Mutmaßlicher Ritualmord in Chile: Sekte soll Baby verbrannt haben

Die Staatsanwaltschaft in Chile fahndet nach Mitgliedern einer Sekte, die ein zwei Tage altes Kind lebend verbrannt haben sollen. Vater des Babys soll der flüchtige Sektenführer sein. Er forderte seine Anhänger auf, geliebte Objekte zu opfern, weil sie finstere Kräfte vertreten.

Auf der Fahndungsliste: Flüchtige Mitglieder der Sekte, Gaete (links) gilt als Anführer Zur Großansicht
DPA

Auf der Fahndungsliste: Flüchtige Mitglieder der Sekte, Gaete (links) gilt als Anführer

Santiago de Chile - Die Ermittlungen gegen Mitglieder einer Sekte in Chile begannen wegen mutmaßlichen Drogenschmuggels. Doch sie förderten Erschütterndes zu Tage: Die Polizei stieß auf die Überreste eines getöteten Babys. Das zwei Tage alte Kind sei lebend verbrannt worden, berichtet die Zeitung "La Segunda".

Die Staatsanwaltschaft in Chile ermittelt nun gegen mehrere Sektenmitglieder: Die Mutter des Babys und sieben weitere Mitglieder werden verdächtigt, das Kind im November 2012 unter Drogeneinfluss auf einem Bauernhof in Quilpué, nahe Valparaíso, im Rahmen einer rituellen Zeremonie getötet zu haben. Das berichtet die Zeitung "El Mercurio" am Samstag.

Die Mutter und drei weitere Verdächtige wurden bereits verhaftet, während die anderen vier flüchtig sind, unter ihnen: Ramón Gustavo Castillo Gaete, der 36-jährige Anführer der Sekte und Vater des geopferten Babys. Er lässt sich laut Polizei von seinen Anhängern "Antares de la luz" (Antares des Lichts) nennen.

Ritualmord vor dem Weltuntergang

Die Polizei vermutet, dass sich Gaete nach Peru abgesetzt und dort möglicherweise eine neue Sektengruppe gebildet hat. Er soll seine Anhänger aufgefordert haben, alle geliebten Objekte und Beziehungen zu entbehren, weil sie finstere Kräfte vertreten würden, die geopfert werden müssten.

Die Mutter des Babys habe ihre Teilnahme an dem Ritualmord bereits zugegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie sagte den Ermittlern, es sei stets klar gewesen, dass ihr Kind nach der Geburt getötet werde. Man habe "Antares de la luz gehorchen" müssen. Als er erfuhr, dass sie schwanger war, habe er sie mehrere Monate lang eingesperrt und ihr gesagt, dass das Baby "für die Rettung der Welt" geopfert werden müsse, bevor die Welt gemäß einer Interpretation des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012 untergehe. Der Tag des angeblichen Weltuntergangs war im vergangenen Jahr von Esoterikern in aller Welt mit Spannung erwartet worden.

Die Mitglieder der Sekte sind bekannt dafür, ein halluzinogenes Getränk zu sich zu nehmen. Nach Angaben der Polizei hatte der Sektenführer die vollständige Kontrolle über seine Anhänger und unterhielt sexuelle Beziehungen mit fünf Frauen der Gruppe.

jjc/dpa

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