Mensch, Tier, Krieg: Wilder Terror-Truthahn stalkt Rentnerin

Im Kampf Mensch gegen Truthahn gewinnt traditionell der Homo sapiens. In Oakland aber steht es zwischen Edna Geisler und Godzilla mindestens unentschieden. Der Monstervogel stalkt die Amerikanerin seit zwei Monaten, sobald sie ihr Haus verlässt. Alles deutet auf eine blutiges Ende hin.

Truthahn gegen Mensch: Einer wird verlieren Fotos
AP

Michigan - Im Leben von Edna Geisler ist nichts mehr, wie es mal war. Wenn sie zur Post will, schleicht sie sich morgens um sechs davon. Als sie kürzlich vom Einkaufen zurückkam, konnte sie ihr Haus in der Nähe von Oakland stundenlang nicht betreten. Geisler versucht jetzt, keine festen Gewohnheiten mehr zu entwickeln, doch ihr Stalker lernt schnell. "Eines Morgens gelang mir die Flucht, als ich nach Hause kam, wartete er schon", sagt Geisler. Einen Freund von ihr hat er erwischt, als er die Tür seines Kleinbusses öffnete, sein Ellbogen schmerzt jetzt empfindlich.

Was Edna Geisler auch tut, ihr Stalker ist schon da. Tritt sie aus der Tür, kommt er aus dem Wald gerannt, breitet seine Flügel aus und schreit markerschütternd laut auf, seit zwei Monaten geht das jetzt so. Frau Geisler nennt den Truthahn deshalb Godzilla. Etwa elf Kilogramm wiegt er, aus seinem schwarzgefiederten Rumpf ragt ein roter Hals, er ist ein starker Picker. Morgens um sieben taucht er auf, abends um sieben verschwindet er wieder. Ihr Haus sei wie ein Gefängnis für sie, sagt Geisler.

Die Tierschützer sagen, Godzilla verhalte sich völlig artgerecht, kein Grund, die Bestie abzuschießen. "Wilde Truthähne verteidigen ihr Territorium leidenschaftlich", sagte Tim Payne der "Detroit Free Press", er arbeitet beim Umweltamt. "Aber fast alle haben Angst vor Menschen."

Edna Geisler muss jeden Tag mit der Ausnahme der Regel leben. Godzilla faucht, schreit, pickt. Sieht er Frau Geisler, fliegt er auf, stürzt sich auf sie, schlägt mit seinen Klauen nach ihr. "Ich habe einen stechenden Schmerz in der linken Hand", sagt sie, ihren Rücken hat Godzilla auch schon erwischt.

"Der Vogel greift an, und der Mensch weicht zurück, das gibt ihm das Gefühl, richtig zu handeln," sagte Tim Payne vom Umweltamt in einer ersten Analyse der Truthahnpsyche. Edna Geisler solle einen Schirm aufspannen und ihren Stalker in den Wald zurück scheuchen. "Rennen Sie, werden Sie zum Angreifer", riet er ihr. "Godzilla muss lernen, wer der Chef ist."

Edna Geisler ist 69, sie hat auf Machtspiele keine Lust. Spätestens im Frühjahr will sie wieder im Garten arbeiten können, sie hält persönliche Rache nicht für angemessen. "Jedesmal, wenn ich Truthahn esse, tue ich das mit einem Lächeln", sagt Geisler. "Dieses Schicksal wünsche ich Godzilla auch."

Im April beginnt in Michigan die Jagdsaison.

jbr

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