Mord an Kleinunternehmern Polizei erstellt Profil eines Serienkillers

Seit Jahren werden in Deutschland immer wieder türkischstämmige Kleinstunternehmer erschossen. Nun hat die Polizei erstmals ein Täterprofil erstellt. Demnach ist der Killer ein äußerst mobiler Einzeltäter.


Nürnberg - Die Polizei geht davon aus, dass der Mörder seine neun Opfer willkürlich ausgewählt hat, sagte der Leiter der Nürnberger Sonderkommission "Bosporus", Wolfgang Geier. Die Männer seien vermutlich deshalb erschossen worden, weil der Täter in der Vergangenheit ein negatives Erlebnis mit einem Türken gehabt habe.

Verbindungen der Opfer zu kriminellen Vereinigungen oder untereinander konnten trotz intensiver Ermittlungen bisher nicht festgestellt werden. "Wir haben keine heiße Spur", sagte Geier. Gerade bei den jüngsten beiden Taten in Dortmund und Kassel erscheine die Opferauswahl eher zufällig.

Laut Polizei ist auffällig, dass die Männer immer am Tag und meist unter der Woche ermordet wurden. "Für einen Profikiller hätte es viel unauffälligere Momente gegeben, seine Opfer zu töten", sagte der beim Polizeipräsidium München für Fallanalysen zuständige Mitarbeiter Alexander Horn. "Der Täter sieht nicht aus wie Hannibal Lecter, er kann ein ganz unauffälliger Nachbar sein."

In Nürnberg kennt er sich aus

Nach der neuen Arbeitshypothese ist der Mörder durch einen Beruf wie Kurierfahrer oder Vertreter sehr mobil und auch zeitlich flexibel. Da die Serie 2000 in Nürnberg begann und mit drei Morden dort ihren Schwerpunkt hat, vermuten die Ermittler, dass der Täter einen Bezug zu der Stadt hat, beispielsweise durch seine Wohnung oder Arbeitsstätte. "Die Tatorte in Nürnberg lassen auch auf eine gewisse Ortskenntnis schließen, wohingegen die Tatorte in anderen Städten meist an Ausfallstraßen lagen", sagte Nürnbergs Kripo-Chef Geier.

Aus dem Umfeld der Opfer haben die Ermittler bisher kaum Hilfe erhalten. Nach einem Aufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" kamen rund 50 Hinweise. Laut Geier sind darunter auch konkrete Namen. Ein Zusammenhang mit der Mordserie werde derzeit geprüft.

Der Täter hatte immer mit derselben Waffe - einer tschechischen Pistole der Marke Ceska - neun Männer erschossen. In Nürnberg hatte er drei Mal zugeschlagen, in München zwei Mal. Die weiteren Tatorte waren Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel. Bis auf einen Griechen waren alle Opfer türkischer Abstammung. Sie waren Gemüse- oder Blumenhändler, hatten eine Dönerbude, eine Änderungsschneiderei oder einen Kiosk. Der bisher letzte Mord im April ereignete sich in einem Internet-Café in Kassel.

str/ddp/dpa



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