München Warum Janette Emerich 3000 Euro Finderlohn für ihren Koffer bietet

Seit 14 Jahren lebt Janette Emerich "aus einem Koffer", nun wurde er gestohlen. Per Aushang am Münchner Hauptbahnhof sucht die Reiseleiterin nach Hinweisen. Was steckt dahinter?

Janette Emerich vor dem Diebstahl ihres Koffers

Janette Emerich vor dem Diebstahl ihres Koffers

Ein Interview von Felix Keßler


Janette Emerich ist 33 Jahre alt und kommt aus Oberstaufen im Allgäu. Seit ihrem Abitur ist sie als Reiseleiterin für Wohnmobiltouren auf der ganzen Welt unterwegs und hält darüber auch Bildvorträge - mittlerweile seit 14 Jahren. Ist sie in Deutschland, wohnt sie nach eigenen Angaben meist bei Ihrer Familie oder bei Freunden.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie 14 Jahre nur aus einem Koffer gelebt?

Emerich: Ich arbeite als Reiseleiterin und bin die meiste Zeit des Jahres unterwegs. Meist habe ich nur einen Koffer dabei, in dem meine Klamotten, meine Kamera, Festplatten und mein Laptop sind. Bis auf eine Winterjacke und Stiefel, die bei Freunden in Deutschland stehen, habe ich meinen ganzen Besitz also immer dabei.

SPIEGEL ONLINE: Und jetzt wurde der Koffer geklaut?

Emerich: Auch meine Handtasche, inklusive Ausweisen! Ich wollte das Gepäck am vorletzten Freitag nicht den ganzen Tag durch die Stadt schleppen. Also habe ich die Handtasche und den 30 Kilo schweren Koffer morgens am Münchner Hauptbahnhof in ein Schließfach gesperrt. Dachte ich jedenfalls. Denn offenbar habe ich vergessen, den Schlüssel abzuziehen.

SPIEGEL ONLINE: Als Sie am Nachmittag wiederkamen, waren Koffer und Tasche weg?

Emerich: Genau. Erst als ich zurückkam, fiel mir auf, dass ich gar keinen Schlüssel hatte. Dann habe ich das Fach öffnen lassen, aber es waren fremde Koffer darin. Besonders schmerzhaft ist der Verlust meines Tagebuchs und der Festplatten. Auf denen waren auch viele private Erinnerungsstücke, zum Beispiel Bilder meines verstorbenen Vaters. Der Rest ist mir mittlerweile egal; Klamotten, Kamera und Koffer kann ich ja neu kaufen.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt haben Sie am Münchner Hauptbahnhof Zettel ausgehängt, auf denen Sie 3000 Euro Finderlohn versprechen. Hat sich schon jemand gemeldet?

Emerich: Leider noch nicht. Das Fach lag im toten Winkel der Überwachungskameras. Ohnehin durfte ich mir die Aufnahmen nicht anschauen. Dabei muss der Mensch, der meinen großen grünen Rollkoffer mitgenommen hat, auf seinem Weg aus dem Bahnhof klar erkennbar sein. Auf den Aushang habe ich bisher nur Reaktionen von Menschen bekommen, die mir alles Gute wünschen. Infos zum Koffer dagegen noch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Und was, wenn sich der Dieb doch noch bei Ihnen meldet?

Emerich: Dann soll er mir ein Beweisfoto von dem Koffer schicken und einen Treffpunkt mit mir vereinbaren. Ich werde niemanden bei der Polizei anzeigen und den Finderlohn zahlen, wie versprochen. Selbst wenn ich nur die Festplatten zurückbekäme, wäre ich glücklich.



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