Abnormes Verhalten: "Zombie-Tauben" verängstigen Moskaus Einwohner

Eine Taube über Moskau (Archivbild): Sterbende Vögel auf den Straßen der Stadt Zur Großansicht
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Eine Taube über Moskau (Archivbild): Sterbende Vögel auf den Straßen der Stadt

Sie laufen wie irre im Kreis, verdrehen den Kopf, ignorieren Autos und Fußgänger, sterben schließlich qualvoll: Eine Krankheitswelle hat Moskaus Tauben erfasst und macht vielen Einwohnern der Stadt Angst. Offizielle jedoch schimpfen über die "dummen Vögel".

Tauben gehören in Moskau zum alltäglichen Stadtbild. Überall in der Stadt begegnet man den Vögeln, die ständig auf Nahrungssuche zu sein scheinen. Doch seit einigen Tagen machen sich immer mehr Bewohner der russischen Hauptstadt Sorgen um und wegen der Vögel. Einige bezeichnen sie sogar als Zombie-Tauben.

Der Grund für die Aufregung ist ein rätselhaftes Taubensterben. In einer auf Vögel spezialisierten Moskauer Tierklinik beispielsweise habe man in den letzten Wochen Dutzende verendete Tauben untersucht, berichtet "Radio Free Europe".

Was die Menschen in Moskau aber noch mehr irritiert als die toten Tauben, ist das merkwürdige Verhalten betroffener Tiere, bevor sie sterben. In einem Filmbeitrag der russischen "Lifenews" sind Tauben zu sehen, die ständig im Kreis oder rückwärts laufen, ihre Köpfe unnatürlich auf den Rücken verdrehen oder ihren Kopf auf den Boden drücken.

Weitere Berichte sprechen davon, die Vögel würden in eine Art Agonie verfallen. Statt, wie sie es sonst tun, vor herannahenden Autos oder Passanten zu fliehen, würden sie einfach still stehenbleiben und überhaupt nicht beachten, was um sie herum passiert. Auf Twitter bezeichnete ein Moskowiter die Ereignisse als "Vogel-Apokalypse".

Zerstörtes Verdauungssystem

Über den Grund für das merkwürdige Verhalten der Tiere wurde zunächst nur spekuliert. Es könnte sich um die Newcastle-Krankheit handeln, hieß es zunächst, eine Viruserkrankung, die auch auf den Menschen übertragen werden kann. Anders als bei Vögeln verläuft die Krankheit beim Menschen jedoch nicht tödlich, sondern kann laut Wikipedia nur eine Bindehautentzündung hervorrufen.

Zwischenzeitlich aber haben Moskaus Veterinärmediziner Entwarnung gegeben und erklärt, nicht die Newcastle-Krankheit, sondern eine Salmonelleninfektion habe die Vögel erkranken lassen. Die Tiere würden langsam und in Agonie sterben, während die Krankheit ihr gesamtes Verdauungssystem zerstört, erklärt Veterinär Gella Konowalow.

"Eine Plage"

Der Chef der russischen Verbraucherschutzbehörde, Gennadij Onischenko, hat für die leidenden Vögel allerdings kein Mitleid. Sie gehörten "zu den schmutzigsten und dümmsten Vögeln, die es gibt", sagte er gegenüber "Radio Free Europe".

In dieselbe Kerbe schlägt auch Wiktor Charlaschin, der Präsident der Taubenzüchterorganisation "Russische Tauben". Nach seiner Meinung sind die von der Krankheit betroffenen Felstauben, die erst 1957 in Moskau angesiedelt wurden, "eine Plage". Sie würden sich "wie verrückt vermehren" und seien für viele Krankheiten anfällig, die Zuchttauben nichts anhaben könnten. Deshalb, so Charlaschin, "müssen sie alle zerstört werden".

