Nachspiel zur Merkel-Panne Von der Leyen verteidigt Flugbereitschaft

Ursula von der Leyen stellt sich vor die nicht fliegende Truppe: Dass sie es nicht schaffte, Kanzlerin Merkel nach Argentinien zu fliegen, lasse keine Rückschlüsse über die Flugbereitschaft zu.

Ursula von der Leyen
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Ursula von der Leyen


Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Flugbereitschaft ihres Hauses in Schutz genommen, nachdem eine schwere Panne den Flug der Bundeskanzlerin zum G20-Gipfel zunächst verhinderte: Der Vorfall sei bedauerlich, aber keine Folge eines grundsätzlichen Problems.

"Mit nur zwei Prozent Ausfallquote bei Regierungsflügen in den letzten beiden Jahren und einer durchschnittlichen Einsatzbereitschaft von 89 Prozent ist die Flugbereitschaft statistisch sehr zuverlässig", sagte die CDU-Politikerin der "Bild"-Zeitung (Samstag). Sie räumte aber ein: "Wenn dann ausgerechnet wichtige Flüge wie der der Kanzlerin zum G20-Gipfel ausfallen, schmerzt das umso mehr."

Über die Zuverlässigkeit der Flugbereitschaft gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen. Dass jeder Störfall, jeder Flugausfall Schlagzeilen produziert, ist natürlich auch den zumeist prominenten Passagieren geschuldet. Prinzipiell gilt allerdings auch, dass die Maschinen von Haus aus etwas angejahrt sind: Aus Gründen der Kostenersparnis kauft die Flugbereitschaft grundsätzlich nur gebrauchte Maschinen.

Nicht flugbereit: Drei Pannen in zwei Monaten

So flog auch der Airbus "Konrad Adenauer", mit dem Kanzlerin Angela Merkel in Köln/Bonn statt in Argentinien landete, zuvor rund zehn Jahre im Dienst der Lufthansa. "Alt" ist die Maschine deshalb allerdings noch lange nicht: Die meisten Passagiermaschinen bringen es auf mehrere Betriebs-Jahrzehnte.

Doch die Flugzeuge der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums gelten im internationalen Vergleich nicht nur als relativ alt, sondern auch als auffällig störanfällig. So auch die "Konrad Adenauer": Mitte November erlebte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine stundenlange Zwangspause in Südafrika, weil eines der Triebwerke der Regierungsmaschine nur mithilfe eines externen Geräts angeworfen werden konnte. Einen Monat davor stieg Finanzminister Olaf Scholz in Indonesien von der "Konrad Adenauer" auf eine Linienmaschine um, weil die Regierungsmaschine nicht starten konnte: Erst mussten die Kabel repariert werden, die wahrscheinlich von Mäusen angefressen worden waren.

So entpuppt sich die aktuelle Panne als Höhepunkt einer kleinen, aber höchst peinlichen Serie: In der Nacht zum Freitag musste der Airbus des Verteidigungsministeriums, der Merkel und ihre Delegation zum G20-Gipfel nach Buenos Aires bringen sollte, über den Niederlanden umkehren. Ursache war ein Ausfall des Funksystems. Auch das System zum Ablassen von Kerosin war betroffen.

Die Maschine landete in Köln/Bonn. Dies war wegen ihres hohen Gewichts - der Airbus hatte noch fast das gesamte Kerosin in seinen Tanks - eine heikle Angelegenheit. Bei der Landung überhitzten die Bremsen.

Merkels Maschine: statistisch meistens flugbereit
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Merkels Maschine: statistisch meistens flugbereit

Die Notlösung: Irgendwie nach Argentinien

Merkel musste in Bonn übernachten und reiste erst am Freitagmorgen mit zwölf Stunden Verspätung nach Argentinien - zunächst mit einer Maschine der Flugbereitschaft nach Madrid, dann mit einem Linienflug nach Buenos Aires. Sie verpasste Teile des Programms am ersten Tag des G20-Treffens.

Der Grünen-Wehrexperte Tobias Lindner forderte eine "vollständige Aufklärung" des Vorfalls. "Es stellt sich die Frage, ob und warum die Flugzeuge der Flugbereitschaft häufiger ausfallen als im zivilen Betrieb", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Samstag).

"Wir sind dabei, uns lächerlich zu machen", sagte der FDP-Haushaltspolitiker Otto Fricke der Zeitung: "Der bürokratische und technische Murks, durch den die Flugbereitschaft immer wieder auffällt, kann so nicht weitergehen." Fricke brachte eine Privatisierung der Flugbereitschaft ins Spiel: "Privatisierung ist eine Möglichkeit, die es zu prüfen gilt. Sie muss aber nicht prinzipiell die bessere Lösung sein."

pat/dpa



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