Santiago de Compostela Dutzende Tote bei Zugunglück im Nordwesten Spaniens

In der spanischen Region Galicien ist ein Schnellzug entgleist. Bei Santiago de Compostela sprangen alle Waggons nach einer Kurve aus den Gleisen. Nach offiziellen Angaben vom Abend starben mehr als 60 Menschen. Die genaue Unfallursache ist noch nicht bekannt.

DPA

Santiago de Compostela - Bei einem Bahnunglück im Nordwesten Spaniens sind am Mittwoch Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Ein Zug entgleiste um 20.41 Uhr nach einer Kurve nahe der Stadt Santiago de Compostela in Galicien.

Nach offiziellen Angaben forderte das Unglück mehr als 69 Todesopfer, rund 140 Menschen sollen verletzt sein, etliche von ihnen schwer. Der Regierungschef der Region Galicien sagte, es sei jedoch noch zu früh, um Genaueres über den genauen Hergang zu berichten. Die Regierung geht momentan davon aus, dass es sich um einen Unfall handelt.

Alle 13 Waggons sind aus den Gleisen gesprungen, einige prallten gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Der drittletzte Waggon des Zuges soll völlig zerstört sein, Rauch strömte aus dem Wrack. Fernsehbilder zeigten am Abend, wie aus dem Dach der Lokomotive Flammen schlugen.

Spaniens Ministerpräsident Rajoy traf sich am Abend zu einem Notfall-Treffen mit seinen Ministern. Er will am Donnerstagmorgen zum Unglücksort reisen, sagte sein Sprecher.

Der Zug hatte sich auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt El Ferrol im Nordwesten Spaniens befunden. Nach Informationen der Eisenbahngesellschaft Renfe waren 218 Passagiere und die Crew an Bord.

"Es ging so schnell … Es schien als würde der Zug in einer Kurve beginnen, sich zu verdrehen und die Waggons sich, einer auf den anderen, auftürmen", sagte der Passagier Ricardo Montesco dem Radio-Sender "Cadena Ser". "Viele Menschen wurden zu Boden gedrückt. Wir haben versucht, ins Freie zu kommen, und bemerkten dabei, dass der Zug in Flammen stand. Ich habe Leichen gesehen."

Ein anderer Augenzeuge sagte dem Sender, er habe eine Explosion gehört, bevor er den entgleisten Zug sah. Alle Waggons seien entgleist, berichtete ein Radioreporter vor Ort. Überall lägen Leichen.

Am kommenden Wochenende sollte in dem beliebten Pilgerziel Santiago de Compostela ein großes Fest stattfinden. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten aufgrund des Zugunglücks ab.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte sich in Frankreich ein ähnliches Zugunglück ereignet, als im Bahnhof von Brétigny-sur-Orge eine Regionalbahn entgleiste und in zwei Teile gerissen wurde.

mia/AFP/Reuters/dpa

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