Nach deutschem Auftaktsieg Südafrikanische Polizei löst Protest von WM-Mitarbeitern auf

Ausschreitungen in Durban: Nach dem Sieg der DFB-Elf gegen Australien protestierten Stadionangestellte gegen niedrige Löhne. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein, mindestens eine Frau wurde dabei verletzt.

AP

Durban - Das WM-Spiel Deutschland gegen Australien verlief friedlich, die Sicherheitskräfte in Durban hatten die mehr als 62.000 Fans im Moses-Mabhida-Stadion offenbar gut im Griff. Doch als nach dem 4:0-Sieg der DFB-Elf eine Gruppe von etwa 500 Ordnern des Stadions zum Protest ansetzte, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.

Die bewaffneten Polizisten setzten Tränengas gegen die Demonstranten ein, die ihrerseits mit Steinen warfen. Mindestens eine Frau wurde zudem von einem Gummigeschoss verletzt. Sie lag Berichten zufolge eine Stunde lang vor dem Stadion, bevor sie in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Bei dem Versuch, die Arbeiter aus einem Parkhaus unter dem Stadion zu vertreiben, soll die Polizei laut der Nachrichtenagentur AP zwei Blendgranaten eingesetzt haben, die mit lautem Knall explodierten. Solche sogenannten "Schockgranaten" erzeugen ein sehr helles Licht, das Personen in der Nähe des Explosionsortes vorübergehend orientierungslos machen kann, in der Regel aber nicht zu bleibenden Schäden führt.

Einige der mit orangefarbenen und grünen Jacken bekleideten Demonstranten versuchten, ins Pressezentrum zu gelangen, wohin auch einige Helferinnen und Helfer in Panik geflüchtet waren. Andere hätten mit Betonblöcken eine Straße blockiert, hieß es. Nachdem die Polizei den Arbeitern eine zehnminütige Frist gesetzt hatte, löste sich der Protest auf. Mindestens zwei Teilnehmer wurden festgenommen, einer von ihnen übergab der Polizei eine Pistole.

Proteste für mehr Lohn

Nach Angaben der Polizei demonstrierten die Angestellten dagegen, dass sie weniger Lohn als vereinbart erhalten hätten. "Wir wollten friedlich protestieren, weil sie uns nicht das gezahlt haben, was wir erwartet haben", sagte einer der Arbeiter, Sydney Nzoli, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir waren überrascht, dass die Polizei uns angegriffen hat."

Rich Mkhondo, Sprecher des örtlichen WM-Organisationskomitees, sah die Sicherheit der Fußballfans keine Sekunde gefährdet: Die Auseinandersetzung habe zwei Stunden nach Ende der Partie stattgefunden, "lange nachdem alle Besucher das Stadion verlassen hatten". Der Vorfall habe "überhaupt keinen Einfluss auf die Sicherheitsmaßnahmen an diesem Tag gehabt."

Einer der Demonstranten hatte erklärt, die Ordner würden pro Tag 190 Rand, rund 18 Euro, verdienen. Versprochen worden seien ihnen aber 1500 Rand, etwa 140 Euro. Bereits beim Confederations Cup vor einem Jahr hatte es Proteste von Mitarbeitern privater Sicherheitsfirmen gegeben, weil ihnen weniger als der zugesagte Lohn gezahlt worden war. Die WM-Organisatoren hatten damals darauf hingewiesen, dass sie lediglich die Firmen engagierten, aber keinen Einfluss auf deren Geschäftsgebaren hätten.

ala/Reuters/sid/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
der_durden 14.06.2010
1. Traurig
Zitat von sysopAusschreitungen in Durban: Nach dem Sieg der DFB-Elf gegen Australien protestierten Stadionangestellte gegen niedrige Löhne. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,700473,00.html
Niedrige Löhne treffen auf eine hochkommerzielle Fifa. Wir "feiern" in Südafrika die WM, ohne dass 80% der Südafrikaner auch nur den Hauch einer Chance haben, ein Spiel in einem Stadium zu sehen. Lieber bleiben mittags die Tribünen leer, als dass man Preise macht, die dort auch ein Mensch bezahlen könnte. Das ganze setzt sich dann anscheinend bei den Löhnen fort. Das ist alles sehr traurig.
zappa99 14.06.2010
2. Fussball ist eine Industrie
das sollte jedem klar sein. Da gibt es gigantische Gehälter und Hungerlöhne direkt nebeneinander, wie überall in Afrika.
fatherted98 14.06.2010
3. Freikarten...
Zitat von der_durdenNiedrige Löhne treffen auf eine hochkommerzielle Fifa. Wir "feiern" in Südafrika die WM, ohne dass 80% der Südafrikaner auch nur den Hauch einer Chance haben, ein Spiel in einem Stadium zu sehen. Lieber bleiben mittags die Tribünen leer, als dass man Preise macht, die dort auch ein Mensch bezahlen könnte. Das ganze setzt sich dann anscheinend bei den Löhnen fort. Das ist alles sehr traurig.
Es gab im TV einen Bericht, dass die Mitarbeiter eine Freikarte kriegen....außerdem gibts ja wohl auch Fernseher...ich konnte mir auch kein Ticket für die WM in Deutschland leisten...ist dann doch wohl auch den SA zuzumuten die Spiele am TV zu sehen...oder?
frietz, 14.06.2010
4. kein titel
Zitat von der_durdenNiedrige Löhne treffen auf eine hochkommerzielle Fifa. Wir "feiern" in Südafrika die WM, ohne dass 80% der Südafrikaner auch nur den Hauch einer Chance haben, ein Spiel in einem Stadium zu sehen. Lieber bleiben mittags die Tribünen leer, als dass man Preise macht, die dort auch ein Mensch bezahlen könnte. Das ganze setzt sich dann anscheinend bei den Löhnen fort. Das ist alles sehr traurig.
nicht nur die fifa ist bei den preisen unverschämt. auch der dfb. beim letzten länderspiel der deutschen in frankfurt kostete eine eintrittskarte für kinder 55 euro und für einen erwachsenen 75 euro! für ein länderspiel um die goldene ananas. da hätten es 20 euro und 35 euro auch getan. aber hier scheint die nachfrage den preis zu bestimmen. im fall südafrika ist ständig zu hören, dass 97 % aller karten verkauft wurden. würde man die karten an fussballfans und nicht an firmen verkaufen, würden die stadien auch richtig gefüllt sein.
der_durden 14.06.2010
5. Kleiner Unterschied.
Zitat von fatherted98Es gab im TV einen Bericht, dass die Mitarbeiter eine Freikarte kriegen....außerdem gibts ja wohl auch Fernseher...ich konnte mir auch kein Ticket für die WM in Deutschland leisten...ist dann doch wohl auch den SA zuzumuten die Spiele am TV zu sehen...oder?
Nur, dass in Südafrika sich nicht einmal die Mittelschicht eine Karte leisten kann. Was die Freikarten der Mitarbeiter angeht: Ich meinte eigentlich die Gesamtbevölkerung. Außerdem: Ich bleibe dabei: Leere Stadien? Traurig?
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