Nach Missbrauchsskandal Odenwaldschule strukturiert sich neu

Die nach dem Missbrauchsskandal in die Krise geratene Odenwaldschule im hessischen Heppenheim will sich eine neue Struktur geben. Auch personell setzt man auf einen Neuanfang - "nach zeitweise bedrückenden Zeiten".

Die Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim
DPA

Die Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim


Heppenheim - Der Trägerverein der privaten Odenwaldschule im hessischen Heppenheim will am Sonntag über eine neue Rechtsform abstimmen. "Der Trägerverein gibt die Hoheitsgewalt aus den Händen", sagte dessen Vorsitzender Gerhard Herbert. "Das ist schon ein entscheidender Einschnitt."

Der Veränderung war im Oktober grundsätzlich zugestimmt worden, nun liegen die Details auf dem Tisch. Nach einer klareren Trennung von Lehrern und Schülern im Internat ist auch die neue Rechtsform eine Folge des Missbrauchsskandals.

Kurz vor der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Schule waren im März 2010 lange zurückliegende sexuelle Übergriffe auf Schüler bekannt geworden. Offiziell wird von mindestens 132 Opfern und mehr als zehn Tätern aus der Lehrerschaft ausgegangen. Im vergangenen Jahr tauchten neue Missbrauchsverdächtigungen auf, die sich zwar nicht bestätigten, die hessischen Aufsichtsbehörden aber zum Eingreifen veranlassten.

Bereits Anfang Februar hatte die Schule ein neues Leitungsteam für Schule, Internat und Geschäftsführung vorgestellt. "Wir wollten ganz bewusst einen kompletten personellen Neuanfang", hieß es. Man hoffe nach "zeitweise bedrückenden Zeiten und bis in die letzten Monate hinein Phasen großer Verunsicherung" auf eine stabile Zukunft.

Der "Runde Tisch Odenwaldschule" hat laut eigenen Angaben ein Modell erarbeitet, das die Trägerschaft der Schule auf eine Stiftung und eine gemeinnützige GmbH überträgt. Nach dem Bekanntwerden des systematischen Missbrauchs war die Schülerzahl des einstigen Vorzeigeinternats deutlich zurückgegangen, die Odenwaldschule geriet auch finanziell in eine Schieflage.

ala/dpa

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