Angriffe auf Moscheen Muslimische Verbände fordern mehr Solidarität

Nach Brandanschlägen auf Moscheen haben Vertreter islamischer Verbände die Politik kritisiert. Man vermisse eine "klare und unmissverständliche Verurteilung".

Burhan Kesici, Zekeriya Altug, Aiman Mazyek
DPA

Burhan Kesici, Zekeriya Altug, Aiman Mazyek


Islamische Verbände haben nach den jüngsten Anschlägen auf Moscheen mehr Solidarität von deutschen Politikern eingefordert. "Wir vermissen von Politik und Zivilgesellschaft eine klare und unmissverständliche Verurteilung dieser Schandtaten ohne Wenn und Aber", sagte Zekeriya Altug, Mitglied im Vorstand der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib).

Das größte Problem sei nicht die aktuelle "temporäre Häufung" von Angriffen, die womöglich auf das Konto von Anhängern der kurdischen Terrorgruppe PKK gingen, sondern die große Zahl von rechtsextrem motivierten Attacken. Die Aufklärungsrate bei diesen Straftaten sei sehr gering, beklagte der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici.

In den vergangenen Tagen waren in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg Brandanschläge auf Moscheen und deutsch-türkische Vereine verübt worden. Es wird ein Zusammenhang mit der aktuellen türkischen Militäroffensive im syrischen Kurdengebiet um Afrin vermutet.

Ein weiterer Fall kam am Donnerstag dazu: Nach dem Brand von drei Autos auf einem Firmengelände in Gütersloh sei ein Bekennerschreiben eingegangen, in dem die Tat als Reaktion auf den türkischen Militäreinsatz in Syrien dargestellt werde, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Zu Berichten über Gebete für die türkischen Soldaten in Ditib-Moscheen, sagte Altug, es habe keine Freitagspredigten mit diesem Tenor gegeben. Er räumte jedoch "einzelne Aufrufe" und "gewaltverherrlichende Aussagen" einzelner ehrenamtlicher Gemeindemitglieder ein. In diesen Fällen habe der Verband interveniert, denn "das können wir nicht mittragen".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte, es sei falsch gewesen, dass die türkische Regierung nach den jüngsten Angriffen den deutschen Botschaftern einbestellt habe. Diese Anschläge seien nicht Teil eines türkisch-deutschen Konflikts, sondern ein Sicherheitsproblem in Deutschland.

bbr/dpa



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