Minutenprotokoll Japan im Zeichen der Katastrophe

REUTERS/ NTV

2. Teil: Experten sehen Kernschmelzen-Gefahr


+++ Experten sehen weiter Kernschmelzen-Gefahr +++

[17.07 Uhr] Der AKW-Betreiber Tepco und Strahlenschutzexperten der Atom- und Industriesicherheitsbehörde Nisa sind auf dem Reaktorgelände. Sie haben die Uran-Kernspaltungsprodukte Cäsium und Jod festgestellt. Daraus schätzen Tepco und Nisa die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze als hoch ein, berichten japanische Medien übereinstimmend.

+++ Japan bittet Russland um Energie +++

[16.28 Uhr] Energiekrise nach dem Beben: Russlands Vizepremier Igor Sechin teilt mit, Japan habe Moskau gebeten, seine Energielieferungen an Japan anzukurbeln. Sechin sagte, Russland könne seine Flüssiggaslieferung kurzfristig um 150.000 Tonnen erhöhen, auch erhöhte Kohle-Lieferungen seien in Planung. Das rohstoffarme Land gewinnt rund 30 Prozent seines Stroms aus den landesweit 54 Atomkraftwerken, elf davon sind seit dem Erdbeben vom Netz.

+++ Reaktor sollte im März vom Netz gehen +++

[16.23 Uhr] Der Problemreaktor im AKW Fukushima stand nach Angaben einer internationalen AKW-Datenbank kurz vor der Stilllegung. Der Reaktor 1 des Meilers Fukushima 1 sollte nach etwa 40 Jahren in diesem Monat den Betrieb einstellen; eine Datenbank des Forschungszentrums "Nuclear Training Centre" in Slowenien nennt als "erwartetes Datum der Stilllegung" den März 2011.

+++ Strahlenschutzteam eingetroffen

[15.45 Uhr] Die Lage in der Krisenregion Fukushima bleibt angespannt: Lange Schlangen bilden sich bei der Ausgabe von Trinkwasser, Verletzte werden per Helikopter abtransportiert. Ein Team von Strahlenschutzexperten untersucht die Situation rund um den Unglücksreaktor, berichtet der Sender NHK.

+++ Tsunami zerstört Küstenabschnitt auf Neuguinea +++

[15.31 Uhr] Der Tsunami im Pazifik hat in Indonesien einen Menschen getötet und etliche Häuser zerstört. Die Welle war etwa zwei Meter hoch, als sie gegen Mitternacht einen Küstenabschnitt in Papua auf der Insel Neuguinea überflutete, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Antara. Stunden zuvor hatte die Regierung die Tsunami-Warnung aufgehoben.

+++ AKW-Unfall treibt Atomkraftgegner auf die Straße +++

[15.08 Uhr] Etwa 60.000 Atomkraftgegner demonstrieren in Baden-Württemberg mit einer Menschenkette für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Auf einer Strecke von 45 Kilometern zwischen Stuttgart und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim kamen damit etwa 20.000 Menschen mehr als erwartet.

+++ Drei Opfer radioaktiver Strahlung +++

[15.04] Wie der japanische Sender NHK berichtet, werden Menschen in einem Radius von zehn Kilometern um den Unglücksreaktor auf Strahlenschäden getestet. Von neunzig untersuchten Menschen sei bislang bei drei Patienten ein gesundheitsschädliches Strahlenniveau festgestellt worden.

+++ Westerwelle rät Deutschen zur Ausreise +++

[14.59 Uhr] Außenminister Westerwelle warnt Deutsche, die sich in Japan aufhalten: "Eine Ausreise mit kommerziellen Mitteln sollte in Erwägung gezogen werden, insbesondere mit Kindern". Westerwelle hat wegen der Ereignisse in Asien seine Ungarn-Reise abgebrochen.

+++ Neues Nachbeben gemeldet +++

[14.44 Uhr] Ein Nachbeben erschüttert den Nordosten Japans, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die angegebenen Stärken schwanken zwischen 4,8 und 6,0. Es ist später Abend in Japan, Zehntausende Menschen werden die Nacht in Notunterkünften verbringen.

+++ Röttgen geht von Kernschmelze aus +++

[14.35 Uhr] Umweltminister Röttgen vermutet, dass es in Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen ist. "Anhand der uns vorliegenden Informationen neigen wir dazu, dass dort eine Kernschmelze im Gange ist", sagte Röttgen dem WDR. Die japanische Regierung weist Berichte über eine Kernschmelze zurück: Bei der Explosion in Fukushima sei nur der Betonmantel, jedoch nicht die Stahlhülle um den Reaktor beschädigt worden, so die offizielle Ansage.



