Mexiko-Stadt - Mutter mit neun Jahren? Der Fall eines mexikanischen Mädchens beschäftigt Mediziner und Justiz. Nach Ärzteangaben könnte das Mädchen auch 14 oder 15 Jahre alt sein, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Jalisco am Donnerstag. Sie habe eine Geburtsurkunde, die erst vor ein oder zwei Jahren ausgestellt worden sei. Die Dokumente der jungen Mutter wurden den Angaben zufolge erst beantragt, als ein Nachbar eine Anzeige erstattete, weil das Mädchen nicht zur Schule ging. Es wurde in die zweite Klasse eingeschult, kurze Zeit später verließ es aber den Unterricht.
Die Staatsanwaltschaft hat auch Ermittlungen dazu eingeleitet, wer der Vater des Neugeborenen ist. Sie geht nach eigenen Angaben dem Verdacht auf Kindesmissbrauch nach. Die Mutter gab an, der Vater sei ein 17 Jahre alter Freund, den sie seit einiger Zeit nicht mehr sehe.
Das Mädchen lebt mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und mehreren Geschwistern in Ixtlahuacán de los Membrillos, einer Ortschaft 50 Kilometer südlich von Guadalajara, im Bundesstaat Jalisco. Die Lokalzeitung "Mural" beschreibt die meisten Häuser der verarmten Wohngegend als einstöckig und ohne Fenster, die Mauern voller Graffiti.
Nachbarn der Familie sagten der Zeitung, das Mädchen sehe älter als eine Neunjährige aus. Der angebliche Freund sei in der Nachbarschaft nicht bekannt. Sie äußerten den Verdacht, der Stiefvater könnte für die Schwangerschaft verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft schloss dies nicht aus. "Alles wird untersucht, der Sexualverkehr mit einer Minderjährigen ist in Jalisco ein Verbrechen", sagte Behördensprecher Lino González. Die Mutter der Minderjährigen habe keine Anzeige wegen der Schwangerschaft ihrer Tochter erstattet.
Das Baby kam am 27. Januar per Kaiserschnitt in einem Krankenhaus zur Welt. Es wog den Angaben zufolge 2,7 Kilogramm und war bei der Geburt 50 Zentimeter groß. Mutter und Kind wurden bereits aus der Klinik entlassen. Die Klinik wird nach eigenen Angaben den Gesundheitszustand des Neugeborenen wegen des extrem jungen Alters der Mutter weiter beobachten. In dem Krankenhaus war laut dem TV-Sender ABC im vergangenen Jahr ein Viertel aller Mütter bei der Entbindung minderjährig.
wit/dpa
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