Tierliebe Syrerin Flucht mit Schildkröte in der Jackentasche

Mit einer Schildkröte ist eine Syrerin aus ihrer Heimat geflohen. In München wurden die Behörden auf das Tier aufmerksam - und beschlagnahmten es.

Maurische Landschildkröte: "Das Wohl des Tieres nicht aus dem Auge verlieren"
DPA/Auffangstation für Reptilien, München e.V./

Maurische Landschildkröte: "Das Wohl des Tieres nicht aus dem Auge verlieren"


Was nimmt man mit, wenn man aus seiner Heimat flieht? Nur das Nötigste. Eine Syrerin entschied sich in dieser Situation auch für eine Schildkröte. Nach mehr als 3000 Kilometern über die Balkanroute erreichte sie Deutschland mit der Maurischen Landschildkröte in einer Jackentasche.

In München allerdings wurde das Tier beschlagnahmt - aufgrund der illegalen Einfuhr sowie der nicht-artgemäßen Haltung in der Jackentasche, teilt die Auffangstation für Reptilien, München e.V. mit. Die Schildkröte sei einem Mitarbeiter des Flüchtlingslagers aufgefallen, der daraufhin die Polizei verständigt habe.

"Trotz seiner geringen Größe handelt es sich um ein sehr altes Männchen, das vermutlich 50 Jahre oder älter ist. Den Umständen entsprechend ist die Schildkröte in einem sehr guten Zustand", sagt Tierarzt Thomas Türbl.

Stationsleiter Markus Bauer zeigte sich beeindruckt: "Offensichtlich ist der Frau ihre Schildkröte so wichtig gewesen, dass sie sie auf der beschwerlichen Flucht mitnehmen und sie nicht ihrem Schicksal in Syrien überlassen wollte." Aber er ergänzt: "Andererseits dürfen wir dabei auch das Washingtoner Artenschutzabkommen, das national geltende Recht sowie das Wohl des Tieres nicht aus dem Auge verlieren."

Die Auffangstation teilt mit, dass die Schildkröte nach dem Ende der regulären Quarantäne sowie der rechtskräftigen Einziehung zur Vermittlung freigegeben werden könne.

wbr/dpa



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