Streit über Miss America Das letzte Wort zum Badeanzug

Die neue Chefin von Miss America hat durchgesetzt, dass sich die Kandidatinnen nicht mehr im Badeanzug zeigen müssen - gegen viel Kritik. Jetzt hat sie sich verteidigt, in ihrem angeblich letzten Interview dazu.

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Seit Monaten streiten die Macher von Miss America. Vordergründig geht es um ein Kleidungsstück: den Badeanzug. Doch dahinter steckt mehr. Es geht um die Zukunft des Wettbewerbs.

Im Zentrum der Debatte steht Gretchen Carlson. Die Chefin von Miss America hatte angekündigt, dass der Schönheitswettbewerb künftig ohne Badeanzüge auskommt. So will sie die Veranstaltung nach einem Sexismus-Skandal modernisieren.

Doch der Kurs der 52-Jährigen gefällt nicht jedem. 22 Vertreter von US-Bundesstaaten, in denen der Wettbewerb stattfindet, haben im Juli eine Petition gegen Carlson unterschrieben. Sie forderten den Rücktritt des Vorstands.

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Miss America: Streit um Stoff

Jetzt hat sich die 52-jährige Carlson erneut in einem Interview geäußert - es soll das letzte in der Sache sein, wie sie sagte. Man müsse den Graben schließen, der innerhalb der Organisation klaffe.

Ihre Kritiker nannte sie eine "laute Minderheit", die unglücklich darüber sei, dass der Badeanzug abgeschafft worden sei. Ihre Entscheidung habe den Wettbewerb relevanter gemacht und sei von vielen Unterstützern begrüßt worden.

Ihre Gegner kritisierten, Carlson habe das alles wie ein Ultimatum präsentiert. "Uns wurde gesagt, dass Sponsoren und TV-Sender abspringen würden, wenn wir den Badeanzug behalten", sagte Jennifer Vaden Barth. Die ehemalige Miss America ist vor kurzem aus dem Vorstand ausgetreten.

Doch der Sender ABC hatte niemals vor, die Sendung wegen des Badeanzugs nicht zu zeigen, wie eine Sprecherin bestätigte. Als Vaden Barth die Führung damit konfrontierte, hieß es ihr zufolge, dass nicht die Sender, sondern die Produktionsfirmen gemeint waren.

Regina Hopper
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Regina Hopper

Andere führten an, dass nicht die Entscheidung Carlsons das Problem sei, sondern ihr Führungsstil. "Ich dachte, wir werden nach unserer Meinung gefragt", sagte die Gewinnerin von 2016, Betty Cantrell. Doch stattdessen hieß es: "Ich habe den Badeanzug eliminiert und erwarte eure Unterstützung."

Carlsons Vorstandskollegin Regina Hopper sagte, Funktionäre und ehemalige Siegerinnen seien durchaus gehört worden. Aber sie hätten das mit einem Vetorecht verwechselt. "Nur weil man eine Stimme hat, heißt das nicht, dass die eigene Meinung akzeptiert wird", sagte Hopper.

Carlson und sie leiten den Wettbewerb seit Januar. Carlson war 1989 selbst Miss America und ist die Nachfolgerin von Sam Haskell.

"Ein Stück Müll"

Der Chef von Miss America trat zurück, nachdem mehrere E-Mails mit sexistischen und vulgären Sprüchen über ehemalige Gewinnerinnen publik geworden waren. So bezeichnete Haskell eine Frau in einer E-Mail als "ein Stück Müll". Seit dem Skandal sind die höchsten Positionen in der Leitung des Wettbewerbs mit Frauen besetzt.

Am 9. September wird der Wettbewerb stattfinden - dann wohl ohne Badeanzüge. Die Kritiker der Entscheidung kündigten für die Woche bereits Widerstand an: Die Rede ist von Klagen, Pressekonferenzen und Demonstrationen.

Video: Die Miss-Germany-Macher

jpz/AP



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