München US-Tourist wegen Masskrug-Diebstahl vier Wochen in Haft

Weil er einen Masskrug aus dem Münchner Hofbräuhaus als Souvenir hatte mitgehen lassen wollen, hat ein amerikanischer Tourist mehrere Wochen lang unangenehme Bekanntschaft mit der deutschen Justiz machen müssen. Die Staatsanwälte wollten ihn sogar für ein Jahr einsperren.


 Tatort Hofbräuhaus: Niedrige Hemmschwelle nicht nur beim Masskrugklau
DPA

Tatort Hofbräuhaus: Niedrige Hemmschwelle nicht nur beim Masskrugklau

Der 22-jährige Soziologiestudent aus New Mexico musste vier Wochen lang in Untersuchungshaft verbringen - wegen des Diebstahles eines Kruges im Wert von etwa acht Euro. Weil der Mann sich gegen die Verfolgung durch einen Ordner des Brauhauses gewehrt hatte, hatte er sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft des räuberischen Diebstahls schuldig gemacht. Auf diesen Straftatbestand steht eine Mindeststrafe von normalerweise einem Jahr.

Die Justizbehörden hatten daraufhin eigens einen Sachverständigen mit dem Fall des Amerikaners beauftragt. Sein Befund: Die Hemmschwelle beim Masskrugklau sei generell gering. "Das ist beim Oktoberfest und im Hofbräuhaus ein Sport", erklärte der Experte.

Objekt der Begierde: Masskrug des Münchner Hofbräuhauses
DPA

Objekt der Begierde: Masskrug des Münchner Hofbräuhauses

Das Amtsgericht München zeigte sich daher nachsichtig und setzte den Amerikaner am Freitag nach Zahlung einer Geldstrafe von 1260 Euro auf freien Fuß. Dem Amtsrichter war offensichtlich unangenehm, mit welcher Härte die Vertreter der Anklage den Fall des Souvenirjägers verfolgt hatten. Er bezeichnete die Haft des Angeklagten als bedauerlich und wünschte ihm "alles Gute". Der angehende Soziologe kann nun doch noch zu seinem am Montag beginnenden letzten Studienjahr heimkehren.



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