Demonstration Mexikaner protestieren gegen Waffenlieferungen aus Deutschland

Die Polizei in Mexiko gilt als brutal und korrupt - trotzdem erhält sie offenbar Waffen aus der Bundesrepublik. Vor der deutschen Botschaft haben nun Menschen gegen den Rüstungskonzern Heckler & Koch protestiert.

Kundgebung vor deutscher Botschaft: Protest gegen Heckler & Koch
AP/dpa

Kundgebung vor deutscher Botschaft: Protest gegen Heckler & Koch


Mexiko-Stadt - Vor der deutschen Botschaft in Mexiko-Stadt haben Demonstranten gegen den Einsatz deutscher Waffen in ihrem Land protestiert. Sie kritisierten, dass die Polizei im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero mit Sturmgewehren vom Typ G36 des Waffenherstellers Heckler & Koch ausgerüstet werde.

Die Sicherheitskräfte in der Provinz gelten als korrupt. Sie sollen eng mit dem organisierten Verbrechen verbandelt sein. Unter anderem wird der Polizei in Guerrero vorgeworfen, sie habe 43 Studenten verschleppt und anschließend einer Drogenbande übergeben. Von ihnen fehlt fast jede Spur, höchstwahrscheinlich haben die Kriminellen die Studenten erschossen. Doch bislang wurde erst ein Opfer identifiziert.

Felipe de la Cruz, Anführer der Proteste vor der Botschaft in Mexiko-Stadt, forderte die Bundesregierung auf, die Waffenverkäufe an die mexikanischen Sicherheitskräfte zu unterbinden.

Tatsächlich hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Heckler & Koch 2010 nur eine eingeschränkte Exportbewilligung für Mexiko erteilt. Wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen dürfen die Gewehre, die auch die deutsche Bundeswehr einsetzt, nicht in die vier Provinzen Chiapas, Chihuahua, Guerrero und Jalisco geliefert werden.

Heckler & Koch räumte illegale Lieferungen ein

Doch offenbar hat sich der Rüstungskonzern nicht immer daran gehalten. 2013 hatte der Waffenhersteller erstmals eingeräumt, illegal Sturmgewehre vom Typ G36 in die Unruheprovinzen Mexikos geliefert zu haben. Man habe "interne Sonderuntersuchungen" in Auftrag gegeben, um die Vorwürfe zu prüfen, hieß es damals.

Ein aus Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten bestehendes Team sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein "dringender Tatverdacht gegen zwei langjährige Mitarbeiter" bestehe, "Waffenlieferungen in nicht genehmigungsfähige mexikanische Bundesstaaten veranlasst zu haben".

syd/AP



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insgesamt 35 Beiträge
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funnyone2007 25.12.2014
1. nichts dagegen...
...aber es ist einfacher gegen Deutschland zu demonstrieren als wenn man Angst hat gegen die korrpupten Beamten, gegen die Kartelle zu demonstrieren... dagegen sollten sie mal demonstrieren, aber dann müssten sie um ihr Leben fürchten. Mexico ist kaputt.. der Fisch stinkt vom Kopf her.
spiegelneuronen 25.12.2014
2. Nicht neu - nur verdrängt.
Zitat von funnyone2007...aber es ist einfacher gegen Deutschland zu demonstrieren als wenn man Angst hat gegen die korrpupten Beamten, gegen die Kartelle zu demonstrieren... dagegen sollten sie mal demonstrieren, aber dann müssten sie um ihr Leben fürchten. Mexico ist kaputt.. der Fisch stinkt vom Kopf her.
H&K ist dank Volker Kauder ja bestens vernetzt. http://www.aufschrei-waffenhandel.de/Volker-Kauder.363.0.html Der Artikel hier stammt von 2012 und zählte damals schon Mexiko mit auf. Stinkende Fische und kaputte Köpfe hin oder her - aussitzen klappt trotzdem nicht überall.
ozoli 25.12.2014
3. Zurecht
Absolut berechtigter Protest und sehr guter Ansatz der Demonstranten auf diese fragwuerdigen Waffenlieferungen von Heckler & Koch aufmerksam zu machen, in Mexiko tut sich was!
herrdaemlich 25.12.2014
4.
Zitat von funnyone2007...aber es ist einfacher gegen Deutschland zu demonstrieren als wenn man Angst hat gegen die korrpupten Beamten, gegen die Kartelle zu demonstrieren... dagegen sollten sie mal demonstrieren, aber dann müssten sie um ihr Leben fürchten. Mexico ist kaputt.. der Fisch stinkt vom Kopf her.
Ja aber genau das passiert hier doch seit Monaten und in zahlreichen Städten Mexikos und meist auf friedliche Art und Weise. Was ist denn das für ein seltsamer Abwehrreflex? Niemand gibt Deutschland die Schuld an der Situation und die Menschen die protestieren sind sich einig, dass es auch ohne deutsche Waffen schlecht aussähe. Gegen deutsche Waffenlieferungen zu protestieren ist ein neuer Aspekt in den Demonstrationen hier und sicher ein disukussionswürdiger. Die Menschen fordern, dass Deutschland nicht mit korrupten, kriminellen Politikern zusammenarbeitet. Weiß nicht was es daran auszusetzen gibt.
VacekKacek 25.12.2014
5. Warum
mandeln ich die Leute da eig. so auf? Wenn die Wummen frisch geputzt sind, triffts doch höchstens ein paar Mexikaner. Und? Begreiffen diese Leute es nicht? Das sind hier Arbeitsplätze. Da kommts auf ein paar Mexikaner doch wohl nicht an, oder?
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