Moskau 200 Meter hohe Flammen nach Explosion von Gaspipeline

Verheerender Großbrand in Moskau: Nach einer Gasexplosion im Südwesten der russischen Hauptstadt schlugen die Flammen mehrere hundert Meter hoch und waren kilometerweit zu sehen. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, Dutzende Häuser und Autos zerstört.


Moskau - Gegen 1.50 Uhr in der Nacht zum Sonntag war im Südwesten der Millionenmetropole nahe des Mitschurinskij Prospekts, einer der Hauptverkehrsadern zum Zentrum, eine Gas-Pipeline explodiert. Mindestens fünf Menschen wurden dabei verletzt, mehrere Häuser und rund Dutzende Autos schwer beschädigt.

Anwohner hatten von einem "ohrenbetäubenden Zischen" gesprochen, das der Detonation vorausgegangen sei, die einen zehn Meter breiten und drei Meter tiefen Krater in die Erde riss.

"Der ganze Himmel ist rot vom Feuer", berichtete ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur "Interfax". "Wir dachten zunächst, jemand habe einen Salut abgeschossen", erklärte ein anderer. Die gesamte Familie habe bei der Detonation Kopfschmerzen bekommen, ein beißender Geruch sei von der Unglücksstelle aufgestiegen.

Bis zu 200 Meter hoch sollen die Flammen geschossen sein - der Brand war kilometerweit zu sehen. Am stärksten betroffen war das Karpow-Institut für physikalische Chemie, das auch mit vielen deutschen Hochschulen zusammenarbeitet.

Die Feuerwehr war mit Hubschraubern sowie Dutzenden Löschfahrzeugen im Einsatz. Gegen 6.30 Uhr sei es zu einem weiteren Gasaustritt gekommen, berichtete Interfax. Erst am späten Vormittag sei es den Rettungskräfte gelungen, die Pipeline stillzulegen und den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Interfax zufolge handelt es sich bei dem Unglück in der Hauptstadt um den größten Brand einer Gasleitung seit 20 Jahren.

Bürgermeister Juri Luschkow begab sich noch in der Nacht an die Unfallstelle und versprach den Betroffenen schnelle Hilfe. Er ging zunächst von einem technischen Defekt aus. Die Explosion könne etwa durch zu viel Druck in der unterirdischen Gasleitung ausgelöst worden sein, sagte Luschkow der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Man schließe zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Anschlag aus, erklärte ein Polizeisprecher.

Rund 100.000 Menschen im Südwesten Moskaus sind vorerst ohne Gas- und Stromversorgung. Sie mussten zunächst ohne Telefon auskommen, weil unterirdische Kabel durch die Hitze beschädigt worden waren.

Experten bemängeln seit längerem das veraltete und marode Rohrsystem Moskaus. Explosionen und Brände sind wegen des seit Jahrzehnten nicht mehr erneuerten Pipeline-Systems auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken keine Seltenheit. Allein im April sorgten Pipeline-Explosionen in Moldau und Turkmenistan für schwere Störungen bei der Gasversorgung.

ala/dpa/Reuters/AFP



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