mak

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Tauben sind an Paramyxovirose erkrankt!
hoeinghaus-werne 18.08.2013
Offensichtlich sind die Tauben mit dem Paramyxo-Virus befallen. Eine Heilung ist nicht möglich. Bei Vögeln können sogenannte Paramyxoviren (PMV) schwere Erkrankungen hervorrufen. Diese Viren kommen in verschiedenen "Varianten" vor, die von Medizinern als Serotypen bezeichnet werden. Papageienvögel erkranken an den Serotypen PMV-1 und PMV-3. Beide Infektionsformen verlaufen ähnlich. Bricht bei einem Papageienvogel eine Infektion mit PMV-1 aus, spricht man von der Newcastle Disease, also der Newcastle-Krankheit. Diese Krankheit, wird auch als Atypische Geflügelpest bezeichnet. Vogel- und Geflügelzüchter müssen den Ausbruch der Erkrankung beim zuständigen Veterinäramt melden. In der Geflügelzucht wird mitunter gegen die Krankheit geimpft, allerdings gilt die Wirkung dieses Verfahrens als fragwürdig. Im Ziervogel-Bereich wird normalerweise nicht geimpft. Symptome von PMV-1-Infektionen (Newcastle Disease) Viele Vögel leiden zunächst an Problemen mit dem Atmungssystem und/oder mit dem Verdauungsapparat. Sie bekommen zum Beispiel schlecht Luft oder müssen sich übergeben. Auch Durchfälle sind mitunter zu beobachten. Insgesamt sind die Tiere müde und abgeschlagen. Nach einigen Wochen zeigen sich dann weitere Symptome, wenn das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die Tiere verlieren das Gleichgewicht und verdrehen den Kopf, der Tierarzt spricht dann von einem Torticollis. Einige Vögel zeigen sogar anhaltende Lähmungen ihrer Gliedmaßen. Viele betroffene Vögel sterben an Erschöpfung und Nahrungsmangel. Symptome von PMV-3-Infektionen Bei einer Infektion mit diesem Serotyp sind die Symptome ähnlich, allerdings ist der Verlauf deutlich weniger heftig ausgeprägt. In vielen Fällen bemerken die Tierhalter erst, dass ihre Vögel erkrankt sind, wenn die Vögel zu taumeln beginnen oder den Kopf verdrehen. Verdauungs- und Atmungsbeschwerden sind hingegen nur selten wahrzunehmen, weil sie erheblich milder ausfallen als bei einer PMV-1-Infektion. Nachweis der Infektionen Tierärzte können eine PMV-Infektion feststellen, indem sie zum Beispiel Kotproben von einem Labor untersuchen lassen. Auch im Blut ist PMV unter Umständen nachweisbar, weil sich Antikörper bilden. Behandlung Eine Heilung eines an einer PMV-Infektion leidenden Vogels ist bedauerlicherweise nicht möglich. Je nach Fall kann lediglich versucht werden, die Beschwerden zu lindern. Aus diesem Grunde raten viele Tierärzte dazu, erkrankte Vögel einschläfern zu lassen. Ansteckung PMV ist hochgradig ansteckend. Es wird von infizierten Tieren schon während der Inkubationszeit über Körperflüssigkeiten wie Kot, Urin, Kropfschleim und über die Atemluft ausgeschieden. Sobald ein anderer Vogel damit in Kontakt gelangt, kann er sich anstecken. Auch Menschen können die Krankheit übertragen, indem sie mit einem infizierten Vogel Kontakt hatten und sich dann später einem gesunden Vogel nähern. Es kann theoretisch zur Ansteckung reichen, wenn ein wenig Staub, an dem die Erreger haften, an der menschlichen Kleidung hängt und auf diesem Wege mit dem gesunden Vogel in Berührung kommt.
2.
Oberleerer 18.08.2013
Zitat von sysopPräsident der Taubenzüchterorganisation "Russische Tauben". Nach seiner Meinung sind die von der Krankheit betroffenen Felstauben, die erst 1957 in Moskau angesiedelt wurden, "eine Plage". Sie würden sich "wie verrückt vermehren" und seien für viele Krankheiten anfällig, die Zuchttauben nichts anhaben könnten. Deshalb, so Kharlashin, "müssen sie alle zerstört werden".
Ich weiß manchmal nicht, ob die Übersetzungen nich absichtlich etwas "grob" erfolgt. Ich gehe mal davon aus, dass der Taubenzüchterpräsident mehr über Tauben und deren Krankheiten weiß als ein Journalist. Man hat den Eindruck, dass jede Meldung aus Russland politisch eingefärbt werden soll. Ich kann z.B. auch nicht verstehen, wie Tauben eine Dachboden einen halben Meter hoch vollsch... können und ohne Zwang so dicht aufeinander leben, dass Krankheiten und Taubenzecken die Gesundheit FREILEBENDER Schwärme beeinträchtigt. Höhlen sind doch keine Erfindung des Menschen.
