McDonald's vs. Frittenbuden: Currywurst ist wie Urlaub

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Norbert Dickel: Im Revier geht es um die Wurst Fotos
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McDonald's macht künftig in Currywurst, hergestellt von Bayern-Chef Uli Hoeneß. Das neue Fastfood stellt der Konzern nun vor - ausgerechnet in Dortmund. Ein Gespräch mit BVB-Legende und Imbissbuden-Besitzer Norbert Dickel über wahre Gefühle beim Wurstkauf und ernste Konkurrenz.

Dortmund - Die Currywurst gehört zum Ruhrgebiet wie die Zeche zum Zollverein und der Stau zur A 40. Currywurst geht immer, egal ob pur oder mit Pommes Schranke, ob in der Mittagspause oder morgens um sechs zum letzten Bier. Von Duisburg bis Castrop-Rauxel gibt es kaum eine Imbissbude, bei der die Currywurst nicht auf der Karte steht. Um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen: "Bisse richtig down, brauchse wat zu kaun, ne Currywurst."

Doch nun bekommt die Imbissbuden-Welt Konkurrenz. McDonald's stellt an diesem Donnerstag seine neue Fastfood-Idee vor: die McCurrywurst. Produziert wird sie von FC-Bayern-Präsident und Fleisch-Mogul Uli Hoeneß. Präsentiert aber ausgerechnet in Dortmund, von Mario Barth.

Ob die Wurst dauerhaft auf die Speisetafeln wandert, ist noch unklar. Am 14. Februar startet der Verkauf in einer Testphase. Wie aber reagiert das Revier, die Heimat des BVB?

Ein Anruf bei Norbert Dickel, BVB-Legende und Besitzer einer Würstchenbude im Herzen Dortmunds.

SPIEGEL ONLINE: Herr Dickel, geht es hier nicht um viel mehr als die Wurst?

Dickel: Gute Frage, aber ich glaube, McDonald's will lediglich den Hype der letzten Jahre ausnutzen und Profit mit der Currywurst machen. Das ist reines Marketing. Und keine Revanche aus Bayern nach unserem Pokalsieg letztes Jahr.

SPIEGEL ONLINE : Die McCurrywurst startet mit einer Testphase, ob sie sich durchsetzt, ist noch offen. Werden Sie auch dieses Mal den Sieg davontragen?

Dickel: Wenn die Dortmunder erfahren, dass die Wurst von Uli Hoeneß kommt, dann werden sie die nicht essen. Ich habe höchsten Respekt vor Uli, auch als Geschäftsmann. Aber ich vermute, dass es schwierig wird für seine Würste im Ruhrgebiet.

SPIEGEL ONLINE : Warum?

Dickel: Die Currywurst ist ein Stück Ruhrgebiets-Kultur. Jeder hier mag Currywurst, das ist einfach so. Und vor allem hat jeder sein Stammbüdchen, wo die Wurst am besten schmeckt. Man isst ja keine Currywurst, um satt zu werden. Currywurst ist eine Philosophie.

SPIEGEL ONLINE : Philosophieren Sie mal.

Dickel: Zur Bude zu gehen, das ist wie Urlaub. Man geht gut gelaunt hin und freut sich drauf. Man schäkert mit den Mitarbeitern und hat Spaß. Manchmal kann man die Leute auch ein bisschen erziehen. Beispielsweise Jungs, die großspurig zu uns sagen: "Mamma schaf". Dann packe ich alles drauf, was ich habe. Am Büdchen gibt's eben keine anonyme Currywurst.

SPIEGEL ONLINE : Haben Sie gar keine Angst vorm Fastfood-Riesen?

Dickel: Ich denke nicht, dass unsere Geschäfte hier leiden werden. Wir im Ruhrgebiet haben ganz viele tolle Currywurstbuden. Egal, ob in Bochum oder Dortmund. Und da geht es ums Gefühl. Wenn man an der Bude steht und seine Currywurst kriegt - das ist doch toll! Ich laufe seit 20 Jahren herum und erzähle den Leuten, dass ich unbedingt meinen eigenen Laden haben will. Und seit letztem Jahr habe ich mit meinem Freund und Partner Frank Lause endlich den Wagen an der Marienkirche. Und da kostet die Currywurst wie bei anderen auch 2,60 - bei McDonald's sind es 2,99.

SPIEGEL ONLINE : Kommt die Currywurst nicht eigentlich aus der Hauptstadt?

Dickel: Die Currywurst kommt aus dem Ruhrgebiet, egal was die Berliner und Hamburger sagen.

SPIEGEL ONLINE : Ohne lange nachzudenken: Pommes rot oder weiß?

Dickel: Weiß.

SPIEGEL ONLINE : Currywurst scharf oder mild?

Dickel: Scharf.

SPIEGEL ONLINE : Gehen Sie zu McDonald's?

Dickel: Ab und zu. Und dann bestelle ich 9er Chicken Nuggets - mit Currysauce.

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insgesamt 129 Beiträge
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1. Man könnte sich ja fragen...
OneTwoThree 07.02.2013
Zitat von sysopMcDonald's macht künftig in Currywurst, hergestellt von Bayern-Chef Uli Hoeneß. Das neue Fastfood stellt der Konzern nun vor - ausgerechnet in Dortmund. Ein Gespräch mit BVB-Legende und Imbissbuden-Besitzer Norbert Dickel über wahre Gefühle beim Wurstkauf und ernste Konkurrenz. McDonald's verkauft Currywurst von Uli Hoeneß - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/mcdonald-s-verkauft-currywurst-von-uli-hoeness-a-881874.html)
...... ob Meckes für diese Werbung etwas gezahlt hat.
2. ist ja super, liebe Redaktion,
joegetstheblues 07.02.2013
... dass der BVB 1989 den Europapokal gewonnen hat. Ich kann mich zwar nur an den DFB-Pokal in Berlin erinnern, aber als BVB-Fan nimm man alles mit.
3. Alles Wurscht....
sotomajor 07.02.2013
Die Zubereitung geht von erwärmt im Wasserbad bis gekocht und von gebraten bis verbrutzelt. Eine gute Currywurst wird vorher leicht eingeschnitten und gebraten, bis sie aussen etwas kross ist. Erstens geht so das Fett weg und der Geschmack kommt. Dann dass Curry, da meint man manchmal Baumrinde schmeckt besser. Die Wurst selbst sollte auch Klasse sein, denn von nix kommt nix. Der Ulli weis dass und seine Wurst schmeckt ..!
4. glaub ich nicht
hansmaus 07.02.2013
Zitat von OneTwoThree...... ob Meckes für diese Werbung etwas gezahlt hat.
könnte man meinen, ein tolles Geschäftsmodell da ja auch jedes Produkt von Aplle oder deutscher Autohersteller in den Himmel gelobt wird.
5. Eine Berliner Spezialität bei MacPuke
MapleLeaf 07.02.2013
Immer wieder schön zu sehen, wie diese Berliner Spezialität sich im Ruhrgebiet etabliert hat. Die denken bestimmt mittlerweile, dass sie die selbst erfunden hätten... So wie die meisten Amis denken, dass Pizza und Hamburger eine amerikanische Erfindung seien! ;-) Aber bei den Preisen, die McPuke für die Wurst aufruft, gehe ich dann doch lieber zum Imbiss an der Ecke. Beim Chinesen bestellt man ja auch kein Wiener Schnitzel... ;-)
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