Havarie vor Frankreich Letzter Versuch

In schwerem Wetter versuchen Bergungskräfte, den Frachter "Modern Express" aufs freie Meer zu schleppen. Die Zeit drängt: Das Schiff droht, auf Grund zu laufen.

Von , Paris

AFP/ Marine Nationale

Schaumgekrönte Wellen von zwei, drei Metern Höhe, Böen von rund 80 Kilometern pro Stunde: Unter schwierigen Wetterbedingungen versuchen Bergungskräfte im Golf von Biskaya seit dem Morgen, den Frachter "Modern Express" in Schlepp zu nehmen - ein Unternehmen mit ungewissem Ausgang.

Sollte es nicht gelingen, das Cargo-Schiff von 164 Metern Länge vor der Westküste Frankreichs an den Haken zu nehmen, droht der Havarist auf Grund zu laufen. Derzeit befindet sich der Frachter mit starker Schlagseite noch 44 Kilometer südwestlich vor der Bucht von Arcachon entfernt, treibt aber auf die Sandstrände zu.

Die "Modern Express", ein Frachter unter der Flagge Panamas, war an der Nordwestspitze Spaniens am 26. Januar bei schwerem Wetter in Seenot geraten. Nach einem Maschinenschaden antriebs- und steuerlos, hatte sich das Schiff quer zum Wind gedreht, die Ladung war verrutscht. Der Frachter - Baujahr 2001 - krängte nach Steuerbord und dümpelt seither mit einer Schlagseite von 40 bis 50 Grad durch die aufgewühlte See. Die 26-köpfige philippinische Besatzung wurde von spanischen Rettungskräften per Helikopter gerettet.

Experten der niederländischen Bergungsfirma Smit Salvage versuchten seither, den Frachter an den Haken zu nehmen. Am Morgen wurden erneut vier Männer von Hubschraubern auf dem Vordeck des Havaristen abgesetzt. Dort befestigten sie die mehr als hundert Meter lange Trosse, mit der Schlepper den Bug des Schiffes gegen den Wind drehen und den Frachter dann auf das offene Meer schleppen sollen.

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Havarierte "Modern Express": Frachter droht auf Grund zu laufen
Angesichts des Gewichts, des Wellengangs und der starken Krängung des Schiffes eine gefährliche Aufgabe. Doch bisher läuft alles nach Plan. Die kritische Phase - das Ausrichten des Havaristen in den Wind - steht allerdings noch bevor. "Die Trosse könnte reißen", warnte ein Sprecher der Marinepräfektur Atlantik in Brest.

Sollte der "letzte Versuch" bis zum Abend misslingen, droht die "Modern Express" im Bereich der Gemeinde Mimizan rund 100 Kilometer südwestlich von Bordeaux die Uferregion zu erreichen. "Das Schiff würde dann an den sandigen Ufern des Départements auf Grund laufen", so die Präfektur. Dort könnte der Frachter, der wegen seiner Schlagseite einen Tiefgang von rund 14 Metern hat, auseinanderbrechen.

Die Folgen für die Umwelt sind schwer abschätzbar. Geladen hat die "Modern Express" 3600 Tonnen Holz, Bau- und Straßenmaschinen, hinzu kommen rund 300 Tonnen schweres Dieselöl, Benzin und Schmierstoffe. Die Behörden befürchten derzeit keine Umweltkatastrophe wie 2002 bei der Havarie des Frachters "Prestige", der 77.000 Tonnen Treibstoff an Bord hatte.

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