Mexiko-Stadt: Explosion in Zentrale von Öl-Konzern - Dutzende Todesopfer

Bei einer Explosion in der Zentrale des mexikanischen Ölkonzerns Pemex in Mexiko-Stadt sind mindestens 32 Menschen gestorben, mehr als hundert wurden verletzt. Möglicherweise löste eine Gasansammlung in der elektrischen Anlage die Detonation aus - Rettungskräfte suchen in den Trümmern nach Überlebenden.

Mexiko-Stadt - Betonbrocken und Glasscherben flogen durch die Luft, ganze Etagen waren voll von Schutt, Verletzte wurden auf Bürostühlen aus dem Gebäude getragen: Bei einer Explosion in der Zentrale des staatlichen mexikanischen Ölkonzerns Petróleos Mexicanos (Pemex) sind mindestens 32 Menschen gestorben.

Zudem wurden laut Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong mehr als hundert Menschen verletzt. Menschen flüchteten in Panik aus dem Gebäude, aus dem schwarzer Rauch quoll. Rettungskräfte suchten mit Spürhunden nach Überlebenden in dem Hochhaus. Vier der 54 Etagen wurden schwer beschädigt. Die angrenzende Straße wurde abgesperrt, über der Gegend flogen Hubschrauber.

Das 214 Meter hohe Gebäude wurde evakuiert. Hunderte Feuerwehrleute, Soldaten und Rettungskräfte waren im Einsatz. Sie versuchten, große Trümmerteile wegzuschaffen und suchten nach Überlebenden.

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Explosion in Mexiko-Stadt: Dutzende Tote in Pemex-Zentrale
Vor den Trümmern spielten sich dramatische Szenen ab. Eine Frau suchte nach ihrem Mann, der in dem Gebäude arbeitete. "Ich habe ihn ein paar Mal angerufen, aber ein junger Mann hat geantwortet. Er sagte, er habe das Telefon im Schutt gefunden."

"Plötzlich gab es eine große Erschütterung , die erste Etage war voll von Trümmern, das Licht ging aus", beschrieb der Pemex-Angestellte Cristian Obele die Explosion dem Fernsehsender Milenio. Die Situation sei dramatisch gewesen: "Das Gebäude schwankte, und plötzlich gab es Trümmer. Wir konnten nicht einmal mehr die Leute direkt neben uns sehen." Eine Frau, die in einem Anbau arbeitet, sagte: "Wir hatten zwei Minuten, um das Gebäude zu verlassen. Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Der Boden wackelte wie bei einem Erdbeben."

Hochhaus war bei Explosion nicht voll besetzt

Die genaue Ursache der Explosion um 15.55 Uhr Ortszeit im Keller des Gebäudes ist unklar. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde erklärte, sie sei offenbar durch eine Gasansammlung in einer elektrischen Anlage des Gebäudes ausgelöst worden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Erdöltechniker, Moisés Flores, sprach von einer mangelhaften Wartung der Heiz- und Kühlanlage. Viele der mehreren tausend Angestellten der Pemex-Verwaltung seien zur Zeit der Explosion nicht im Gebäude gewesen.

Pemex hatte zunächst gemeldet, wegen eines Stromausfalls sei der Firmensitz evakuiert worden. Das Unternehmen teilte mit, der Betrieb sei durch die Explosion nicht beeinträchtigt. Man sei in der Lage, alle geschäftlichen und finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.

Präsident Enrique Peña Nieto begab sich zum Unglücksort. Er versprach eine gründliche Untersuchung der Ursachen. Peña Nieto hatte am Vortag über Twitter energisch die Möglichkeit einer Privatisierung von Pemex im Rahmen einer geplanten Reform der Energiepolitik dementiert.

Der Wolkenkratzer wurde 1984 eröffnet. Er ist das zweithöchste Gebäude in Mexiko-Stadt, gilt als besonders erdbebensicher. Ein Beben der Stärke 8,2 überstand das Hochhaus 1985 ohne Schäden. Pemex wurde 1938 gegründet. Der Konzern hat fast 150.000 Angestellte und machte 2012 einen Umsatz von 32 Milliarden Dollar. Der Konzern ist der viertgrößte Rohölproduzent der Welt, pro Tag fördert er rund 2,5 Millionen Barrel Öl.

Im September 2012 waren in einem Pemex-Gaslager im nordmexikanischen Bundesstaat Tamaulipas bei einer Explosion 30 Menschen umgekommen. Im Dezember 2010 wurden 29 Menschen getötet, als eine Pemex-Pipeline explodierte, nachdem Diebe sie angezapft hatten. Im Oktober 2007 starben 21 Pemex-Arbeiter bei einem Gasleck an einer Ölplattform im Golf von Mexiko. Die meisten ertranken, nachdem sie in Panik ins Meer gesprungen waren.

ulz/dpa/AFP/AP/Reuters

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Bevölkerung: 113,423 Mio.

Hauptstadt: Mexiko-Stadt

Staats- und Regierungschef: Enrique Peña Nieto

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