Nach 76 Jahren: Lenin soll begraben werden

Der 1924 gestorbene sowjetische Staatsgründer Wladimir Lenin soll bald beerdigt werden, verlautet aus dem Kreml. Bisher liegt sein einbalsamierter Leichnam im Mausoleum auf dem Roten Platz. Auch die Überreste von Stalin, Breschnew und Gagarin sollen vom Roten Platz verschwinden.

Moskau - Höchstwahrscheinlich werde die Beerdigung kurz nach der Präsidentenwahl am 26. März geschehen, meldete die Nachrichtenagentur Itar-Tass am Donnerstag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten ranghohen Beamten der Kreml-Administration.

Das Mausoleum solle aber auf dem Roten Platz bleiben, hieß es weiter. Die Meldung wurde zunächst nur im englischen Dienst von Itar- Tass verbreitet. Ein großer Teil der russischen Bevölkerung, vor allem Kommunisten und die ältere Generation, ist gegen eine Beerdigung Lenins. Eine Diskussion über das Thema könnte deshalb dem Wahlkampf von Interimspräsident Wladimir Putin schaden.

"Das Problem wird endgültig gelöst werden. Das Mausoleum bleibt erhalten, aber der Leichnam wird der Erde übergeben", sagte der Kreml-Beamte. Nach Ansicht der Administration sollte Lenin ein festliches Staatsbegräbnis erhalten. Es sei jedoch unklar, ob die Beisetzung auch nach christlicher Tradition stattfinden soll.

Der Kreml-Mitarbeiter räumte ein, dass die mögliche Beerdigung Lenins ein "heikles Thema" für Putin sei. "Putin hat eine eigene Sicht der Dinge und Respekt vor der Meinung älterer Menschen", wurde er zitiert. Russlands erster Präsident Boris Jelzin hatte jahrelang die Beisetzung Lenins angestrebt, jedoch wegen des breiten Widerstands in der Bevölkerung nicht durchgesetzt.

Nach Angaben des Kreml-Mitarbeiters sollten zusammen mit Lenin auch die sterblichen Überreste zahlreicher Sowjet-Prominenten vom Roten Platz umgebettet werden. "An der Kreml-Mauer sollte es keinen Friedhof geben", sagte er. Auf dem Roten Platz sind mehr als 300 Personen beigesetzt, unter ihnen Sowjet-Diktator Josef Stalin, die Staats- und Parteichefs Leonid Breschnew und Jurij Andropow sowie der erste Raumfahrer Jurij Gagarin.

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