Minutenprotokoll: Nachbeben lassen Japan wieder zittern

2. Teil: Vorsorgliche Evakuierungen in Chile und Ecuador

AP/ Kyodo

+++ Vorsorgliche Evakuierungen in Chile und Ecuador +++

[20.37 Uhr] Angesichts der Tsunami-Gefahr an der Westküste Südamerikas haben in Chile und Ecuador vorsorglich tausende Menschen ihre Wohnorte am Pazifik verlassen. In Chile wurden etwa 4500 Bewohner der wegen ihrer Steinfiguren weltberühmten Osterinsel auf den Flughafen der Insel gebracht. Dort seien die Menschen in Sicherheit, "da das Gelände 47 Meter über dem Meeresspiegel liegt", sagte der Minister für öffentliche Bauten, Hernán de Solminihac.

+++ Starkes Nachbeben erschüttert Japan +++

[20.08 Uhr] Der Norden Japans ist in der Nacht zum Samstag von einem weiteren schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Beben habe eine Stärke von 6,6 gehabt, meldete der Fernsehsender NHK. Es brachte Gebäude in Tokio ins Wanken. Sein Zentrum lag etwa 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt in zehn Kilometern Tiefe.

+++ Japan bittet Europäische Union um Hilfe +++

[19.45 Uhr] Japan hat die Europäische Union offiziell um Katastrophenhilfe gebeten. Die Regierung in Tokio brauche vordringlich Such- und Rettungstrupps, vor allem Suchhunde zum Aufspüren von Verschütteten, teilte die EU-Kommission am Freitagabend in Brüssel mit. Zugleich aktivierte die EU-Kommission den sogenannten "Zivilschutzmechanismus". Dies bedeutet, dass sie für 31 Staaten (die 27 EU-Länder sowie Island, Kroatien, Liechtenstein und Norwegen) die Hilfeleistungen koordiniert. Damit soll verhindert werden, dass sich Hilfen überschneiden oder vorhandene Fähigkeiten ungenutzt bleiben.

+++ Japanische Regierung warnt vor weiteren Tsunamis +++

[19.34 Uhr] Die japanische Regierung hat in der Nacht zu Samstag vor weiteren Tsunamis gewarnt. Das meldete der Fernsehsender NHK.

+++ Raffinerie in Flammen +++

[19.25 Uhr] In der Stadt Ichihara an der Bucht von Tokio ist nach einem Bericht der Zeitung "Asahi" in einem Erdölkombinat ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen springen demnach auf weitere der kugelförmigen Tanks über. Immer wieder kommt es zu Explosionen. Das Feuer ist in der Nacht weit zu sehen und hat offenbar auch schon auf Wohnhäuser übergegriffen. Hier hat vor wenigen Stunden der Tsunami gewütet. Die Löschfahrzeuge der Feuerwehr sind überfordert, es ist nicht zu sehen, wo die Grenzen zwischen Meer, Schlamm und Festland verlaufen.

+++ Sieben Millionen Haushalte ohne Strom +++

[19.09 Uhr] Nach Angaben der Polizei in der Präfektur Miyagi sitzen im Sportstadion Shitsugawa Bayside Arena etwa achthundert Menschen fest, während Flammen von Feuern in der Umgebung näher rücken. Die Zeitung "Mainichi" berichtet, dass in der Stadt Sendai in 362.000 Haushalten die Gasversorgung unterbrochen sei. Im Nordosten Japans und der Gegend um Tokio seien 80.000 Menschen ohne Wasserversorgung. Das Mobilfunknetz sei stark eingeschränkt, weil 4400 Sendemasten außer Betrieb seien. In sieben Millionen Haushalten sei der Strom ausgefallen.

+++ Merkel sagt Hilfe aus Deutschland zu +++

[19.03 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Japan die Hilfe Deutschlands zugesagt. "Wir sind bereit, alle uns mögliche Hilfe zu leisten", sagte Merkel nach einem EU-Gipfel am Freitag in Brüssel. "Deutschland wird alles dafür tun, nicht nur in den nächsten Tagen, sondern sicherlich auch längerfristig am Wiederaufbau mitzuarbeiten." Es gebe viele Tote zu beklagen und das gesamte Ausmaß der Katastrophe werde sicherlich erst in den kommenden Stunden sichtbar.

