+++ Überfüllte Notunterkünfte +++
[19.20 Uhr] Das öffentlich-rechtliche Fernsehen NHK berichtete am Mittwoch von überfüllten Notunterkünften in der Präfektur Fukushima. Es fehle überall an Nahrungsmitteln. Gezeigt werden Bilder aus Turnhallen, in denen sich Menschen dicht an dicht drängen, und lange Autoschlangen auf den Straßen in der Region. Zuvor hatte bereits der Gouverneur von Fukushima, Yuhei Sato, die mangelnde Versorgung der Opfer bemängelt. "Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht", so Sato.
+++ AKW-Betreiber lassen viele Fragen offen +++
[18.45 Uhr] Mitten in der Nacht (Ortszeit) hat die AKW-Betreibergesellschaft Tepco eine Pressekonferenz gegeben. Viele Antworten auf die Fragen der Journalisten gab es allerdings nicht. Die Tepco-Vertreter trugen eine lange Liste offener Fragen vor - nähere Informationen soll es erst am Donnerstag geben. Der Wasserwerfer sei bisher nicht im Einsatz, erst müsse geklärt werden, an welchen Stellen zuerst gekühlt werden solle.
Man arbeite daran, die Stromversorgung des Atomkraftwerks wiederherzustellen, sagten die Tepco-Betreiber. Dazu soll ein mobiler Generator installiert werden, sofern es die Strahlenbelastung zulässt. Ein erster Versuch sei fehlgeschlagen, weil sich ein Generator wegen unterschiedlicher Betriebsspannung nicht habe verbinden lassen. Zudem werde versucht, das Kraftwerk über das herkömmliche Stromnetz zu versorgen.
+++ Japaner setzen auf Unterstützung durch US-Drohne +++
[18.30 Uhr] Neue Hilfe im Kampf gegen den atomaren Super-GAU: Ein unbemanntes Flugzeug des US-Militärs soll mit seinen hochauflösenden Kameras mehr Klarheit über das Innere der havarierten Atomreaktoren in Fukushima bringen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit). Die Drohne "Global Hawk" habe Wärmebildkameras an Bord, hieß es in dem Bericht.
Hohe Strahlung und böiger Wind hatten am Mittwoch den Einsatz von Hubschraubern verhindert, die mit Wasser von oben die Reaktorblöcke 3 und 4 kühlen sollten. Beide Meiler sind durch Feuer und Explosionen teilweise zerstört. Inzwischen versuchen die Rettungskräfte, Wasserwerfer zum Einsatz zu bringen. Mit den Löschkanonen könnte das Innere der Meiler bewässert werden. Die Fahrzeuge wurden inzwischen in Fukushima in Stellung gebracht.
+++ Atom-Katastrophe drückt Dax ins Minus +++
[17.49 Uhr] Die Furcht vor einem Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat den Dax am Mittwoch am dritten Tag in Folge ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex verlor zwei Prozent auf knapp über 6500 Punkte. Die Abwärtsbewegung an den Börsen in Europa und den USA beschleunigte sich am Nachmittag, nachdem EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor unmittelbar bevorstehenden katastrophalen Ereignissen in Fukushima gewarnt hatte. Das Kraftwerk sei "außerhalb einer fachmännischen Kontrolle", hatte Oettinger vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel gesagt. Seine Sprecherin erläuterte später, die Einschätzung Oettingers beruhe auf Medieninformationen. In New York notierte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Europa mit 1,3 Prozent im Minus.
+++ Reaktor-Sicherheitskommission bereitet neue Prüfungen in Deutschland vor +++
[17.30 Uhr] Auf einer Sitzung am Donnerstag will die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) den Fahrplan für die anstehenden Sicherheitschecks deutscher Atomkraftwerke festlegen. RSK-Chef Rudolf Wieland sagte SPIEGEL ONLINE, man werde sich dabei auch mit neuen Szenarien befassen müssen: "Es gibt Dinge, die über unsere bisherige Vorstellung hinausgehen."
Gleichzeitig schränkte Wieland ein, dass nur für bestimmte Untersuchungen Zeit sei: "Wir können in drei Monaten keine Störfallanalysen mit Auswirkungen und Rechnungen machen. Wir müssen uns auf die wichtigsten Probleme konzentrieren." Deswegen würden die anstehenden Prüfungen "eher qualitativ als quantitativ" ausfallen. Wieland forderte die Politik auf, die Arbeit der Kommission zu unterstützen: "Wenn die Ressourcen bereitgestellt werden, kann man viel bewegen. Bund und Länder müssen sehen, dass sie möglichst nach unseren Wünschen Mannschaften von Experten zusammenstellen." Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) berät das Bundesumweltministerium.
