Modern Talking: Bohlen darf nicht mehr lästern

Von Mia Raben

Dieter Bohlen nannte Thomas Anders einst seinen "kleinen Prinzen". Mittlerweile sind die Töne etwas schärfer ("Kanalratte"). Heute entschied der Richter gegen Bohlen. Herber Rückschlag oder lang ersehnte Genugtuung - das ist eine Frage der Betrachtung.

Dieter Bohlen: "Diesmal gibt's keinen Zoff"
AP

Dieter Bohlen: "Diesmal gibt's keinen Zoff"

Seinen Maulkorb wird Produzentengröße Dieter Bohlen so schnell nicht wieder los. Er muss sich zusammenreißen, und auch sein neues Buch "Hinter den Kulissen" bleibt nur in der zensierten Fassung auf dem Markt. Sollte der schwer belehrbare Dieter sich nicht an die Auflagen halten, drohen ihm bis zu sechs Monate Ordnungshaft in einer ungemütlichen Gefängniszelle oder maximal 250 000 Euro Geldstrafe.

Vielleicht wird er sich auch einfach damit begnügen, nicht mehr zu behaupten, Thomas Anders sei ein Eichhörnchen, das sich "fleißig die Backentaschen voll" mache. Auf Beweise für Bohlens Anschuldigungen, Thomas Anders hätte "kreative Geldgeschäfte" gemacht und sich illegal bereichert, wartete das Berliner Landgericht jedenfalls vergeblich. Und so verkündete - mit leicht gekräuselten Mundwinkeln - der vorsitzende Richter der Pressekammer im Landgericht Berlin: "Thomas Anders hat beide Prozesse gewonnen." Den einen gegen Dieter Bohlen und den anderen gegen den Verlag "Random House" des Bohlen-Bestsellers.

Nur noch Verachtung und Mitleid

Für Thomas Anders muss dieser Etappensieg ein kleiner Triumph sein. Denn die Stimme des erfolgreichen Pop-Duos "Modern Talking" fand es immer schwer, sich ständig auf Dieters Launen einzustellen. Trotzdem feierten sie zusammen große Erfolge auf der ganzen Welt. Ihre Blütezeit hatten die beiden ehemaligen Goldkettchenträger Mitte der achtziger Jahre, um sich dann im Streit zu trennen, sich aber dann in etwas faltiger Zweitverwertung noch einmal zu vereinen und ein Comeback zu starten, um jetzt vor einem Jahr das endgültige Aus zu verkünden. Damals sagte Bohlen: "Diesmal gibt's keinen Zoff."

Thomas Anders darf sich heute freuen
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Thomas Anders darf sich heute freuen

"Dies ist das Prinzip Bohlen: Andere kleiner machen, damit man selbst größer wird", sagte Anders kürzlich in einem Interview der "tageszeitung". Und fügte hinzu: "Da gibt es nichts mehr. Kein Gefühl. Keinen Respekt. Nur Verachtung und Mitleid." Harte Worte, aber kein Wunder: Im Vorabdruck des neuen Bohlen Buches hatte das Millionenpublikum der "Bild"-Zeitung Sätze über Thomas Anders gelesen, wie "er ist gierig, faul und skrupellos" und er sei wie ein "Blindenhund der Blinde frisst". Sogar "kriminelle Energie" hatte Bohlen ihm unterstellt. Die Kacheln in Anders' Pool auf Ibiza hätten die unsichtbare Inschrift: "Inofficial Sponsor: Dieter Bohlen".

Das darf Dieter jetzt alles nicht mehr behaupten. Ein weiteres Kapitel im Rosenkrieg der deutschen Pop-Titanen ist mit dem Urteil vorläufig abgeschlossen. Doch der Richter kennt sich aus, und gab Bohlen gleich noch einen kleinen Rechts-Tipp mit auf den Weg: "Naja, jetzt Berufung, dann Revision, und dann... Verfassungsbeschwerde." Ob er Chancen hat?

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