Verschollene Malaysia-Boeing Geisterflug um Viertel nach sechs

Bewohner einer Malediven-Insel wollen kurz nach dem Verschwinden von Flug MH370 ein Flugzeug im Tiefflug gesehen haben. War es die verschollene Boeing? Die Armee sagt, das Radar habe nichts Derartiges erfasst. Doch die örtliche Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Von Ulrike Putz, Neu-Delhi

Malediven-Insel Kuda Huvadhoo: Ein Herz für Legenden?
Google Earth/ DigitalGlobe

Malediven-Insel Kuda Huvadhoo: Ein Herz für Legenden?


Die Malediven-Insel Kuda Huvadhoo ist ein beschauliches Fleckchen Erde: Nur gut einen Kilometer lang und knapp einen Kilometer breit ist das Eiland im Indischen Ozean. Das Stückchen Land südwestlich von Indien ist Heimat von 3500 Einwohnern und damit eine der wichtigen der 1196 Inseln der Maledivischen Republik. Man lebt vom Fischfang und Tourismus, außerdem ist Kuda Huvadhoo Verwaltungszentrum für viele umliegende, wesentlich kleinere Inseln. Hier gibt es eine Schule, ein Postamt und eine Polizeiwache.

Die Wachtmeister auf Kuda Huvadhoo führen normalerweise ein beschauliches Leben: Gelegentlich schlichten sie eine Schlägerei, ab und an gilt es, einen Diebstahl aufzuklären. Doch am Dienstag bekamen die örtlichen Beamten plötzlich hohen Besuch. Aus der Propellermaschine, die Kuda Huvadhoo in 40 Minuten von der Hauptstadt Male aus anfliegt, kletterten mehrere Offiziere der maledivischen Polizei. Auftrag der Abordnung aus dem Hauptquartier: die Schutzmänner von Kuda Huvadhoo dabei zu unterstützen, den Gerüchten auf den Grund zu gehen, die die Insel urplötzlich und zum ersten Mal in ihrer Geschichte in den Fokus der Weltpresse gerückt haben.

Ausgelöst hatte die polizeiliche Untersuchung ein Bericht der maledivischen Nachrichtenwebsite "Haveeru". Die schrieb am Dienstag, Bewohner des Malediven-Eilands Kuda hätten am 8. März ein weißes Flugzeug mit roten Streifen gesichtet, das die Insel im Tiefflug überquert habe. Den übereinstimmenden Berichten der Inselbewohner zufolge sei das Flugzeug um 6.15 Uhr Ortszeit über der Insel aufgetaucht und habe dabei ohrenbetäubenden Lärm gemacht, so die Webseite. "Ich habe noch nie zuvor einen Jet so tief über unsere Insel fliegen sehen. Ich konnte sogar genau die Türen sehen", zitierte die "Haveeru" einen Augenzeugen.

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Hatten die Insulaner tatsächlich den verschollenen Malaysia-Airlines-Flug MH370 gesichtet? Die maledivische Armee gab umgehend ein Statement heraus, nach dem das nicht wahrscheinlich sei: Am betreffenden Tag hätten weder die militärischen noch die zivilen Radaranlagen einen Geisterflug verortet. Das Statement schließt allerdings nicht aus, dass so ein Flug den maledivischen Luftraum passiert haben könnte - er wurde eben nur von offizieller Seite nicht registriert. Der ehemalige Verteidigungsminister der Malediven betonte denn auch, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. "Wir müssen der Sache auf den Grund gehen", sagte Ameen Faisal, der heute als Berater für die nationale Sicherheit der Regierung fungiert, SPIEGEL ONLINE am Telefon.

"Sieben oder acht Leute haben an dem Samstag morgens um Viertel nach sechs einen Jet gesehen", sagte Ahmath Mohammed, Lehrer an der staatlichen Schule von Kuda Huvadhoo, SPIEGEL ONLINE telefonisch. Das Flugzeug sei sehr, sehr tief geflogen, was die Leute verwundert habe. "Die Augenzeugen haben vier Tage lang darüber gesprochen", so Mohammed.

Dann sei der morgendliche Tiefflug in Vergessenheit geraten - bis Ende vergangener Woche mit einiger Verspätung die Nachricht vom verschollenen Flug MH370 Kuda Huvadhoo erreicht habe. Seitdem sei die Story wieder hochgekocht und schließlich auch Journalisten im fernen Male zu Ohren gekommen. Er selbst habe an dem betreffenden Morgen nichts Außergewöhnliches bemerkt, sagte Mohammed. Er weiß nicht recht, was er von der Geschichte halten soll. "Ob es sich bei dem Flugzeug tatsächlich um den malaysischen Flieger gehandelt hat, können die Augenzeugen auch nicht sagen", so der Lehrer.