+++ IAEA-Chef kündigt Reise nach Japan an +++
[17.15 Uhr] Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, will nach eigenen Angaben so rasch wie möglich nach Japan reisen. Er hoffe, dass er bereits am Donnerstag fliegen könne, sagte Amano am Mittwoch in Wien. Der Japaner hatte die Regierung seines Heimatlandes zuvor aufgefordert, seiner Behörde mehr Informationen über die Atomkrise zur Verfügung zu stellen. Die Situation im Atomkraftwerk Fukushima bezeichnete er als "sehr ernst".
+++ Wasserwerfer am AKW-Fukushima eingetroffen +++
[17.05 Uhr] Wie die Agentur Kyodo berichtet, hat die Polizei am Atomkraftwerk Fukushima I einen Wasserwerfer aufgefahren. Mit dem Gerät wollen die Einsatzkräfte Block 4 des Katastrophen-Kraftwerks abkühlen. Dort war es am Dienstag zu zwei Explosionen gekommen, mehrfach brach seitdem Feuer aus. Unklar ist allerdings, ob die Zugangswege zum Reaktor frei sind. Sie sollen durch Trümmer blockiert gewesen sein.
Die Brennstäbe in Block 4 lagern nicht im Reaktordruckbehälter, sondern wurden im November zu Wartungszwecken in ein Wasserbecken verfrachtet. In dem sogenannten Abklingbecken werden normalerweise verbrauchte Brennstäbe zwischengelagert. Nachdem die Kühlung ausgefallen war, stieg die Temperatur des Wassers an. Zum Teil lagen die Brennstäbe frei, so dass sich offenbar Wasserstoff bilden konnte, der dann zu den Explosionen führte.
Seit Dienstag ist es den Technikern offenbar nicht gelungen, Wasser in das Becken nachzufüllen. Der Einsatz eines Militärhubschraubers, der Meerwasser auf den Reaktor abwerfen sollte, wurde im letzten Moment abgebrochen. Die Strahlenwerte waren zu hoch für die Hubschrauberbesatzung.
+++ Atomkraft wird Thema auf EU-Gipfel +++
[16.45 Uhr] Die Staats- und Regierungschefs der EU werden sich bei ihrem Gipfel in der kommenden Woche (24./25. März) außerplanmäßig mit der Zukunft der Atomkraft in Europa beschäftigen. "Ich kann Ihnen jetzt sagen, dass der Europäische Rat am Donnerstag nächster Woche den Schwerpunkt Euro-Zone und europäische Währung ergänzen oder gar verlagern wird", sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch vor Europaparlamentariern in Brüssel. Es solle nun auch um das Thema Energiepolitik und die Folgerungen aus dem schrecklichen Vorfall in Japan gehen. Zur Situation dort sagte Oettinger: "Man muss befürchten, dass das Ganze in Gottes Hand ist und dass sich in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen ergeben können."
+++ Japan-Reisen bis Ende April abgesagt +++
[16.25 Uhr] Die großen deutschen Reiseveranstalter haben wegen der atomaren Katastrophe in Japan alle Reisen in das Land bis Ende April abgesagt. "Nach den Nachrichten der vergangenen Tage möchten wir im Moment niemandem zumuten, nach Japan zu reisen", sagte Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco in Kiel, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir wissen einfach zu wenig."
Auch Studiosus in München begründet die Absage mit der unübersichtlichen Lage und der radioaktiven Gefahr. JF Tours in Solingen verweist auf die Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes. Das Ministerium hatte alle Deutschen aufgefordert, aus dem Großraum Tokyo/Yokohama nach Osaka oder über Osaka ins Ausland auszuweichen.
+++ Flüge von Japan nach Deutschland nicht ausgebucht +++
[15.57 Uhr] Nach den Atomunfällen gebe es in Japan einen "erhöhten Nachfragedruck" für Flüge nach Deutschland, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt am Main. Restplätze gebe es zu entsprechend höheren Preisen als in der Economy vor allem in der First und der Business Class. Ähnlich äußerten sich Sprecher der japanischen Fluggesellschaften JAL und ANA, die ebenfalls tägliche Deutschland-Verbindungen anbieten. Die Flüge seien zwar gut ausgelastet, aber nicht restlos ausgebucht.
Die Lufthansa hat ihre beiden täglichen Tokio-Flüge derzeit nach Nagoya und nach Osaka im Süden der Insel Honshu umgeleitet. Insgesamt bietet sie weiterhin drei tägliche Japan-Flüge an: Zweimal geht es von Osaka nach München und Frankfurt und einmal von Nagoya nach Frankfurt. Bei dieser Regelung bleibe es zunächst bis einschließlich des Wochenendes, kündigte Jachnow an.
+++ Schutz vor Nachbeben - Tokio schließt Zoo und Parkanlagen +++
[15.35 Uhr] Der Ueno-Zoo in Tokio macht aus Sicherheitsgründen vorerst dicht: Der Tierpark werde ab Donnerstag geschlossen, teilte die Stadtregierung mit. Man wolle die Besucher vor möglichen Nachbeben schützen. Außerdem gehe es darum, Strom zu sparen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch. Auch andere Parkanlagen und Zoos in der Hauptstadt sollen geschlossen werden.
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