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Mit 86 Jahren: John F. Kennedys Koch ist tot

Er brachte französische Küchenkultur ins Weiße Haus und baute auf dem Dach des Präsidentensitzes Gemüse an: Jetzt ist René Verdon, Koch von US-Präsident John F. Kennedy, gestorben.

Koch Verdon (Bild von 2009): US-Botschafter der französischen Küche Zur Großansicht
Corbis

Koch Verdon (Bild von 2009): US-Botschafter der französischen Küche

Los Angeles - Mit ihm hielten die französische Küche und frische Zutaten Einzug ins Weiße Haus: René Verdon entschied, was US-Präsident John F. Kennedy und seine Gäste aßen. Am vergangenen Mittwoch ist der Koch im Alter von 86 Jahren gestorben. Das teilte seine Frau Yvette der "New York Times" mit. Verdon hatte Leukämie. Wegen seiner prominenten Rolle im Weißen Haus gilt er als wichtiger Botschafter der französischen Küche in den USA.

Der gebürtige Franzose revolutionierte mit Zustimmung der Präsidentengattin Jacqueline Kennedy ab 1961 das bis dahin wenig verlockende Speiseangebot im Weißen Haus. Roger Fessaguet, Koch im Restaurant "La Caravelle" in New York, das 2004 schloss, hatte Verdon der Präsidentengattin als Koch für offizielle Essen empfohlen. Daraus wurde dann die Rolle als Vollzeitküchenchef.

Verdon galt als ein hartnäckiger Verfechter frischer und saisonaler Zutaten. Er baute auf dem Dach des Weißen Hauses Gemüse an und züchtete Kräuter im Garten des Präsidentensitzes. Mit seiner Küche habe Verdon erheblich zur glamourösen Atmosphäre im Weißen Haus der Kennedy-Jahre beigetragen, schrieb die "Times".

Erstmals wurde am 5. April 1961 bei einem offiziellen Anlass ein Mahl Verdons serviert. Der Gast war der damalige britische Premierminister Harold Macmillan. Es wurden Forelle in Chablis, Rinderfilet, Artischockenherzen Beaucaire und als Nachtisch Baiser mit einer Himbeer-Schokoladen-Füllung serviert. Danach sei die Botschaft klar gewesen, so die "Times": "Eine Mahlzeit im Weißen Haus würde keine unangenehme Pflicht mehr sein."

Nach Kennedys Tod 1963 hielt es Verdon nicht mehr lange im Weißen Haus aus. Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson stellte einen "Food Coordinator" ein, der die Küchenkosten im Weißen Haus senken sollte. Zudem war Verdon vom faden Geschmack Johnsons gelangweilt. Der Texaner hatte eine Vorliebe für Tiefkühlgemüse. 1965 verließ Verdon das Weiße Haus. "Die Johnsons hatten gerne bestimmte Gerichte, aber ich denke nicht, dass Leute, die ins Weiße Haus kommen, Hamburger erwarten", sagte er der "Times" 1985.

Nach seinem Engagement in Washington eröffnete Verdon in San Francisco ein eigenes Restaurant. Das "Le Trianon" zählte in den siebziger und achtziger Jahren zu den besten Etablissements in Kalifornien.

Verdon wurde 1924 in Pouzauges geboren, einem Dorf in Westfrankreich. Seine Familie besaß dort eine Bäckerei. Zunächst arbeitete Verdon in Restaurants in Paris und in einem Hotel in Deauville in Nordwestfrankreich. 1958 zog er nach Amerika.

ulz/AFP

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