3. also nicht BSE ?
dschinn1001 18.08.2013
Zitat von hoeinghaus-werneOffensichtlich sind die Tauben mit dem Paramyxo-Virus befallen. Eine Heilung ist nicht möglich. Bei Vögeln können sogenannte Paramyxoviren (PMV) schwere Erkrankungen hervorrufen. Diese Viren kommen in verschiedenen "Varianten" vor, die von Medizinern als Serotypen bezeichnet werden. Papageienvögel erkranken an den Serotypen PMV-1 und PMV-3. Beide Infektionsformen verlaufen ähnlich. Bricht bei einem Papageienvogel eine Infektion mit PMV-1 aus, spricht man von der Newcastle Disease, also der Newcastle-Krankheit. Diese Krankheit, wird auch als Atypische Geflügelpest bezeichnet. Vogel- und Geflügelzüchter müssen den Ausbruch der Erkrankung beim zuständigen Veterinäramt melden. In der Geflügelzucht wird mitunter gegen die Krankheit geimpft, allerdings gilt die Wirkung dieses Verfahrens als fragwürdig. Im Ziervogel-Bereich wird normalerweise nicht geimpft. Symptome von PMV-1-Infektionen (Newcastle Disease) Viele Vögel leiden zunächst an Problemen mit dem Atmungssystem und/oder mit dem Verdauungsapparat. Sie bekommen zum Beispiel schlecht Luft oder müssen sich übergeben. Auch Durchfälle sind mitunter zu beobachten. Insgesamt sind die Tiere müde und abgeschlagen. Nach einigen Wochen zeigen sich dann weitere Symptome, wenn das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die Tiere verlieren das Gleichgewicht und verdrehen den Kopf, der Tierarzt spricht dann von einem Torticollis. Einige Vögel zeigen sogar anhaltende Lähmungen ihrer Gliedmaßen. Viele betroffene Vögel sterben an Erschöpfung und Nahrungsmangel. Symptome von PMV-3-Infektionen Bei einer Infektion mit diesem Serotyp sind die Symptome ähnlich, allerdings ist der Verlauf deutlich weniger heftig ausgeprägt. In vielen Fällen bemerken die Tierhalter erst, dass ihre Vögel erkrankt sind, wenn die Vögel zu taumeln beginnen oder den Kopf verdrehen. Verdauungs- und Atmungsbeschwerden sind hingegen nur selten wahrzunehmen, weil sie erheblich milder ausfallen als bei einer PMV-1-Infektion. Nachweis der Infektionen Tierärzte können eine PMV-Infektion feststellen, indem sie zum Beispiel Kotproben von einem Labor untersuchen lassen. Auch im Blut ist PMV unter Umständen nachweisbar, weil sich Antikörper bilden. Behandlung Eine Heilung eines an einer PMV-Infektion leidenden Vogels ist bedauerlicherweise nicht möglich. Je nach Fall kann lediglich versucht werden, die Beschwerden zu lindern. Aus diesem Grunde raten viele Tierärzte dazu, erkrankte Vögel einschläfern zu lassen. Ansteckung PMV ist hochgradig ansteckend. Es wird von infizierten Tieren schon während der Inkubationszeit über Körperflüssigkeiten wie Kot, Urin, Kropfschleim und über die Atemluft ausgeschieden. Sobald ein anderer Vogel damit in Kontakt gelangt, kann er sich anstecken. Auch Menschen können die Krankheit übertragen, indem sie mit einem infizierten Vogel Kontakt hatten und sich dann später einem gesunden Vogel nähern. Es kann theoretisch zur Ansteckung reichen, wenn ein wenig Staub, an dem die Erreger haften, an der menschlichen Kleidung hängt und auf diesem Wege mit dem gesunden Vogel in Berührung kommt.
also nicht BSE oder aehnliches ?
4. ungesund
linkslibero 18.08.2013
Die ökologische Situation in Russland und Moskau ist generell schlecht. Die Luft ist schlecht, das Wasser ist schlecht, Fabriken pusten Gift in die Luft. Kein Zufall, daß die Tauben in Russland krepieren. Und nicht nur die Tauben. Russland hat eine menschliche Todesrate wie ein afrikanisches Bürgerkriegs- und Entwicklungsland.
5. Ich möchte ja keinem Angst einjagen aber...
W.i.n.t.e.r 18.08.2013
vor 3 Wochen habe ich auf einem Feldweg in der Nähe von Freising fast einen Raben überfahren. Das Tier stand mitten auf der Straße und bewegte sich nicht. Teilnahmslos blieb es stehen, auch während ich ihm auswich, ergo nur einen Meter entfernt vorbeifuhr, und stand ebenfalls noch an gleicher Stelle, bis ich es im Rückspiegel nicht mehr zu erkennen war. Rabenvögel sind ja auch dafür bekannt, daß sie migrieren...
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