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Flug MH370: Die Wut der Angehörigen
Hussain Wahid ist der oberste Polizeibeamte der Malediven. Am Dienstag, nachdem die Gerüchte über den Geisterjet sich wie ein Lauffeuer über die Atolle verbreitet hatten, ordnete er die Untersuchung an und schickte Verstärkung nach Kuda Huvadhoo. "Ich persönlich glaube, dass es sich dabei um eine Legende handelt", sagte der Polizeichef SPIEGEL ONLINE am Telefon. Es sei jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass die Geschichte doch ein Körnchen Wahrheit enthalte. "Eine Menge Leute sagen, dass sie an jenem Morgen etwas gesehen haben. Das kann schon sein. Es muss sich dabei ja nicht um den Malaysia-Airlines-Jet gehandelt haben." Zum Stand der Ermittlungen wollte sich Wahid nicht weiter äußern. "Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, da will ich kein abschließendes Urteil fällen."

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Seite 1
zila 19.03.2014
1. Macht Sinn
Zitat von sysopGoogle Earth/ DigitalGlobeBewohner einer Malediven-Insel wollen kurz nach dem Verschwinden von Flug MH370 ein Flugzeug im Tiefflug gesehen haben. War es die verschollene Boeing? Die Armee sagt, das Radar habe nichts derartiges erfasst. Doch die örtliche Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/mh370-auf-malediven-boeing-der-malaysia-airline-angeblich-gesichtet-a-959652.html
Weiss sind ja eine Menge Flugzeuge, aber rote Streifen? Das blau in den Streifen duerfte man gegen den Himmel nicht gut erkennen, bei immerhin acht Zeugen ist das wohl auch kein Aprilscherz, um auf die Insel (Tourismus?) aufmerksam zu machen. Die Lage der Insel, sehr weit suedwestlich vor Sri Lanka spricht ebenfalls dafuer, dass an der Geschichte was dran sein koennte.
svoop 19.03.2014
2. Kommt zeitlich nicht ganz hin
Zwischen dem letzten Kontakt und Kuda Huvadhoo liegen rund 3300km und 7 Stunden (01:19GMT+7 bis 06:15GMT+5). Demnach wäre das Flugzeug im Schnitt 470km/h geflogen. Das ist ziemlich langsam, die normale Geschwindigkeit auf einer normalen Flughöhe ist eher im Bereich von 900km/h. Der Pilot müsste also Umwege oder ungewöhnlich langsam geflogen sein.
rabenkrähe 19.03.2014
3. nene
Zitat von sysopGoogle Earth/ DigitalGlobeBewohner einer Malediven-Insel wollen kurz nach dem Verschwinden von Flug MH370 ein Flugzeug im Tiefflug gesehen haben. War es die verschollene Boeing? Die Armee sagt, das Radar habe nichts derartiges erfasst. Doch die örtliche Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/mh370-auf-malediven-boeing-der-malaysia-airline-angeblich-gesichtet-a-959652.html
..... Eines verstehe ich nun ganz und gar nicht: Wo nur ist die allwissende NSA, die doch alle nur verfügbaren Daten auffängt und auswertet? Sie müßte doch eine Ahnung haben, wo das verschollene Flugzeug geblieben ist. Verheimlichen sie das oder sind sie viel dümmer, als sie immer tun? rabenkrähe
Kusnezow 19.03.2014
4. Gute PR Aktion!
Zitat von sysopGoogle Earth/ DigitalGlobeBewohner einer Malediven-Insel wollen kurz nach dem Verschwinden von Flug MH370 ein Flugzeug im Tiefflug gesehen haben. War es die verschollene Boeing? Die Armee sagt, das Radar habe nichts derartiges erfasst. Doch die örtliche Polizei hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/mh370-auf-malediven-boeing-der-malaysia-airline-angeblich-gesichtet-a-959652.html
Die Insel Kuda Huvadhoo das Roswell der Malediven. Die Touristen werden den Einwohnern die Bude einrennen.
rainerschwachsinn 19.03.2014
5. Manipulation am INMARSAT Modul?
Auch wenn die Möglichkeit der Entführung nach Somalia durchaus denkbar wäre, so passt die Sichtung nicht zum Ping-Signal der Sendeeinheit für die INMARSAT Kommunikation. oder die Entführer haben das System so manipuliert, dass eine fehlerhafte Zeitsynchronisation mit dem Satelliten die Spur verschleiern sollte. Die Laufzeit des Ping-Signals lässt nur die beiden bekannten Korridore zu.
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