"Meet Miss Subways": Aus der U-Bahn in die weite Welt

Ihre Bilder sollten die Aufmerksamkeit auf andere Anzeigen in der U-Bahn lenken, doch die Kampagne wurde zum Selbstläufer: Miss Subways waren 35 Jahre lang ein Renner in New York. Etliche der insgesamt 300 Frauen machten nach dem Titel Karriere - oder verwirklichten sich einen Lebenstraum.

New York - Sie waren als Schmankerl gedacht, als "eye candy", wie die Amerikaner sagen. Im Rahmen der Kampagne "Meet Miss Subways" wurden Fotos von hübschen jungen Frauen aus New York in den Waggons aufgehängt - ursprünglich um die Aufmerksamkeit der Fahrgäste auf andere Anzeigen zu lenken. Doch schnell wurde die Kampagne zu einem Selbstläufer, die von 1941 bis 1976 rund 300 Titelträgerinnen hervorbrachte.

Einige der jungen Frauen hofften, durch die Kampagne entdeckt zu werden und eine Karriere als Model, Schauspielerin oder Sängerin starten zu können. Doch es war kein reiner Schönheitswettbewerb, sagt Marcia Kilpatrick Hocker, die 1975 Miss Subways war: "Es ging um junge Frauen, die in gute Verhältnisse geheiratet hatten, aber mehr als Ehefrau und Mutter sein wollten und den Anspruch hatten, etwas zur Gesellschaft beizutragen."

Sie bezeichnete den Wettbewerb als sehr förderlich fürs Selbstbewusstsein. "Ich bin eigentlich sehr schüchtern und wusste nicht, dass ich als Miss Subways bei mehreren Anlässen repräsentieren musste", sagt die heute 65-Jährige.

Anhand der Kampagne ist zu sehen, wie sich die Rolle der Frau im Laufe der Jahrzehnte wandelte: Während in der ersten Dekade noch viele der Titelträgerinnen Hausfrau waren, kamen immer mehr Berufstätige hinzu. Viele machten Karriere: Eine von ihnen wurde Pilotin, eine andere arbeitet als Anwältin am Berufungsgericht, andere zogen in die Welt hinaus, was in den fünfziger und sechziger Jahren noch eine Besonderheit war.

Auch in einem anderen Punkt war der Wettbewerb wegweisend: Bereits 1948 wurde zum ersten Mal eine Afroamerikanerin Miss Subways - erst 1984 wurde Vanessa Williams zur Miss America gekürt.

Als die Fotografin Fiona Gardner vor einigen Jahren von dieser Kampagne erfuhr, wollte sie wissen, wie es den Frauen nach ihrem Titel ergangen ist. Also machte sie sich auf die Suche. Sie durchforstete Archive, Melderegister und das Internet, heuerte sogar einen Privatdetektiv an. Zusammen mit einer Journalistin konnte sie 146 Miss Subways ausfindig machen und 41 von ihnen interviewen und ablichten.

Das Ergebnis ist ab 23. Oktober in der Ausstellung "Meet Miss Subways: New York's Beauty Queens 1941-76" im New Yorker Transit Museum zu sehen.

siu/AP

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