Starkregen Zweites Todesopfer bei heftigem Unwetter in Münster

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume: Vor allem in Münster hieß es nach einem starken Sommergewitter Land unter. Zwei Menschen starben.

DPA

Münster - Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind von heftigen Unwettern getroffen worden. In NRW war vor allem die Region um Münster betroffen, wo auch am Dienstagmorgen noch Straßen unter Wasser standen.

In der Stadt ertrank ein 76 Jahre alter Mann in einem vollgelaufenen Keller. Ein weiterer Mann kam mit dem Auto von einer überfluteten Straße ab und verunglückte tödlich.

Wahrscheinlich habe ein über die Ufer getretener Bach den Wagen mitgerissen, sagte ein Polizeisprecher. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei hätten das Auto mit dem Toten jenseits der parallel zur Autobahn 1 verlaufenden Straße in einem Graben entdeckt. Der 73-Jährige aus dem Kreis Coesfeld sei vermutlich ertrunken.

Das erste Opfer sei im Keller gewesen, als ein Fenster platzte, sagte Münsters Feuerwehrchef Benno Fritzen laut "Münsterscher Zeitung" auf einer Pressekonferenz. "Das Wasser ergoss sich in den Keller und füllte ihn sofort an. Wir haben gepumpt, unsere Taucher sind unter erheblichem eigenen Risiko ins Wasser gegangen. Wir fanden den Mann aber nur noch leblos."

800 Retter im Dauereinsatz

In Greven bei Münster beschädigte ein Wassereinbruch ein Stellwerk der Deutschen Bahn, es war deshalb nur eingeschränkt zu nutzen. Zahlreiche Zugverbindungen im Nahverkehr fielen auf dem Streckenabschnitt zwischen Münster und Rheine aus. Als Ersatz wurden Busse eingesetzt. Fernverkehrszüge wurden über Osnabrück umgeleitet.

In der Innenstadt von Münster stürzte ein Baum auf ein Auto. Eine Frau wurde darin lebensgefährlich verletzt. Mehr als tausend Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. Die Telefonleitungen seien völlig überlastet gewesen, hieß es am Dienstag. 800 Retter waren im Dauereinsatz.

"So ein Ereignis haben wir in unserer Stadt noch nicht erlebt", sagte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe laut "Münsterscher Zeitung" auf der Pressekonferenz. "In den vergangenen 24 Stunden sind über 200 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen."

Nächste Gewitter ziehen bereits heran

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schätzte nach der Auswertung von Radarbildern die Regenmengen in Greven und Ahaus auf mindestens 60 Liter pro Quadratmeter für einen Zeitraum von sechs Stunden. An einer Stelle seien nördlich von Münster am Montag zwischen 16 und 17 Uhr mehr als 40 Liter Regen gefallen.

Starker Regen vor allem in den Kreisen Tuttlingen und Rottweil in Baden-Württemberg hatte in der Nacht ebenfalls zahlreiche Keller geflutet. Bei einem Dachstuhlbrand in Wurmlingen erlitt ein Hausbewohner Verbrennungen. In der Gegend um Tübingen und Böblingen waren am Dienstag noch einige Bundes- und Kreisstraßen voll oder halbseitig gesperrt, wie ein Sprecher des Lagezentrums im Stuttgarter Innenministerium sagte. Bei Wellendingen versperre ein Erdrutsch eine Kreisstraße.

Beim Zusammenstoß mit einem Lastwagen starb ein 22 Jahre alter Autofahrer in Überlingen. Wie die Polizei mitteilte, war der Mann am Dienstag bei starkem Regen vermutlich zu schnell gefahren, sein Wagen geriet ins Schleudern und auf die Gegenfahrbahn.

In manchen Landkreisen im Südwesten mussten Häuser und Campingplätze geräumt werden. In Emmingen-Liptingen mussten 80 Gäste und Angestellte eines Hotels das Gebäude verlassen. Als das Wasser einer überfluteten Straße in die Keller eindrang, sei der Strom ausgefallen

Und der DWD warnt bereits vor den nächsten heftigen Unwettern. Demnach ist im Rhein-Kreis Neuss, im Großraum Düsseldorf, im Rheinisch-Bergischen Kreis, in Leverkusen, in Wuppertal, Remscheid und im Oberbergischen mit starken Gewittern zu rechnen. Wie das Wetter in Ihrer Region im Detail wird, erfahren Sie auf unserer Wetter-Seite.

Blitze-Karte für Deutschlands Landkreise 2013

wit/dpa/AFP



insgesamt 10 Beiträge
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referee84 29.07.2014
1. Wieder einmal vom Mensch provoziert.
Habe in einer Reportage gesehen... das durch diesen irrsinnigen Flugverkehr heutzutage die Gewitter heutzugage nicht mehr richtig abziehen können und sich so regional extrem entladen. Aber bei unserem derzeitigen Verstand wie wir mit Kerosin usw. umgehen wird es sowieso bald keinen Flugverkehr mehr geben.
karl-felix 29.07.2014
2. Wie
Zitat von referee84Habe in einer Reportage gesehen... das durch diesen irrsinnigen Flugverkehr heutzutage die Gewitter heutzugage nicht mehr richtig abziehen können und sich so regional extrem entladen. Aber bei unserem derzeitigen Verstand wie wir mit Kerosin usw. umgehen wird es sowieso bald keinen Flugverkehr mehr geben.
auch immer und welchen Anteil der Flugverkehr haben mag, wir waren gewarnt. Seit über 20 Jahren sagen uns die Klimatologen, weltweit werden die Wetterextreme zu nehmen. Was haben die Schönredner Pirouetten gedreht um im Zweifelsfalle nichts zu tun. Jetzt sind wir mittendrin, jetzt kostets richtig Geld. Und dann gibt es immer noch Menschen, die Menschen für lernfähige Wesen halten.
OttoEnn 29.07.2014
3. aber auch
Zitat von referee84Habe in einer Reportage gesehen... das durch diesen irrsinnigen Flugverkehr heutzutage die Gewitter heutzugage nicht mehr richtig abziehen können und sich so regional extrem entladen. Aber bei unserem derzeitigen Verstand wie wir mit Kerosin usw. umgehen wird es sowieso bald keinen Flugverkehr mehr geben.
aber auch, weil für die Heimtierfutterprodution Rinder gebraucht werden, für deren Weideflächen Regenwald abgeholzt wird
Newspeak 29.07.2014
4. ...
Wenn unsere Vorfahren noch leben würden, könnten sie von ähnlichen Wetterextremen berichten. Es ist lächerlich zu glauben, das sei etwas, was es erst seit kurzem gibt. Es gibt genug historische Berichte, wo Gewitter, Starkregen und Hagel mittelalterliche Städte verwüstet haben. Nicht umsonst gab es früher Prozessionen und allerlei Rituale und Gelübde, um solche extremen Ereignisse von sich fernzuhalten. Ganz ohne Flugverkehr. Der Einfluß von Flugzeugen steht in keinem Verhältnis zum Energiegehalt der Atmosphäre durch thermische Effekte der Sonneneinstrahlung.
hansschulze 29.07.2014
5.
Also ich wohn in Münster. ja es hat ordentlich geregnet und es sind viele Keller abgesoffen. Katastrophe ist aber anders. Ich halte den Flugverkehr für gänzlich unschuldig an dem Umwetterchen. Es gab immer wieder Wetterextreme völlig ohne menschlichen Einfluss. Vor der antropogenen Ära gab es sogar EISZEITEN!
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