Mutmaßlicher Feuerteufel gefasst Sylt feiert 13-Jährigen

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters von Sylt feiert die Nordseeinsel einen Helden: Ein 13-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen soll die Polizei auf die Spur des Verdächtigen geführt und auch noch Menschenleben gerettet haben.

DPA

Westerland - Die Lage auf Sylt hat sich nach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters merklich entspannt: "Als ich die gute Nachricht weitergab, waren alle erleichtert", sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, Petra Reiber, am Sonntag. "Besonders für Mütter und Kinder ist es beruhigend, dass man abends wieder ins Bett gehen kann ohne Angst, im Schlaf von Flammen überrascht zu werden", ergänzte der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr, Jörg Elias.

Jetzt wird gerätselt: Wer ist der 46-jährige Verdächtige, und was war sein Motiv? Bislang scheint nur eins gewiss: Der Mann ist erst vor kurzem auf die Insel gezogen, angeblich lebte er in einer kleinen Wohnung in jenem Hochhaus, in dem vor eineinhalb Wochen die Brandserie begann. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge ist er Taxifahrer.

Die Staatsanwaltschaft beantragte am Wochenende Haftbefehl gegen den Mann. "Wir haben Hinweise darauf, dass er für alle 17 Brände verantwortlich ist", sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Nach Abschluss der bisherigen polizeilichen Ermittlungen und der eigenen Aussage des Verdächtigen besteht laut Polizei dringender Tatverdacht. Der Verdächtige wurde dem Haftrichter vorgeführt. Die Entscheidung darüber, ob der Mann in Untersuchungshaft muss oder nicht, wollten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montagmorgen bekanntgeben.

Unter anderem soll der Mann Anschläge auf ein Apartmenthaus, ein Altenpflegeheim und die Nordseeklinik verantworten. Mehr als 400 Menschen mussten aus ihren Betten, als es in der "Akademie am Meer" im Klappholttal und in einem Wenningstedter Hotel brannte. Sieben Menschen wurden verletzt.

Seit dem 11. August war auf der Nordseeinsel immer wieder gezündelt worden. Dass es keine Toten gab, ist auch einem Schüler aus dem Rheinland zu verdanken: Andreas Reuß macht zurzeit mit seinen Eltern Karin und Stephan Urlaub auf der Insel und ist zum Helden aufgestiegen.

Der 13-Jährige war Samstagnacht noch wach und hockte vor dem Fernseher, als er hörte, wie die metallene Gartenpforte seiner Unterkunft mit einem lautem Klacken ins Schloss fiel. Gleichzeitig roch es leicht verbrannt. Ein schneller Blick durchs Fenster genügte: Erste Flammen züngelten am Dachüberstand des reetgedeckten Hauses.

Zu Hause im nordrhein-westfälischen Alfter bei Bonn verbringt der Junge seine Freizeit am liebsten bei der Jugendfeuerwehr. Dort übt er jeden zweiten Mittwoch mit einem Dutzend Freunde, wie man sich bei Feuer verhält. Ohne eine Sekunde Zeit zu verlieren, rannte er los, um seine Eltern und die anderen Hausbewohner zu wecken: Alle konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

"Mit seiner Geistesgegenwart hat er sich, seinen Eltern und den anderen Bewohnern das Leben gerettet", lobte Nordfrieslands Kreisbrandmeister Christian Albertsen den 13-Jährigen. Ohne die schnelle Reaktion des Jungen wäre das Haus niedergebrannt, so Albertsen.

Letztlich konnte durch die schnelle Aktion des Jungen auch der mutmaßliche Brandstifter gestoppt werden. Als bei der Feuerwehr um 2.30 Uhr der Alarm einging, befand sich der 46-Jährige noch nicht weit vom Tatort entfernt. Er versuchte noch zu fliehen, aber die Beamten waren schneller. Er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Wolfgang Runge, dpa



insgesamt 17 Beiträge
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mikkuukuusanen 22.08.2010
1. Für die Abschaffung der Titel
Zitat von sysopNach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters von Sylt feiert die Nordseeinsel einen Helden: Ein 13-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen soll die Polizei auf die Spur des Verdächtigen geführt und auch noch Menschenleben gerettet haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,713137,00.html
Gut gemacht Junge! Falls(!) es sich beim dem Verdächtigen wirklich um den Brandstifter handelt gibt es nur eines: Lebenslänglich (d.h. bis zum Tode) in absolut(!) Geschlossener! Dabei ist es sowas von egal egal, ob wirklich jemand zu Schaden gekommen ist oder nicht. Alleine schon um den Jungen zu schützen. Solche Leute haben in Freiheit nichts, aber auch gar nichts verloren. Null Toleranz ggü. Gewaltstraftätern!
saul7 22.08.2010
2. ++
Zitat von sysopNach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters von Sylt feiert die Nordseeinsel einen Helden: Ein 13-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen soll die Polizei auf die Spur des Verdächtigen geführt und auch noch Menschenleben gerettet haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,713137,00.html
Der Junge hilft auch bei der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes und ist offenbar ein aufgewecktes Kerlchen. Hoffentlich steht ihm auch eine Belohnung zu!!!
Anna-Maria-49 22.08.2010
3. Alten-Pflegeheim und Nordseeklinik
Zu was wird solch ein Strolch letztendlich verurteilt, das was dieser dümmliche Mann gemacht hat ist versuchter Mord und nichts anderes. Durch seine Taten hat er billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Tode kommen - also Vorsatz. Bin mal auf die Strafe gespannt.
ThorstenNYC 22.08.2010
4. Geht’s noch?
»"Besonders für Mütter und Kinder ist es beruhigend, dass man abends wieder ins Bett gehen kann ohne Angst, im Schlaf von Flammen überrascht zu werden", ergänzte der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr« … während *Väter* das Ganze ziemlich locker gesehen haben?? »Der Verdächtige, der weder Tourist noch Gast auf Sylt ist« Also ein Einheimischer?
tweet4fun 22.08.2010
5. Hut ab vor dem Jungen!
Zitat von sysopNach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters von Sylt feiert die Nordseeinsel einen Helden: Ein 13-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen soll die Polizei auf die Spur des Verdächtigen geführt und auch noch Menschenleben gerettet haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,713137,00.html
Die Freiwillige Feuerwehr sollte ihn wenigstens zum Ehrenmitglied ernennen! Aber jetzt fiel mir das folgende im Artikel auf: Erst wird erwähnt, daß der Mann dringend tatverdächtig ist (mehr ist er nach unserem Recht bisher richtigerweise nicht), dann wird aber zusätzlich erwähnt, daß er nahe dem Tatort auf der Flucht gefaßt wurde. Und dann dieses: "Die Entscheidung darüber, ob der Mann in Untersuchungshaft muss oder nicht, wollten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montagmorgen bekanntgeben." Wenn die Umstände der Festnahme des Verdächtigen so stimmen, rechtfertigt das nicht eine Untersuchungshaft? Ist das nicht der Sinn dieses Begriffes? Oder ist das eine neue Variante der deutschen Kuscheljustiz, so nach dem Motto: Wir haben ihm ja die Streichhölzer weggenommen, was soll der arme Mann nun anstellen können. Ich hoffe, das war nur ein verbaler Lapsus in einem generell aus journalistischer Sicht schlecht geschriebenen Artikel. Handfeste Information liest sich anders. Lieber SPON, ich kann ja verstehen, daß Ihr die Lehrlinge irgendwo ausbilden müßt! Ihre primären Voraussetzungen sind allerdings zu niedrig. Auch so nach dem Motto: Da müssen wir aber noch mal ran, Herr/Frau Kollege/in!
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