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lalito 12.03.2011
1. Gau
Die Borniertheit der Beschwichtiger und Kleinredner des Gefahrenpotentials der Kernspaltung, angesichts des Unvermögens der Handhabung der Störfälle in einer der höchstentwickelten Zivilisationen der Erde, mutiert nunmehr zur Frechheit.
MeyerLansky 12.03.2011
2. Kernschmelze schon vorbei, alles nicht so schlimm!
Die ARD meldet gerade lakonisch, dass die Kernschmelze schon stattgefunden habe, aber nach Auskunft der Regierung außerhalb eines (evakuierten) Radius von 10 km keine Gefahr bestehe ;-). So einen kooperativen Staatssender wünscht sich jedes Land. Mannomann, was ist aus der ARD bloß geworden?
malanda 12.03.2011
3. Kein Funken Verantwortungsgefühl
Natürlich werden die Berufsoptimisten in Sachen Atomkraft wieder lautstark in den Foren posten - ist doch alles nicht so schlimm und es ist doch alles im Griff. Danach schaut's beim besten Willen nicht aus - und jeder, der ein bißchen denken kann, weiß, dass es wirklich nur eine Frage der Zeit ist, bis uns auch in Deutschland ein AKW durchgeht. Muss ich auch lachen - da gibt's die netten Hinweise, ein AKW könne physikalisch gar nicht explodieren. Ist schon klar - es schmilzt auch nur alles, was im Weg ist, verdampft Wasser, sucht sich einen Weg nach Draussen und verseucht alles mit Radioaktivität. Und von wegen "Räumen im Radius von 3 km". Lachhaft - rund um Tschernobyl wurde im Radius von 300 km geräumt. Wenn Grafenrheinfeld einen relevanten Störfall hat, muss München noch mit geräumt werden. Viel Spaß. Wohin geht man dann in Deutschland noch? Gute Frage, wa? Hört auf mit dem Atomscheiß - der Mensch hat seit ca. 5000 Jahren eine nennenswerte Kulturgeschichte, davon erst die letzten 200 Jahre mit einem wirklich starken Entwicklungsschub. Aber der Abfall, den wir (nein, nicht wir - die geldgierigen Manager und Aktionäre der Energie-Produzenten) dabei verursachen, kann nicht sicher untergebracht werden - und wir gefährden unsere Nachkommen mit dem strahlenden Atomkraft-Müll für eine Million Jahre - solang ist das Zeug tödlich. Wie sicher die bisherigen Möglichkeiten sind, sehen wir an der Asse, wo die Geier die Fässer mit dem Radlader in eine Senke reinkippten, wo jeden Tag 12.000 Liter verseuchtes Wasser einschießen. Granit? Zerklüftet, geht nicht, da findet das Wasser den Weg, aber man versucht uns´permanent, Sand in die Augen zu streuen. Ich bin dafür, dass die Atomfritzen verpflichtet werden, in einem der Zwischenlager zu schlafen.
Dr.Schitzophren, 12.03.2011
4. Kopfschüttel...
Das die Kühlung nur noch mit Batterien funktioniert, die Notstromaggregate nicht laufen....ist schon irre. Man fragt sich unwillkürlich, warum die Generatoren nicht geschützt plaziert wurden und ob die Batterien so dimensioniert sind ,das sie es schaffen das Kraftwerk auf 0 runter zu fahren. Wenn dem nicht so ist, dann sind die Ingenieure die dafür zuständig waren absolute Versager.Das sind doch die primitivsten Maßnahmen.
unclevanya 12.03.2011
5. info-politik "nicht-irrer" staaten
"Drohende Kernschmelze Das Ablassen von radioaktivem Dampf soll den Druck in einem von sechs Reaktorbehältern verringern. [1] Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa (Nuclear and Industrial Safety Agency) sagte, der Druck sei anderthalb Mal so hoch wie normal. [2] Das japanische Handelsministerium teilte mit, der Druck könnte sogar das 2,1-fache dessen überstiegen haben, wofür das Turbinengebäude ausgelegt ist. [3] Nach Angaben der Nisa weiß das Betreiberunternehmen Tepco (Tokyo Electric Power Company) nicht, wie stark die radioaktive Strahlung im Inneren ist." [alles DER SPIEGEL] Nur die Russen, während Tschernobyl-disaster, waren noch "geschickter" in ihrer informations-politik: - sie bestritten tagelang, daß überhaupt radioaktivität austrete... (offizielles verhalten einer der "vernünftigen" regierungen, natürlich mit atomwaffen + 1000fachen Overkill aus-gerüstet, - im vergleich zu den sogenannten verrückten, wie Gaddafi, etc. - What a nice difference !!! )
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