Medien Ernst Dieter Lueg gestorben

Der Fernsehjournalist Ernst Dieter Lueg ist tot. Der langjährige WDR-Mann war in den siebziger Jahren als "Terrier von Bonn" bekannt geworden.


Hamburg - Der ehemalige Chef des Bonner ARD-Studios starb an den Folgen einer schweren Krankheit. Das gab seine Tochter Barbara am Dienstag bekannt. Lueg hatte am 9. Januar seinen 70. Geburtstag gefeiert. Er hatte zunächst für Tageszeitungen und ab 1964 für das Fernsehen gearbeitet, seit 1967 aus Bonn. Der gebürtige Essener moderierte die ARD-"Tagesthemen" und später von 1985 bis 1995 als Leiter des Bonner WDR-Studios den "Bericht aus Bonn". Den Zuschauern hat er sich mit seiner nasalen, abgehackten Sprechweise eingeprägt. Was auch dazu führte, dass er als einziger Journalist neben Politikern und Promis als Puppe in der Show "Hurra Deutschland" karikiert wurde.

Starb im Alter von 70 Jahren: Ernst Dieter Lueg
DPA

Starb im Alter von 70 Jahren: Ernst Dieter Lueg

Neben viel Lob über seine gute Vorbereitung von Interviews und sein immenses Wissen musste er sich auch von vielen Seiten Tadel anhören: ARD-Programmbeirat und WDR-Rundfunkrat warfen ihm 1988 vor, regierungslastig zu sein und wenig journalistische Kompetenz auszustrahlen. Der SPIEGEL schrieb damals über Lueg, er sei ein "trauriger Vermittler Bonner Platitüden". Die "Stuttgarter Zeitung" beschrieb Lueg anlässlich seiner letzten Moderation des "Berichts aus Bonn" als "ein bisschen bieder, ein bisschen altbacken, immer etwas hektisch, aber kenntnisreich wie wenige andere", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bescheinigte ihm "Zähigkeit" und eine "professionelle Einstellung", während ihm die "tageszeitung" "Farblosigkeit" vorwarf, ihn einen "journalistischen Spargeltarzan" nannte und sein nasales Timbre als das einzige bezeichnete, "was auf Dauer von ihm im Gedächtnis bleiben" würde. Lueg selbst verstand sich als Dolmetscher für die Zuschauer. "Ich bin ein Journalist im Fernsehen, nicht mehr und nicht weniger. Ich bin kein Volksschauspieler. Und ich will nicht 'everybody's darling' sein", schrieb er in der "Welt".

Mindestens zwei legendäre Szenen verdankt das deutsche Fernsehen Ernst Dieter Lueg: Herbert Wehner hatte den Journalisten 1976 in einem Interview absichtlich "Herr Lüg" genannt, was dieser mit "Vielen Dank, Herr Wööhner" konterte. 1990 wurde Lueg von Helmut Kohl auf spektakuläre Weise brüskiert. Nach seiner Wiederwahl zum Bundeskanzler wandte sich Kohl demonstrativ von Lueg ab und anderen Journalisten zu.

Nach seiner Pensionierung im Februar 1995 arbeitete Lueg für SAT.1 und RTL sowie für den Hörfunk.



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