Michael Jackson Polizei bestreitet Misshandlungen

Bitter hatte sich der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Michael Jackson über die kalifornische Polizei beschwert: Sie habe ihm während einer Vernehmung den Arm ausgekugelt und Blutergüsse beigebracht. Der Sheriff wies die Anschuldigungen jetzt vehement zurück. Jackson habe im Polizeigewahrsam sogar gepfiffen und gesungen.


 Pop-Star Jackson: Den Bluterguss soll ihm ein Polizist beigebracht haben
AP

Pop-Star Jackson: Den Bluterguss soll ihm ein Polizist beigebracht haben

Santa Barbara - "Mister Jackson hat seine Glaubwürdigkeit ernsthaft untergraben", sagte Sheriff Jim Anderson am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Santa Barbara. Der Angeklagte Jackson sei ganz im Gegensatz zu dessen Behauptungen in einem Fernsehinterview bei seiner vorübergehenden Verhaftung am 20. November freundlich, korrekt und genau nach den Dienstvorschriften behandelt worden.

Der Sheriff spielte den Reportern Videoaufnahmen vor, die einen freundlichen Umgang von Polizeibeamten mit Jackson zeigen. Zudem wurde ein Audioband abgespielt, auf dem mutmaßlich Jackson auf Nachfrage eines Polizisten sagt, es gehe ihm "wunderbar". Dann hört man die als Jackson bezeichnete Person fröhlich pfeifen und singen. Die Aufnahme sei im Polizeigewahrsam entstanden, erklärte Anderson.

Ein Staatsanwalt untersucht die Vorwürfe

Der 45-Jährige Sänger habe ohne irgendeine Verletzung 63 Minuten nach seiner Festnahme in einem Flugzeughangar bei Santa Barbara das Gebäude des Sheriffs verlassen. Weder der Pop-Star, noch sein Anwalt, der stets dabei gewesen sei, habe sich während der Amtshandlung der Mitteilung des Haftbefehls und der Regelung einer Kaution, die Jacksons Freilassung ermöglichte, in irgendeiner Weise beschwert. Die Anschuldigungen gegen die Polizei seien "empörend", erklärte Anderson.

Sheriff Anderson: "Die Anschuldigungen sind empörend
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Sheriff Anderson: "Die Anschuldigungen sind empörend

Der kalifornische Staatsanwalt Bill Lockyer kündigte an, auf Bitten Andersons zu untersuchen, ob Jacksons Bürgerrechte während der Verhaftung verletzt wurden. "Sollte diese Untersuchung ergeben, dass die Vorwürfe von Herrn Jackson haltlos sind, werde ich beantragen, dass gegen Jackson eine Klage wegen falscher Anschuldigung angestrengt wird", sagte Anderson. Jacksons Anwalt Mark Geragos sagte in einer ersten Stellungnahme, er begrüße eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

Jackson hatte wenige Tage zuvor in einem Interview des Senders CBS behauptet, Polizisten im Sheriff-Büro von Santa Barbara hätten ihn brutal behandelt. Sie hätten ihm eine Schulter ausgerenkt und mit zu fest gezogenen Handschellen einen Bluterguss an seinem linken Arm verursacht. 45 Minuten lang sei er auf einer mit Fäkalien übersäten Toilette eingesperrt und verhöhnt worden.

"Das WC war frisch geputzt"

Dazu sagte der Sheriff, Jackson sei auf eigenen Wunsch für 15 Minuten auf der Toilette gewesen. "Das WC war frisch geputzt", sagt Anderson. Jackson sei allerdings eingeschlossen worden, wie es die Vorschriften verlangten. Auf einem weiteren Videoband ist zu sehen, wie Jackson die Polizeistation mit beiden Armen winkend verlässt und das Victory- Zeichen macht. Jacksons Vorwürfe gegen die Polizei waren bereits in den letzten Tagen von US-Medien als wenig glaubwürdig eingeschätzt worden. Jackson ist in neun Fällen des Kindesmissbrauchs angeklagt und muss am 16. Januar zur formellen Anklageverlesung vor Gericht erscheinen. Er ist gegen eine Kaution von drei Millionen Dollar (etwa 2,4 Millionen Euro) auf freiem Fuß. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mehr als 20 Jahre Haft.

Zuvor hatte ein Berater Jacksons zum angeblichen Einfluss der radikal-islamischen Organisation "Nation of Islam" auf den Pop-Star gesagt, Mitglieder der Gruppe dienten dem Musiker als Sicherheitsdienst. "Das heißt nicht, dass Michael Jackson der Nation of Islam beigetreten ist", erklärte Jacksons spiritueller Berater Firpo Carr am Mittwoch in einem Interview des Senders CNN. Auf die geschäftlichen oder privaten Entscheidungen habe die Glaubensgemeinde von Afro-Amerikanern keinen Einfluss. Die Gruppe, die einen eigenständigen Staat von Afroamerikanern befürwortet, habe zuvor den Wachschutz für den Footballstar O.J. Simpson und andere prominente Farbige gestellt.

Die "New York Times" und andere seriöse US-Zeitungen hatten berichtet, die von Louis Farrakhan geführte Islamisten-Gruppe habe starken Einfluss auf Medien-, Geschäfts- und sogar juristische Entscheidungen Jacksons. In der Vergangenheit war die Gruppe laut "New York Times" durch antisemitische, rassistische und homosexuellenfeindliche Äußerungen in die Schlagzeilen gekommen.



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