Massensterben Tote Sardinen verstopfen Hafenbecken

Der Anblick ist erschreckend, der Gestank fürchterlich: Millionen Fischkadaver treiben in einem Hafenbecken nahe Los Angeles. Experten gehen davon aus, dass die Sardinen erstickt sind.

REUTERS

Los Angeles - Das Hafenbecken von Redondo Beach ist von einem silbern schimmernden Teppich bedeckt - einem Teppich aus vermutlich Millionen toter Sardinen. In der Luft liegt ein unerträglicher Gestank, berichten Schiffseigner. Trotzdem haben sich Hunderte Schaulustige eingefunden.

US-Beamte fürchten Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung, da die Fischkadaver bei Temperaturen von 20 Grad Celsius zu faulen beginnen. "Wir müssen die toten Fische so schnell wie möglich wegschaffen", zitiert die Lokalzeitung "Daily Breeze" einen Polizeisprecher. Die Sardinen ziehen auch Pelikane und Möwen an - für die Vögel ist es ein Festmahl.

Mit Netzen, Eimern, Schubkarren und Baggern versuchen Arbeiter, das Hafengelände zu säubern. Der Hafenbehörde zufolge treiben die Fischkadaver nicht nur auf der Wasseroberfläche, sondern stapeln sich auch auf dem Grund des Hafenbeckens etwa einen halben Meter hoch. Laut BBC war die Schicht aus toten Sardinen an einigen Stellen so dick, dass mehrere Yachten nicht auslaufen konnten.

"So etwas haben wir noch nie gesehen"

Experten rätseln noch über die genaue Ursache für das massenhafte Fischsterben. Ihre Vermutung: Ein Sturm trieb die Sardinenschwärme in das Hafenbecken, wo sie Schutz vor der rauen See suchten. Wahrscheinlich hätten sie den Weg zurück ins Meer nicht mehr gefunden, den Sauerstoff im Hafenbecken aufgebraucht und seien dann erstickt, sagte Andrew Hughan, Sprecher der kalifornischen Fischereibehörde.

Fotostrecke

10  Bilder
Tote Sardinen: Fischkadaver in Redondo Beach
Der "Los Angeles Times" zufolge ergaben Messungen im Wasser einen Sauerstoffgehalt nahe null. "Alle Anzeichen sprechen für ein außergewöhnliches, aber natürlich vorkommendes Ereignis", so Hughan. Die Wasserproben hätten keine Verschmutzungen durch Öl, Algen oder Chemikalien ergeben, sagte der Sprecher.

Redondo Beach liegt rund 25 Kilometer südwestlich vom Stadtkern von Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien. Der Hafen des Ortes ist Heimat für etwa 1400 Boote. Bereits 2003 und 2005 war es dort zu Massensterben von Fischen gekommen - beide Male durch Algen verursacht. "Aber so etwas wie jetzt haben wir noch nie gesehen", sagten örtliche Fischer.

Mehrere Fälle von rätselhaften Massensterben bei Tieren hatten in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt. Bereits Anfang des Jahres waren in Maryland an der Chesapeake Bay, der größten Flussmündung in den USA, rund zwei Millionen tote Fische entdeckt worden.

wit/AP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pressemelders 09.03.2011
1. ach ja
die sardinen waren schon bei sponge bob ziemlich dumme schwarmtiere...
natprod 09.03.2011
2. Ohne titel
Erst Voegel und jetzt Fische....macht dann schon 4 unerklaerte Massensterben in den letzten paar Monaten.
matthias_b. 09.03.2011
3. 2012
Die Einschläge kommen immer näher...
BiffBoffo 09.03.2011
4. Vorboten
Das sind alles kleine Vorboten. Da wird der Wald abgeholzt. Die Meere werden mit Müll vollgestopft. Das Plastik wird vom Fisch gegessen und wir Essen den Fisch. Das ist alles nicht gut. Wenn wir auf unsere Erde nicht mehr acht geben sieht es echt bald richtig schlecht aus. Es interesiert keinen wie der Wald bestand aussieht dabei nehmen wir uns selbst die Luft zum Atmen. Ich verstehe nicht, haben die Menschen die die Zügel in Hand haben nicht interesse an Sauberer Luft ? Das ist alles so unendlich Traurig was z.b. in Russland und China passiert! Das geht uns alle an!
vidocq 09.03.2011
5. Mysteriös!
---Zitat von SpOn--- Mehrere Fälle von rätselhaften Massensterben bei Tieren hatten in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt. Bereits Anfang des Jahres waren in Maryland an der Chesapeake Bay, der größten Flussmündung in den USA, rund zwei Millionen tote Fische entdeckt worden. ---Zitatende--- Aus wissenschaftlicher Sicht ist da meist wenig rätselhaft. In den USA werden solche Massensterben ausführlich durch den U.S. Geological Survey dokumentiert (http://www.nwhc.usgs.gov/publications/quarterly_reports/index.jsp und http://www.nwhc.usgs.gov/mortality_events/ongoing.jsp), die Ursache (meist virale und/oder bakterielle Infektionen, teilweise verbunden mit Kachexie) wird in der Regel schnell gefunden. Massensterben bei Tieren hat es schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben. Was sich nur geändert hat ist die mediale Aufmerksamkeit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.