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Flug MH370: Unabhängige Experten berechnen mögliche Absturzstelle

Von Rainer Leurs

Besatzungsmitglied eines australischen Suchflugzeugs (im Mai): "Auf keinen Fall eine unrealistische Stelle" Zur Großansicht
REUTERS

Besatzungsmitglied eines australischen Suchflugzeugs (im Mai): "Auf keinen Fall eine unrealistische Stelle"

Seit Wochen versuchen Wissenschaftler die Berechnungen nachzuvollziehen, wonach Flug MH370 in den Indischen Ozean gestürzt sein soll. Jetzt hat eine unabhängige Expertengruppe ihre Ergebnisse vorgelegt.

Kuala Lumpur/Hamburg - Wie kamen die Experten des britischen Satellitenbetreibers Inmarsat zu der Erkenntnis, Flug MH370 sei im südlichen Indischen Ozean abgestürzt? Bereits seit Ende Mai versuchen Wissenschaftler, die Berechnungen des Unternehmens nachzuvollziehen. Jetzt hat eine Gruppe unabhängiger Fachleute das Ergebnis ihrer eigenen Kalkulationen veröffentlicht.

Wichtigste Erkenntnis: Die Annahme, wonach die verschollene Boeing 777-200 der Malaysia Airlines stundenlang in südlicher Richtung unterwegs war und schließlich an einem Punkt westlich der australischen Küste ins Meer gestürzt sein muss, konnte von der Gruppe um den Mikrowellen-Radiometrie-Experten Michael Exner weitgehend bestätigt werden.

Zuvor hatte es immer wieder Zweifel daran gegeben, dass die Maschine tatsächlich in südlicher Richtung unterwegs war. Auch eine Flugroute über das asiatische Festland war zunächst anhand der Satellitendaten für möglich gehalten worden; Inmarsat hatte diese Option aber ausgeschlossen. "Wir alle glauben inzwischen, dass die südliche Flugroute die sehr viel wahrscheinlichere ist", sagte Exner SPIEGEL ONLINE. Dies sei zu mehr als 90 Prozent sicher.

Cluster aus möglichen Absturzstellen

Dennoch deckt sich die angenommene Absturzregion nicht vollständig mit jener, die Inmarsat an das Suchkommando unter der Führung Australiens und Malaysias weitergegeben hatte. Exners Gruppe legte laut CNN fünf verschiedene Computermodelle zugrunde, das Ergebnis ist ein dicht gepacktes Cluster aus möglichen Absturzstellen. Sie alle liegen einige hundert Seemeilen südwestlich der Meeresregion, in der zuletzt nach Flug MH370 gesucht wurde.

"Dabei handelt es sich lediglich um eine empfohlene Suchregion", schränkte Exner ein. Es sei der wahrscheinlichste Absturzort, nicht jedoch die einzige Position, die dafür in Frage komme.

Die Gruppe, zu der unter anderem der britische Astrophysiker und Wissenschaftsautor Duncan Steel gehört, stellte ihre Berechnungen auf Grundlage von Satelliten-Kommunikationsdaten an, die Inmarsat nach langem Drängen Ende Mai veröffentlicht hatte. Auch nachdem sämtliche Ortungs- und Funksysteme der Boeing 777-200 ausgeschaltet waren, hatte die Maschine einmal pro Stunde Kontakt zu einem von Inmarsat betriebenen Satelliten - bis auch diese sogenannten Handshakes ausblieben. Auf Grundlage dieser Signale waren Flugroute und Absturzregion berechnet worden.

An wahrscheinlichster Stelle noch gar nicht gesucht

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass an der von Inmarsat identifizierten Position noch gar nicht gesucht wurde. In einer am Dienstag ausgestrahlten BBC-Dokumentation über das verschollene Flugzeug (hier online anschauen) sagte ein Vertreter des Unternehmens, das australische Spezialschiff "Ocean Shield" sei zwar zu der Stelle geschickt worden. Kurz vor der Ankunft habe es aber abgedreht und an einem anderen Ort gesucht. "Es war auf keinen Fall eine unrealistische Stelle, aber es war weiter nordöstlich als der Bereich mit der höchsten Wahrscheinlichkeit", zitierte die BBC Chris Ashton.

Laut BBC liegt die von Inmarsat ausgemachte Position - der sogenannte Hotspot - bei 28 Grad südlicher Breite. Diese Stelle solle im Fokus stehen, wenn die Suche im Spätsommer wieder aufgenommen wird. Auch die Ergebnisse "anderer Gruppen" sollen dem Sender zufolge dann berücksichtigt werden. Ob damit die Resultate Michael Exners und seiner Mitstreiter gemeint sind, wurde nicht ausdrücklich benannt.

