Bauland für Moscheen Monheim überlässt islamischen Gemeinden Grundstück für 850.000 Euro

Die Stadt Monheim am Rhein stellt zwei islamischen Gemeinden Bauland für die Errichtung von Moscheen zur Verfügung. Einer der Verbände ist nicht unumstritten.

Das Rathaus von Monheim
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Das Rathaus von Monheim


Es ist eine großzügige Geste: Die Stadt Monheim am Rhein will zwei islamischen Gemeinden kostenlos Grundstücke für den Bau von Moscheen überlassen. Das Gelände habe einen Wert von rund 850.000 Euro, sagte Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann. Es handle sich ausdrücklich nicht um eine Schenkung - denn die beiden Gemeinden könnten damit nicht machen, was sie wollten.

"Es ist eine Überlassung unter Auflagen", sagte Zimmermann, der die lokale Partei Peto (lateinisch für "ich fordere") vertritt. Der heute 33-Jährige hatte als Gymnasiast die Partei gegründet. Seit 2009 stellt die Schüler- und Studentenpartei den Bürgermeister.

Es gehe darum, die beiden Gemeinden aus den Hinterhöfen rauszuholen, begründete Zimmermann das Vorhaben. Dabei bezog er sich auf die Worte der evangelischen Bischöfin Ilse Junkermann, die im Mai gefordert hatte, dass auch muslimische Organisationen wie Kirchen organisiert werden müssten, um für mehr Transparenz zu sorgen.

Bauland darf nicht ohne Zustimmung an Dritte übertragen werden

Der Bau von Moscheen ist an anderen Orten in Deutschland hochumstritten. In Erfurt marschierten zuletzt 700 Anhänger der AfD gegen den Bau eines islamischen Gotteshauses auf.

Die in Monheim geplanten Auflagen sehen unter anderem vor, dass die Minarette höchstens 20 Meter hoch sein dürfen. Das Bauland darf ohne Zustimmung der Stadt auch nicht an Dritte übertragen werden. Zudem müssen sich die muslimischen Gemeinden zu Verfassungstreue und Toleranz verpflichten. Werden die Auflagen nicht eingehalten, gehen die Grundstücke zurück an die Stadt.

Den Bau der Moscheen und Gemeindezentren schultern die Muslime in Monheim selbst. Eine der Moscheen, die zum Islamverband Ditib gehört, soll in direkter Nachbarschaft zur katholischen und evangelischen Kirche entstehen. Beide islamischen Gemeinden seien alte Bekannte und seit Mitte der Achtzigerjahre in Monheim ansässig, sagte Bürgermeister Zimmermann.

Abstimmung dürfte Formalie sein

Ditib ist nicht unumstritten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), übt im SPIEGEL scharfe Kritik an dem Islamverband. "Anstatt deutlich zu machen, dass Drohungen und Einschüchterungen nicht akzeptiert werden, überlässt der Verband den Hardlinern den Raum", sagte Özoguz.

Für Monheim ist das Vorhaben finanziell kein Problem: Die Stadt am Rhein, zwischen Düsseldorf und Köln gelegen, kann sich das leisten, auf der Habenseite im Haushalt stehen 120 Millionen Euro.

Die Abstimmung im Stadtrat am 6. Juli dürfte eine Formalie sein: Zimmermanns Fraktion besetzt 26 von 40 Sitze.

cne/msc/dpa



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