München Neonazis planten Anschlag auf Synagoge

Die in München verhafteten Neonazis haben offenbar einen Anschlag auf den Neubau einer Synagoge geplant. Inzwischen ermittelt die Bundesanwaltschaft.


Stellvertretender Polizeipräsident Viering mit beschlagnahmten Gegenständen. Darunter Schuss- und Stichwaffen
DDP

Stellvertretender Polizeipräsident Viering mit beschlagnahmten Gegenständen. Darunter Schuss- und Stichwaffen

München - Als Datum für den Anschlag war offenbar der 9. November geplant. Der Tag, an dem im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau der Grundstein für die neue Synagoge gelegt werden soll und Jahrestag der nationalsozialistischen Reichspogromnacht. Das teilte die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern am Donnerstagabend mit. Auf dem Gelände soll die Hauptsynagoge, das Gemeindezentrum und das Jüdische Museum der Landeshauptstadt entstehen.

Der Generalbundesanwalt will laut "Süddeutscher Zeitung" die Ermittlungen übernehmen.

Bei Durchsuchungen im Münchner Süden waren am Mittwoch 1,7 Kilogramm TNT sichergestellt worden. Laut Münchner Polizei eine der größten Sprengstoffmengen, die im Zusammenhang mit Rechtsextremismus in Deutschland sichergestellt wurden. Mit dem sichergestellten Sprengstoff wäre ein Anschlag "mit sehr schweren Folgen" möglich gewesen, sagte der Münchner Polizeivizepräsident Jens Viering.

Insgesamt hatten die Ermittler bei Hausdurchsuchungen rund 14 Kilogramm sprengstoffverdächtiges Material entdeckt, darunter Handgranaten, außerdem Schusswaffen, Sturmhauben, Munition und umfangreiche schriftliche Unterlagen.

Im Einzelnen wurden drei Mitglieder der rechten Gruppierung Kameradschaft Süd in München verhaftet, unter ihnen eine junge Frau. Gegen einen vierten Mann aus München, gegen den bereits wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde, erging ein weiterer Haftbefehl. Zwei andere Verdächtige wurden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern festgenommen.

Nach Angaben der Polizei ist unter den Festgenommenen auch der bekannte Rechtsextreme Martin Wiese. Der 27-Jährige sei seit einem Jahr informeller Führer der Neonazi-"Kameradschaft Süd - Aktionsbüro Süddeutschland", sagte Verfassungsschutz-Sprecher Michael Feiler. Der Gruppe sollen etwa 25 Neonazis und Skinheads angehören.



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