Flugzeugunglück in Mexiko "Ich sah Flammen und wusste, wir müssen springen"

Eine Passagiermaschine stürzt ab, brennt aus - und niemand stirbt. Wie kam es zu dem Unglück im Norden Mexikos, warum verlief es so glimpflich? Offenbar kamen mehrere Faktoren zusammen.


Kurz nach dem Unglück scheint es wie ein Wunder, dass es keine Toten gibt. Dichte Rauchwolken steigen über dem verkohlten Flugzeugwrack auf, die Außenwand der weißen Embraer ERJ-190 ist vom Feuer zerstört. Dutzende der insgesamt 103 Insassen sind nach Angaben der mexikanischen Behörden verletzt - aber niemand ist bei dem Absturz gestorben.

Wie ist das möglich?

Am Tag nach dem Unglück im Norden Mexikos zeichnet sich ab, dass offenbar mehrere Faktoren zusammen kamen: schlechtes Wetter, technische Probleme - und Glück. Die Maschine der Airline Aeroméxico sollte gegen 15.30 Uhr Ortszeit vom internationalen Flughafen Guadalupe Victoria nach Mexiko-Stadt fliegen, krachte während eines heftigen Hagelsturms aber schon kurz nach dem Start in ein Feld.

Es gebe zwei Schwerverletzte, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Durango, José Rosas Aispuro. Der Pilot habe an der Wirbelsäule operiert werden müssen, ein kleines Mädchen habe schwere Verbrennungen erlitten. Dutzende weitere Passagiere seien in Krankenhäuser gebracht worden. Die meisten Betroffenen erlitten demzufolge leichte Verletzungen, einige konnten sogar gleich mit ihren Angehörigen nach Hause gehen.

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Flugzeugunglück in Mexiko: "Dann stürzte es zu Boden"

Vieles deutet darauf hin, dass die 2008 in Dienst genommene Maschine wegen eines Unwetters verunglückte. "Es hat stark geregnet", sagte eine Passagierin dem TV-Sender Milenio. Die Sicht beim Start sei schlecht gewesen.

Anderen Berichten zufolge schlug das Wetter sehr plötzlich um. "Wir waren auf der Startbahn, als die Sicht schlechter wurde", sagte die 47-jährige Jacqueline Flores, die mit ihrer 16-jährigen Tochter reiste. "Als wir schon in der Luft waren, fühlte es sich an, als würde sich das Flugzeug wieder ausbalancieren, aber dann stürzte es zu Boden."

"Ich dachte, wir wären zurück auf die Startbahn gefallen, weil es eine harte Oberfläche war, dann schlitterten wir über den Boden", sagte Flores. Gepäck sei durch den Gang gerutscht, es habe nach Rauch gerochen. Sie habe ihren Gurt geöffnet, sagte sie: "Ich sah Flammen und wusste, wir müssen springen."

Gouverneur Rosas Aispuro sagte, nach dem Start hätten starke Windböen das Heck getroffen. Der Wind habe das Flugzeug regelrecht "zu Boden gedrückt", eine Tragfläche habe den Boden gestreift. Anschließend sei die Maschine 300 Meter weit über ein Feld gerutscht und ausgebrannt, sagte der Gouverneur. Das Feuer im Flugzeug sei aber erst ausgebrochen, nachdem es bereits in dem Feld nahe dem Flughafen gelandet gewesen sei.

Im Video: Katastrophe mit glimpflichem Ausgang

Nach Angaben des Gouverneurs halfen sich die Passagiere gegenseitig, das Flugzeug schnell durch Löcher zu verlassen, die bei dem Unglück in den Rumpf gerissen worden waren. Überdies seien die Notrutschen aktiviert worden, bevor der Brand ausgebrochen sei.

Aeroméxico-Chef Andrés Conesa dankte der Crew für ihre Professionalität und lobte das Verhalten der Passagiere. Darüber hinaus äußerte sich die Fluggesellschaft bislang nicht zum genauen Hergang, versprach aber Aufklärung.

Die kündigte auch Staatspräsident Enrique Peña Nieto an. Er hoffe, dass es der Besatzung und den Passagieren gut gehe, schrieb er auf Twitter. Behörden, Zivilschutz und Militär seien zur Zusammenarbeit angewiesen worden. Transportminister Gerardo Ruiz Esparza erklärte, eine Kommission solle die Hintergründe des Unglücks untersuchen.

mxw/dpa/AFP



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