Brief von Trayvon Martins Mutter "Ein Sohn, der kaum die Chance hatte, zu leben"

Trayvon Martin war 17, als ein Nachbarschaftswächter ihn erschoss. Michael Brown war 18, als ihn die tödlichen Schüsse eines Polizisten trafen. Jetzt wendet sich Martins Mutter in einem offenen Brief an Browns Familie.

Sybrina Fulton: Klare Worte in "Time"
AFP

Sybrina Fulton: Klare Worte in "Time"


Ferguson - Was derzeit in Ferguson passiert, fühlt sich an wie ein Déjà-vu: Der Tod eines schwarzen Teenagers empört die USA, es gibt Demonstrationen im ganzen Land. Eine Debatte über Waffenbesitz entbrennt, selbst Präsident Barack Obama schaltet sich ein.

Das alles ist erst zwei Jahre her. Am 26. Februar 2012 wurde der 17-Jährige Trayvon Martin in Florida erschossen. Er war auf dem Weg nach Hause, hatte sich in einem Laden Süßigkeiten und Eistee gekauft. Der Schütze George Zimmerman, ein Nachbarschaftswächter, berief sich vor Gericht auf Notwehr, er habe im Kampf mit Martin um sein Leben gefürchtet. Zimmerman wurde freigesprochen.

Nun ist in den USA erneut eine Rassismusdebatte entbrannt. Nach dem Tod von Michael Brown protestieren in der Kleinstadt Ferguson in Missouri Schwarze gegen Polizeigewalt.

Die Fälle sind nicht identisch. Martin wurde von einem Privatmann erschossen, Brown starb durch die Kugeln eines Polizisten. Bei Martin blieben die Proteste und Demonstrationen friedlich, dieses Mal schlagen sie in Gewalt um - inzwischen soll die Nationalgarde Ferguson befrieden.

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Aber gewisse Parallelen gibt es gleichwohl. Beide Opfer waren schwarz, jung und bei ihrem Tod unbewaffnet. Dieser Hintergrund hilft zu verstehen, warum es bedeutsam ist, wenn sich nun Sybrina Fulton in einem offenen Brief auf der Website der Zeitschrift "Time" an Browns Familie wendet. Die Verfasserin ist Martins Mutter.

"Ich wünschte, dass der ganze Schmerz, den ich erlitten habe, einen Teil des Ihren lindert, aber das geht nicht", schreibt sie. "Ich hasse es, dass Sie und ihre Familie nun zu dieser exklusiven aber wachsenden Gruppe von Eltern und Verwandten gehören, die geliebte Menschen an sinnlose Waffengewalt verloren haben." Michael sei aber mehr als bloß solch ein Fall: "Er ist Ihr Sohn. Ein Sohn, der kaum die Chance hatte, zu leben."

Martins Eltern haben Stiftung gegründet

Fulton schreibt darüber, was Browns Familie nun wohl erwartet. Es verkompliziere den Schmerz und Verlust, dass der Täter bekannt und derzeit mit Bezahlung vom Dienst suspendiert sei. "Ihre Gefühle werden zwischen Trauer und Wut schwanken." Es sei zwar Unterstützung "aus allen Ecken der Welt" zu erwarten; aber auch Versuche, Michaels Charakter in den Dreck zu ziehen. Sie wisse, wovon sie spreche, sagt Fulton - sie habe das selbst erlebt. Ihr Rat: Holen Sie sich bewährte und vertraute Unterstützung.

Schließlich geht Fulton auch auf den Kampf gegen Waffengewalt ein: Wenn man ihr und Browns Familie kein Gehör schenken wolle, werde man sich eben bemerkbar machen. Man werde "den Kampf für Gerechtigkeit fortsetzen". Sie hasse den Gedanken, dass Abgeordnete und Entscheider erst ein Kind verlieren müssten, ehe sie die anderen Kinder schützten und notwendige Veränderungen veranlassten.

Dafür kämpft Fulton seit dem Tod ihres Sohnes. Gemeinsam mit Trayvons Vater Tracy Martin hat sie eine Stiftung gegründet. Die Trayvon Martin Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, wie Gewaltverbrechen die Familien der Opfer belasten. Zugleich will die Organisation Betroffenen helfen.

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Seite 1
interdit 19.08.2014
1.
Sowohl Martin als auch Brown hatten den Tod nicht verdient. Dass er sie dennoch ereilt hat, lag aber wohl bei beiden entscheidend an ihren eigenen Taten. Martin prügelte Zimmerman, Brown ging auf den Polizisten los. Dass diese jungen Männer so drauf waren und ihre Einstellung sie letztendlich Dinge tun ließ, die sie das Leben kosteten, das hängt nicht zuletzt vom Elternhaus ab. Deshalb fände ich es angemessener, wenn die Eltern den Ball etwas flacher halten würden.
KuGen 19.08.2014
2. Der Fall Trayon Martin ist ungeklärt....
....er ist aber eindeutig, dass seine Mutter sich einem "exclusiven" Kreis von Menschen zurechnet. Wahnhafte Überhöhung , so muss man es wohl bezeichnen.
petrapanther 19.08.2014
3.
Zitat von interditSowohl Martin als auch Brown hatten den Tod nicht verdient. Dass er sie dennoch ereilt hat, lag aber wohl bei beiden entscheidend an ihren eigenen Taten. Martin prügelte Zimmerman, Brown ging auf den Polizisten los. Dass diese jungen Männer so drauf waren und ihre Einstellung sie letztendlich Dinge tun ließ, die sie das Leben kosteten, das hängt nicht zuletzt vom Elternhaus ab. Deshalb fände ich es angemessener, wenn die Eltern den Ball etwas flacher halten würden.
Waren Sie dabei? Oder woher kennen Sie die Tathergänge so genau? In beiden Fällen sind die genauen Abläufe höchst umstritten, und im Fall Brown haben die Ermittlungen gerade erst begonnen. Insofern sollten Sie mit Ihren Urteilen etwas vorsichtiger sein. Ach, die Erziehung der beiden jungen Männer ihre Einstellungen kennen Sie also auch gut genug, um sich ein Urteil zu erlauben? Erstaunlich, was man aus der Ferne so alles diagnostizieren kann! Oder könnte es sein, dass Sie einfach zu wissen glauben, "wie Schwarze so sind"?
oguscg 19.08.2014
4.
Die Martins tun der "Opferfamilie" in Ferguson aber keinen grossen Gefallen mit Ihrem Support, denn ihr eigener Sohn wurde ja,wie gerichtlich nachgewiesen wurde, nur erschossen weil George Zimmermann gezwungen war sein Leben gegen dessen illegalen Angriff zu verteidigen. Die Supporter des "Opfers" in Ferguson bestreiten ja gerade Parallelen zu dem Fall in Florida, und behaupten der Teenager waere ohne Grund erschossen worden.
Gutenmorgenallerseits 19.08.2014
5. An KuGen
Sie sprechen wohl kein Englisch? Oder wenigstens etwas Latein..? Ersparen Sie uns doch bitte solche ignoranten Kommentare!
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