheerende Donau-Hochwasser hatte am Mittwoch Regensburg erreicht. Die befürchtete Katastrophe war jedoch ausgeblieben. Im überfluteten Passau hatte sich die Lage im Laufe des Mittwochs weiter entspannt.

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