+++ USA entsenden Flugzeugträger +++

[18.58 Uhr] Nach Aussage von US-Präsident Barack Obama schicken die USA unter anderem einen Flugzeugträger nach Japan, um die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.

+++ Obama bietet Japan Unterstützung an +++

[18.48 Uhr] US-Präsident Barack Obama hat nach eigener Aussage dem japanischen Premierminister Naota Kan jede Hilfe angeboten, die das Land brauche, um mit den Folgen des Erdbebens fertig zu werden. Die US-Regierung verfolge die Tsunami-Gefahr für die Vereinigten Staaten genau.

+++ Flugverkehr zwischen Frankfurt und Japan unbeeinträchtigt +++

[18.43 Uhr] Im Luftverkehr zwischen Frankfurt und Japan sind für Samstag keine Flugausfälle absehbar. Richtung Japan fliegen morgen ebenfalls fünf Maschinen wie geplant von Deutschlands größtem Flughafen los, drei davon nach Tokio. Am Freitag landete eine ursprünglich für 14.10 Uhr angekündigte Lufthansa-Maschine aus Tokio nach Angaben des Frankfurter Flughafens erst um 17.40 Uhr. Die übrigen vier Flüge aus Japan sollen planmäßig in Frankfurt ankommen.

+++ Radioaktivität in beschädigtem AKW steigt +++

[18.28 Uhr] Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima steigt die Radioaktivität in einem Turbinengebäude des Reaktors Nummer 1. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft. Die Zeitung "Nikkei" berichtet in ihrer Onlineausgabe, in der Anlage 1 des AKW Fukushima sei das Dieselnotaggregat zur Abkühlung nicht angesprungen. Momentan werde die Stromversorgung aus Batterien gespeist.

Nach Angaben des Fernsehsenders NHK ist zudem auch der Druck in einem der Reaktoren gestiegen. Es werde derzeit überlegt, "ein wenig" Luft rauszulassen, um den Druck zu senken. Laut dem Betreiber werde - wenn überhaupt - nur "wenig" Luft abgelassen, was einem Experten zufolge ein "üblicher Vorgang" sei. In zwei Reaktoren des AKW war die Kühlung ausgefallen. Auch sämtliche vier Notgeneratoren waren ausgefallen. Als Folge war das Kühlwasser bedrohlich zurückgegangen. Im äußersten Fall droht laut Experten die Gefahr einer Kernschmelze.

+++ Tausende Schüler sitzen fest +++

[18.09 Uhr] Allein in Tokio sitzen mehr als 14.000 Schüler in den öffentlichen Schulen fest, berichtet "Asahi", sie kommen wegen der Flut- und Erdbebenschäden nicht nach Hause. In der Stadt Sendai retten Einsatzkräfte mit Hubschraubern 140 Menschen vom Dach einer Grundschule.

+++ TV-Moderatoren tragen Schutzhelme +++

[18.06 Uhr] Im japanischen Fernsehsender TBS tragen die Moderatoren weiße Schutzhelme. Die Regierungsmitglieder, auch der Ministerpräsident Naoto Kan, geben Pressekonferenzen inzwischen nur noch in blauer Arbeitskleidung - so dass sie sich optisch nicht mehr von einfachen Fabrikarbeitern unterscheiden.

+++ Möglicherweise mehr als tausend Tote +++

[18.03 Uhr] Die Meldungen über das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe werden immer dramatischer: Es seien wahrscheinlich mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen, meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Den Angaben zufolge sind allein in der Präfektur Fukushima mehr als 1800 Häuser zerstört worden.