Flug MH370 war am 8. März mit 239 Menschen an Bord verschwunden. Die Boeing 777-200 war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Sieht man von den Satelliten-Handshakes ab, fehlt bis heute jede Spur von der Maschine.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1.
Hans58 18.06.2014
Zitat von sysopREUTERSSeit Wochen versuchen Wissenschaftler die Berechnungen nachzuvollziehen, wonach Flug MH370 in den Indischen Ozean gestürzt sein soll. Jetzt hat eine unabhängige Expertengruppe ihre Ergebnisse vorgelegt. http://www.spiegel.de/panorama/mh370-unabhaengige-experten-berechnen-wahrscheinliche-absturzstelle-a-975980.html
Die Experten sind also wieder an der Stelle angekommen, an der zuerst gesucht wurde, nämlich südwestlich der Stelle, an der zuletzt gesucht wurde. http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=129316&page=3&p=15946744&viewfull=1#post15946744
2. da ist was faul
leserbrief123 18.06.2014
heute gibt es Satellitensysteme um Personen zu erkennen, die das Mittelmeer überqueren und allen möglichen Überwachungskram. Aber man soll nicht in der Lage sein ein Flugzeug anständig zu tracken. Alles klar.
3. 7255
Altesocke 18.06.2014
"Diese Stelle solle im Fokus stehen, wenn die Suche im Spätsommer wieder aufgenommen wird. Auch die Ergebnisse " Spaetsommer? Australischer Fruehling! Weil die Suche nehmen die ja da unten wieder auf! Und dann werden sie auch nichts finden (duerfen?)
4. Hohe Wahrscheinlichkeit
cavete 18.06.2014
" 'Wir alle glauben inzwischen, dass die südliche Flugroute die sehr viel wahrscheinlichere ist', sagte Exner SPIEGEL ONLINE. Dies sei zu mehr als 90 Prozent sicher." Wenn etwas als "sicher" gelten kann, dann bleibt ja eigentlich kein Raum mehr fuer Wahrscheinlichkeitn, oder? Moeglicherweise wollte er zum Ausdruck bringen, dass die Wahrscheinlichkeit fuer den prognosterzierten Abstussort mehr als 90 Protzend betraegt? Jedenfalls, so wie es formulliert wird, bleibt es eine Wahrscheinlichkeitsprognose: "[...] dass die südliche Flugroute die sehr viel wahrscheinlichere ist". Es waere interessant, zu efahren, welche Parameter bei de Ermittlung des muttmaszlichen Absturzortes Eingang bei den Berecknungen gefunden haben. Und schliesslick bliebe noch die Aussage von Herrn Exner, es "sei zu mehr als 90 Prozent sicher". Meint er damit, "dass die südliche Flugroute die sehr viel wahrscheinlichere ist", oder, dasz das Flugzeug an der errechneten Stelle abgestuetzt ist. Dem Leser mag diese Frage etwas penibel oder spitzfindig erscheinen. Sie ist aber nicht unbegruendet.
5. 7258
Altesocke 19.06.2014
Zitat von Hans58Die Experten sind also wieder an der Stelle angekommen, an der zuerst gesucht wurde, nämlich südwestlich der Stelle, an der zuletzt gesucht wurde. http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=129316&page=3&p=15946744&viewfull=1#post15946744
Es geht jetzt Richtung der Stelle, wo die Chinesen auf 37.5kHz etwas empfangen haben. Die waren ca. 600km suedwestlich am horchen. Das durfte ja aber garnicht sein, sonst waere ja der Frequenzunterschied (33.5kHz) des 'Signals', das die Ocean Shield empfangen hat, nicht erst aufgeloest worden, nachdem die Haixun 01 die Position gewechselt hat. Und die Batterien der Boxen ausgelutscht sein mussten! Abgesehen davon, das ich diese Positionen, nahe Australien, eh fuer unwahrscheinlich halte, waere allerdings dann die Frage angebracht, warum so weit entfernt von einer Stelle gesucht wurde, die erstens weit von einem anderen Fund weglag, zweitens sehr weit selbst von den ominoesen Berechnungen der vorgeblichen Satellitendaten entfernt ist. Und wie die Ocean Shield denn die Signale empfangen hat, bevor sie stoppte, und den Empfaenger in das Wasser liess und mit Suchgeschwindigkeit dann das Signal erneut (?) auffand. Bzw. von wem die Informationen ueber die dann 'erfolgreiche' Suchregion kamen! "das australische Spezialschiff "Ocean Shield" sei zwar zu der Stelle geschickt worden. Kurz vor der Ankunft habe es aber abgedreht und an einem anderen Ort gesucht." Da muessten wohl zumindest bei den Australiern einige Koepfe rollen. Wenn sie denn ihre 'Informanten' schuetzen muessen! Jeden Tag, jeder Artikel, mehr Fragen ergeben sich, als Antworten gegeben werden. Der Flieger soll nicht gefunden werden. Das war nur den wenigsten der an der Suche beteiligten bekannt. Da muss dann schon manchmal korregierend eingegriffen werden!
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