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08. Mai 2012, 09:29 Uhr

Auftritt bei TV-Debatte

Model stiehlt Politikern die Show

Bei der ersten TV-Diskussion im mexikanischen Wahlkampf erregte eine Assistentin großes Aufsehen - obwohl ihr Auftritt nur Sekunden dauerte. Eine Zeitung rief die Frau kurzerhand zur Siegerin der Debatte aus. Und ein Kandidat sah in ihr sogar den Lockvogel seiner Gegner.

Mexiko City - Eigentlich sollte es um die Wirtschaft gehen. Und um den Drogenkrieg. Doch noch während am Sonntagabend das erste TV-Duell der mexikanischen Präsidentschaftskandidaten lief, stand im Netz etwas ganz anderes im Vordergrund: Das Outfit von Model Julia Orayen, die den Kandidaten zu Beginn Karten mit Stichpunkten überreichte - in einem äußerst freizügigen weißen Kleid mit tiefem Dekolleté.

Ihr Auftritt dauerte weniger als 20 Sekunden. Doch das genügt der mexikanischen Zeitung "Excelsior", um Orayen zur Siegerin der Debatte auszurufen. "Das Beste war die Frau in Weiß und ihr Ausschnitt am Anfang", schrieb laut der Nachrichtenagentur AP selbst der frühere mexikanische Außenminister Jorge Castañeda auf Twitter. Was dieser Tweet über Castañeda aussagt, sei einmal dahingestellt.

Der Wahlbehörde IFE war das Ganze offensichtlich ziemlich peinlich. Die Organisation entschuldigte sich bei Wählern und Kandidaten für den "Produktionsfehler in Bezug auf die Kleidung einer Assistentin." Er habe einen angemessenen Dress verlangt, sagte IFE-Direktor Alfredo Figueroa in einem Radiointerview.

Orayen posierte 2008 nackt für den mexikanischen "Playboy". Das Produktionsteam habe ihr gesagt, sie solle ein langes weißes Kleid tragen, so Orayen. Sie habe es aus ihrer eigenen Garderobe gewählt. "Das war meine einzige Möglichkeit für ein langes Kleid", sagte sie dem TV-Sender Cadena Tres.

Einer der Kandidaten dürfte besonders mit dem Fall hadern: Auf den TV-Bildern ist deutlich zu sehen, wie Gabriel Quadri von der Partei "Nueva Alianza" der Schönheit auf den Hintern schaut. Zwangsläufig blieb auch er von hämischen Kommentaren nicht verschont.

"Unglaublich, anfangs war ich schockiert, ich dachte zuerst, das sei eine Falle der anderen Kandidaten", sagte er laut "Huffington Post" zu ADNPolítico.com. Es sei unmöglich, einer so spektakulären Frau keine Aufmerksamkeit zu schenken, rechtfertigte er sich in einem Interview mit Radio MVS.

Und Orayen? Sie sei auch nicht komplett glücklich mit ihrem Ruhm, sagte sie - vor allem nicht in Bezug auf einige gemeine Kommentare bei Facebook und Twitter.

hut/AP/Reuters

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