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1. Schäden laut Augenzeugen
xebudig 11.03.2011
Zitat von sysopKatastrophen-Alarm in Japan: Das Land wurde vom schlimmsten Erdbeben seiner Geschichte heimgesucht, riesige Tsunamis überrollten die Küsten. Es gibt Tote, viele Verletzte. Fabrikanlagen stehen in Flammen - und es drohen weitere Riesenwellen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750254,00.html
Nach Aussagen der Leute vor Ort ist der Verlust ein Menschenleben wohl glücklicherweise recht gering für ein Erdbeben dieser Stärke. Die Schäden an der Infrastruktur dürften aber groß sein, wenngleich nicht katastrophal. Auch in Tokio sind allenthalben kleinere und größere Schäden entstanden. Einige Brücken sind wohl schwer beschädigt. Hart getroffen hat es vor allem Gebiete in Tokio die auf Landgewinnung beruhen, dort hat Liquidisierung den Untergrund zerstört. Tokio Disney z.B. ist schwer getroffen.
2. Das letzte Video ist nicht Japan sondern Christchurch!
Flitzpiepe 11.03.2011
Das ist nicht aktuell! Sondern vom 22.2.11 aus Christchurch/Neuseeland.
3. Wann?
isthiernocheinNamefrei? 11.03.2011
+++ Verkehrschaos in Tokio +++ [8.33 Uhr] [...]Die Straßen seien voller Menschen - sie würden zu Fuß versuchen, zur Arbeit zu kommen. Zu Fuß zur Arbeit? Japan ist uns in der Zeit 8h voraus! Die sind wohl eher auf dem Weg nach Hause... (mal abgesehen davon, dass die jetzt evtl. andere Sorgen haben, als pünktlich auf der Arbeit sein)
4. Falsches Video
Skymaster1980 11.03.2011
Das Youtube Video im 0935Uhr Eintrag ist vom Erdebeben in Christchurch!! Man sieht ganz klar die zerstörte Kirche aus Christchurch. Bitte entfernen...
5. Atomenergie könnte den Zauberlehrlingen entgleiten
cucco 11.03.2011
Hat die Atom Lobby vorgesorgt, dass Mensch und Umwelt im Falle solcher natürlichen Erdveränderungen von einem Menschen gemachten Super Gau verschont bleiben ? Wie sieht es mit den Atomkraftwerken in Japan aus ?
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Karten: Vom Beben zur Riesenwelle
Erdbebenstärken
Die Richterskala
Die Stärke eines Erdbebens wird mit Hilfe der Richterskala und anderer Skalen beschrieben. Der jeweils angegebene Wert, die Magnitude , kennzeichnet dabei die freigesetzte Energie.

Mittels Seismografen werden die Maximal amplituden (also die Ausschläge der Nadel) bestimmt, die umgerechnet von Erdbeben in 100 km Entfernung erzeugt worden wären. Der dekadische Logarithmus der gemessenen Maximalamplituden ergibt die Magnitude. Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 33-fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also 33-mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die Skala wurde 1935 von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg am California Institute of Technology entwickelt.

Genau genommen werden Erdbebenstärken jedoch heute in der Moment-Magnituden-Skala angegeben. Sie berücksichtigt neben der Energie auch die Größe des gebrochenen Gesteins. Die Bruchfläche lässt sich aus der Erdbebenmessung vieler Seismografen berechnen.
Die Auswirkungen
Grob lassen sich die typischen Effekte der Erdbeben in der Nähe des Epizentrums folgendermaßen beschreiben:
  • - Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachweisbar
  • - Stärke 3: nur selten nahe dem Epizentrum zu spüren
  • - Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden
  • - Stärke 6: mittelschweres Beben, Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen
  • - Stärke 7: starkes Beben, das zu Katastrophen führen kann
  • - Stärke 8: Groß-Beben
Weltweit ereignen sich jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke drei bis vier, 800 der Stärke fünf oder sechs und durchschnittlich ein Groß-Beben. Das stärkste auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile .

Die schwersten Erdbeben
Die stärksten Beben seit 1900
1960 Chile, Valdivia , Stärke 9,5
1964 Großes Alaska-Beben , Stärke 9,2
2004 Seebeben vor Sumatra , Stärke 9,1
1952 Kamtschatka, Stärke 9,0
2010 vor Maule, Chile , Stärke 8,8
1906 vor Ecuador, Stärke 8,8
Todesopfer bei Beben
1976 China, Tangshan , offiziell 255.000 Tote, inoffizielle Schätzung: 655.000 Opfer
2004 Seebeben vor Sumatra , 227.898 Tote
2010 Haiti , nach offizieller Schätzung 222.570 Tote
1920 China, Haiyuan , 200.000 Tote
1923 Japan, Kanto, 142.800 Tote
1948 Turkmenistan, Ashgabat, 110.000 Tote
Historische Beben
1556 China, Shaanxi , 830.000 Tote
1976 China, Tangshan , offiziell 255.000 Tote, inoffizielle Schätzung: 655.000 Tote
1138 Syrien, Aleppo, 230.000 Tote
2004 Seebeben vor Sumatra , 227.898 Tote
2010 Haiti , Stärke 7,0, 222.570 Tote
856 Iran, Damghan, 200.000 Tote

Quelle: U.S. Geological Survey