Nachfolge Wie der nächste Papst gewählt wird

Mit dem Tod des Papstes steht die katholische Welt für eine kurze Zeitspanne still. Aber in spätestens einem Monat wird das Machtvakuum gefüllt sein und ein neuer Pontifex über den Vatikan und fast eine Milliarde Gläubige regieren - so wollen es die Gesetze der katholischen Kirche.


Der Papst segnet die Gläubigen auf dem Petersplatz: "Habemus papam!"
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Der Papst segnet die Gläubigen auf dem Petersplatz: "Habemus papam!"

In dem Augenblick des Todes von Johannes Paul II. hat sich hinter den Mauern des Vatikans ein mächtiges Mühlwerk aus 92, zum Teil jahrhundertealten Traditionen und Regeln in Bewegung gesetzt.

Als erstes wird der Leichnam des Pontifex untersucht, um den Tod festzustellen. Der Papst wird dreimal mit seinem Namen angerufen, dann wird ihm ein silberner Spiegel vorgehalten, um den Atem zu kontrollieren. Früher wurde den Verstorbenen mit einem kleinen Hämmerchen dreimal gegen die Stirn geklopft. Nach diesem Ritual stellt der Camerlengo, der Kardinalskämmerer der Heiligen Römischen Kirche, die amtliche Todesurkunde aus. Eine Obduktion ist nicht vorgesehen. Noch kein Papst wurde nach seinem Tod ärztlich begutachtet. Der Camerlengo nimmt den Fischerring des Verstorbenen an sich, das Symbol der päpstlichen Macht, und zerstört ihn mit einem Hammer. Dann versiegelt er die Schlafgemächer des Papstes im Apostolischen Palast.

Konklave: Wahlberechtigte Kardinäle
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Konklave: Wahlberechtigte Kardinäle

Für wenige Tage steigt der Kämmerer zum wichtigsten Mann des Vatikanstaats auf. Denn: Alle anderen Leiter der Vatikanbehörden treten geschlossen zurück. Bis der Nachfolger des Kirchenvaters feststeht, übernimmt der Camerlengo die Verwaltung der Kirche und der päpstlichen Paläste. Dann regelt er die Beisetzung von Johannes Paul II., die zwischen dem vierten und dem sechsten Tag nach dem Tod erfolgen muss.

Der Camerlengo beruft die 117 wahlberechtigten Kardinäle aus aller Welt nach Rom. Frühestens 15 Tage nach dem Dahinscheiden des Papstes legen die kirchlichen Würdenträger ihren Talar mit der roten Schärpe an und ziehen vom Gästehaus der Heiligen Martha zum Apostolischen Palast und zur Sixtinischen Kapelle. 1978, als Johannes Paul II. gewählt wurde, mussten sie dort während dem so genannten Konklave (cum clave = mit Schlüssel) zwei Tage eingeschlossen verharren, bis der neue Kirchenfürst feststand. In der Sommerhitze war es in dem Palast heiß und stickig, Bäder und Toiletten waren nur wenige vorhanden. Statt im Gästehaus wurde auf hastig aufgestellten Feldbetten geschlafen. Diesmal werden es die Kardinäle bequemer haben: Johannes Paul II. ließ das Gästehaus im Vatikan modernisieren.

Kardinalsversammlung: Exklusives Wahlgremium
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Kardinalsversammlung: Exklusives Wahlgremium

Vor dem Konklave durchsuchen Techniker die Sixtinische Kapelle nach Wanzen. Nichts soll von den Beratungen der Kardinäle nach außen dringen. Die Wählenden selbst werden nicht nur von der Öffentlichkeit völlig abgeschottet, sondern sie müssen auch absolute Geheimhaltung schwören. Handys, Kameras und Mikrofone sind strikt verboten.

Nach den vorbereitenden Beratungen beginnen die eigentlichen Wahlgänge. Es wird nicht viel gesprochen auf dieser außergewöhnlichen Versammlung: Kandidatenreden und Gegenreden sind nicht mehr gestattet. Der Papst soll in geheimer Abstimmung und mit Zweidrittel-Mehrheit bestimmt werden. Dazu erhalten die Kardinäle einen Stimmzettel mit der Aufschrift "Eligo in Summum Pontificem - Zum Papst wähle ich". Sie tragen den Namen ihres Kandidaten ein, falten das Papier, legen den Stimmzettel auf einen Hostienteller und werfen ihn anschließend in einen Kelch. So soll verhindert werden, dass ein Kandidat mehrere Zettel abgibt.

Durch die prachtvolle Sixtinische Kapelle wird auch der neue Papst nach seiner Wahl schreiten
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Durch die prachtvolle Sixtinische Kapelle wird auch der neue Papst nach seiner Wahl schreiten

Die Namen werden schließlich laut vorgelesen, ein Wahlhelfer durchsticht sie mit einer Nadel und reiht sie auf eine Schnur. Sobald das Ergebnis des Wahlgangs feststeht, werden die Zettel in einem Kanonenofen verbrannt, dessen Rohr die einzige Verbindung in die Außenwelt ist. Hat sich keine klare Mehrheit für einen Kandidaten ergeben, mischen die Helfer den Wahlzetteln etwas Pech bei, so dass schwarzer Rauch aufsteigt. Dann beginnt ein neuer Wahlgang, solange, bis sich die Kardinäle schließlich für einen Anwärter entschieden haben. Das kann bis zu 30 Mal geschehen und etwa zwei Wochen dauern. Erst beim 31. Mal genügt die einfache Mehrheit. Täglich gibt es maximal vier Wahlgänge.

Steht ein Wahlsieger fest, werden die Zettel ohne Beigaben im Ofen verbrannt: Weißer Rauch steigt dann über dem Dach des Apostolischen Palastes auf und zeigt den Gläubigen an, dass eine Entscheidung gefallen ist.

Der Kardinalsdekan fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Namen er sich geben möchte. Während der Päpstliche Zeremonienmeister eine Urkunde des Vorgangs anfertigt, zieht der neue Papst in einem Nebenraum ein weißes Gewand und eine wertvolle alte Stola an. Die Kardinäle geloben ihm Gehorsam, dann tritt er auf die Loggia der Petersbasilika hinaus, während ein Kardinal den draußen auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen zuruft: "Habemus papam!" Die katholische Kirche hat wieder ein Oberhaupt. "Wir haben einen Papst", lautet die Botschaft.

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