Abschuss von MH17 Von Russland beschuldigter Kampfpilot soll Suizid begangen haben

Der mutmaßliche Suizid des Ex-Kampfpiloten Wladislaw Woloschin sorgt in der Ukraine für Aufregung. Russland hatte dem 29-Jährigen ohne stichhaltigen Beleg unterstellt, er habe das Passagierflugzeug MH17 abgeschossen.

Ukrainischer Ex-Kampfpilot Wladislaw Woloschin
imago/ Russian Look

Ukrainischer Ex-Kampfpilot Wladislaw Woloschin


Fast vier Jahre nach dem Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine des Typs Boeing 777 in der Ostukraine ist der Ex-Kampfpilot Wladislaw Woloschin gestorben. Am Sonntag soll er in seiner Wohnung im südukrainischen Nikolajew Selbstmord begangen haben.

Lokalmedien zufolge erschoss sich der als "Volksheld der Ukraine" ausgezeichnete Pilot mit einer Pistole. Zum Tatzeitpunkt soll die Familie im Haus gewesen sein. Wie das Nachrichtenportal "Niknews" berichtet, soll die Ehefrau den Schuss gehört und die Rettungskräfte alarmiert haben. Woloschin erlag im Krankenhaus seiner schweren Verletzung.

Woloschin war zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes im Juli 2014 Hauptmann der ukrainischen Luftwaffe. Eine russische Boulevardzeitung warf ihm unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Zeugen vor, die MH17 mit 296 Menschen an Bord abgeschossen zu haben - was der Kampfpilot dementierte. Internationale Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass MH17 eindeutig von einer Rakete vom Boden getroffen wurde. Der angebliche Zeuge hatte hingegen behauptet, Woloschin habe am Tag der Katastrophe mit seinem Kampfjet und Luft-Luft-Raketen an Bord die Militärbasis verlassen und sei später ohne Munition zurückgekehrt.

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben. In der Region lieferten sich damals ukrainische Soldaten und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Nach dem Abschuss wiesen sich die Konfliktparteien gegenseitig die Schuld zu.

Ein internationales Ermittlerteam stellte nach monatelangen Untersuchungen fest, MH17 sei mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk M1 abgeschossen worden. Das Raketensystem sei aus Russland in die Ukraine geholt und nach dem Abschuss zurück nach Russland gebracht worden. Wer genau geschossen hat, ist weiter unklar.

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Woloschin war seit Anfang 2018 kommissarischer Leiter des internationalen Flughafens in Nikolajew. Das Nachrichtenportal nikvesti.com veröffentlichte angeblich von Woloschin stammende WhatsApp-Nachrichten, in denen Suizidabsichten formuliert werden: "Ich will meine Kinder nicht ohne Vater hinterlassen. Obwohl mein Hang zum Suizid, die Gedanken daran, lassen mich schon eine Woche lang nicht los", soll Woloschin am 21. Februar geschrieben haben.

Die Familie berichtete ukrainischen Medien zufolge, dass Woloschin in letzter Zeit betrübt gewirkt habe. Die Gründe dafür sind unklar, der 29-Jährige hinterließ keinen Abschiedsbrief.

Im Video: Wie das Recherche-Puzzle zusammen kam - Todesflug MH17

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In seiner Funktion als kommissarischer Flughafenleiter stand Woloschin Bekannten zufolge stark unter Druck. Im WhatsApp-Chat deutet er an, kündigen zu wollen. Offenbar gab es Konflikte mit dem Gebietsgouverneur Aleksej Sawtschenko. Ukrainische Lokaljournalisten hatten Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung einer geplanten Flughafensanierung aufgedeckt. Wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete, forderten nach dem mutmaßlichen Suizid etwa hundert Aktivisten den Rücktritt des Gouverneurs.

Während seines Einsatzes an der Front im Donbass flog Woloschin allein in den ersten Monaten 33 Kampfeinsätze. Er wurde mehrfach für seinen Mut ausgezeichnet. Am Mittwoch nahmen Familienmitglieder, Kameraden, Freunde und Bekannte auf einer Trauerfeier in Nikolajew Abschied von Woloschin. Er hinterlässt eine Tochter und einen Sohn.

ala

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